Heibel-Ticker Jahresrückblick Vertrauen in die Wissenschaft wurde mit +21% belohnt

Gastautor: Stephan Heibel
04.01.2021, 14:55  |  424   |   |   

Der Hauptbestandteil meiner neuen Ausgabe ist mein Jahresrückblick in Kapitel 02: Jede Transaktion des abgelaufenen Jahres, die wir in unserem Heibel-Ticker Portfolio durchgeführt haben, wird kritisch geprüft.

 

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Ich hoffe, Sie haben schöne Weihnachtstage gehabt: Die Corona-Beschränkungen haben uns den Begriff “besinnliche” Weihnachtszeit näher gebracht und viele Familien haben sich so stark mit sich selbst beschäftigt wie lange nicht mehr. Ich persönlich habe das genießen können.

Der Hauptbestandteil meiner neuen Ausgabe ist mein Jahresrückblick in Kapitel 02: Jede Transaktion des abgelaufenen Jahres, die wir in unserem Heibel-Ticker Portfolio durchgeführt haben, wird besprochen und mit dem Blick in den Rückspiegel einer kritischen Prüfung unterzogen. Es ist meine Standardübung, aus der ich Strategieänderungen für das kommende Jahr ableiten werde, wenn ich in der nächsten Ausgabe meine Erwartung für das Jahr 2021 ausarbeite.

Wenn ich für das abgelaufene Jahr auf etwas stolz bin, dann darauf, dass ich meine Leser in dieser Marktphase bei Laune gehalten habe. Jetzt nicht zu verkaufen war schwer, aber wichtig. Es war leicht, die Corona-Gewinner zu identifizieren und zu empfehlen. Es war auch leicht, vor den Corona-Verlierern zu warnen. Aber einen Jahrhundertcrash fast vollständig investiert auszusitzen war schwer.

Doch es hat sich gelohnt, wir haben an der folgenden Erholung voll teilgenommen und unser Portfolio ist von -19% am 18. März bis Jahresende auf +20% angesprungen.

Die Transaktionsliste aller im Jahr 2020 getätigten Käufe und Verkäufe, Teilverkäufe und Nachkäufe finden Sie unter folgendem Link: heibel-ticker.de/downloads/TA2020.htm. Es ist die Rechtfertigung dafür, dass alles, was ich hier im Heibel-Ticker empfehle, auch genau so in das Heibel-Ticker Portfolio eingeht. Dabei unterliege ich einigen Beschränkungen, die sicherstellen sollen, dass meine Leser MINDESTENS genauso gut fahren wie das Heibel-Ticker Portfolio. Dem Feedback meiner Leser habe ich entnommen, dass viele von Ihnen deutlich bessere Ergebnisse erzielen konnten, herzlichen Glückwunsch 🙂

Für die Treue, die Sie mir im turbulenten Börsenjahr 2020 entgegengebracht haben, möchte ich mich ganz herzlich bedanken. Meine langjährigen Leser wissen: Sie sind meine Motivation, jedes Jahr noch besser zu werden. Wie es sei, wenn man sein Hobby zum Beruf macht, wurde ich bei unserer Weihnachts-Weinprobe gefragt: Wenn man jeden Freitag “liefern” muss, wird auch das schönste Hobby zur Arbeit, war meine Antwort. Doch um genau das zu tun, hole ich mir die Motivation aus Ihrer Treue, aus Ihrem Lob und Ihrem Erfolg. Ich werde alles geben, dass dies auch 2021 so bleibt.

Nun wünsche ich einen guten Rutsch in ein hoffentlich gesundes Jahr 2021 und eine anregende Lektüre,

take share, Ihr Börsenschreibel

Stephan Heibel

 

Nachfolgend finden Sie das komplette Kapitel 02 meiner Ausgabe 21/53

So tickt die Börse + Jahresrückblick + „Vertrauen in die Wissenschaft wurde mit +21% belohnt“

  • Absicherung +5% mit Zins & Gold
  • Dividende -6% aus der Urlaubskasse
  • Wachstum +47% für die Enkelkinder
  • Spekulation +37% für das gewisse Etwas

 

Der Jahresausblick für 2021 mit meinen Erwartungen wird in meiner kommenden Ausgabe erscheinen.

 

Im Herbst würde es einen Impfstoff gegen Corona geben, war meine wichtigste Annahme, die uns in diesem Jahr den Erfolg gesichert hat. Eine Impfstoffentwicklung dauere 4-6 Jahre und könne vielleicht auf etwas unter zwei Jahre verkürzt werden, war die einhellige Meinung der Impfstoffexperten. Doch ich hatte frühzeitig von der mRNA-Forschung von Biontech, Curevac und Moderna gehört und war daher optimistischer als viele andere.

Mitte Februar war meine Skepsis bezüglich weiterer Kursgewinne im DAX groß und wir hatten bereits eine Cashposition von 22,5%. Corona war meines Erachtens an den Aktienmärkten noch nicht ausreichend berücksichtigt und auch ohne Corona war eine größere Korrektur überfällig. So steigerte ich unsere Cashposition in die erste Ausverkaufswelle hinein auf der 30%.

Wir waren damit so liquide wie selten und konnten in den Crash hinein beherzt zugreifen. Als der DAX bis Anfang März von 13.789 Punkten auf 11.000 Punkte eingebrochen war, kauften wir massiv zu. Doch jetzt erst begann der schwere Teil für uns Anleger: Der DAX rauschte weiter in den Keller und erreichte am 18. März bei 8.441 Punkten sein Tief. Unser Portfolio lag mit 19% im Minus, der DAX sogar mit 33%.

Das ist eine Situation, in der viele Anleger die Nerven verlieren. Verständlich, immerhin ist die über Jahre angesparte Altersvorsorge bei vielen Anlegern um 20-30% geschrumpft. Die halbe Welt ging in den Lockdown und Szenarien von ein bis zwei Jahren Lockdown machten die Runde, Parallelen zur spanischen Grippe von 1918 wurden gezogen. An einen am Computer konstruierten Impfstoff konnte kaum jemand glauben.

Wenn ich für das abgelaufene Jahr auf etwas stolz bin, dann darauf, dass ich Sie, liebe Kunden, in dieser Marktphase bei Laune gehalten habe. Jetzt nicht zu verkaufen war schwer, aber wichtig. Es war leicht, die Corona-Gewinner zu identifizieren und zu empfehlen. Es war auch leicht, vor den Corona-Verlierern zu warnen. Aber einen Jahrhundertcrash fast vollständig investiert auszusitzen war schwer.

Doch es hat sich gelohnt, wir haben an der folgenden Erholung voll teilgenommen und unser Portfolio ist von -19% am 18. März bis heute auf +20% angesprungen. Zwar lag ich mit meiner Erwartung, bis zum Herbst sei ein Impfstoff verfügbar, falsch - jedoch nur um ein paar Wochen. Zwar ist die zweite Welle, die wir derzeit durchleiden, schlimmer als von mir befürchtet, aber an den Aktienmärkten wird die Zukunft gehandelt und mit einem verfügbaren Impfstoff am Markt sind alle Befürchtungen nur befristet und heute wird schon eingepreist, wer Ende 2021 oder sogar Anfang 2022 Erfolg haben wird. 9 Monate schaut man an der Börse durchschnittlich in die Zukunft, doch Anleger sollten einen Horizont von 12-18 Monate ins Auge fassen, damit sie der Börse einen Schritt voraus sind.

Trotz der Turbulenzen sind wir in diesem Jahr mit 106 Transaktionen ausgekommen: Ein Kauf oder Verkauf alle zwei Handelstage. In ruhigen Jahren sind wir auch schon mal mit der Hälfte ausgekommen, doch meist waren es um die 80 Transaktionen. "Hin und her acht Taschen leer", sagen die Anhänger Kostolanis, der Aktien kaufte und sich schlafen legte. Ich denke jedoch, die Zeiten Kostolanis sind vorbei, die Volatilität nimmt jedes Jahr weiter zu und ich befürworte einen aktiven Umgang mit den Portfoliopositionen: Nachkäufe und Teilverkäufe mögen zwar Gebühren erzeugen, doch sind sie wichtig für das Feintuning und außerdem ist es psychologisch meist einfacher, Positionen schrittweise auf- und abzubauen.

Wenn ich die 54 Käufe und 52 Verkäufe mit jeweils 15€ Gebühren einrechne, wird unsere Jahresperformance von 21% auf 19,4% geschmälert. Damit liegen wir immer noch deutlich vor dem DAX, der dieses Jahr nur mit Müh und Not knapp ins Plus drehen konnte.

Schauen wir uns die einzelnen Portfoliobereiche einmal näher an.

ABSICHERUNG +5% MIT ZINS & GOLD

Einen Börsencrash übersteht auch das Gold nicht unbeschadet: Von 1.700 USD/Oz auf 1.471 USD/Oz ist der Goldpreis binnen weniger Tage im März eingebrochen, -13%. Dabei sollte man doch meinen, der sichere Hafen sei gesucht, wenn's an den Börsen kracht. Doch das Gold ist für viele Anleger so etwas wie eine Barreserve geworden. Und in die Spätphase des Crashs hinein haben viele Anleger ihre Barreserve für Aktienkäufe genutzt: Gold wurde verkauft und Aktien wurden gekauft. Das hat den Goldpreis vorübergehend stark belastet, doch anschließend konnte das Gold bis zur Jahresmitte bis auf ein neues Allzeithoch bei 2.069 USD/Oz klettern: +40% in nur 5 Monaten.

Wir haben Goldbarren und -münzen als Absicherung mit einem Anteil von aktuell 7,3% in unserem Portfolio, auf Jahressicht und gemessen in Euro ist die Position um 12% angestiegen. Wir haben im Jahr 2020 weder verkauft, noch zugekauft. Stattdessen haben wir die Goldpreisschwankung mit Aktien von Wheaton Precious Metal und Barrick Gold für uns genutzt, wie Sie weiter unten in den Portfoliobereichen Spekulation und Wachstum sehen werden.

Neben dem Gold sichern wir unser Portfolio noch mit zwei Unternehmensanleihen ab: Südzucker und Nokia. Die Südzucker-Anleihe wird variabel in Abhängigkeit vom Euribor verzinst und wirft derzeit nur 2,7% ab. je stärker das Zinsniveau ins Minus rutscht, desto niedriger wird die Verzinsung. Ich habe die Anleihe nach der Finanzkrise im Jahr 2010 ins Portfolio geholt, weil ich für das Ende der Niedrigzinsphase gewappnet sein wollte: Wenn die Zinsen steigen, dann hocken wir mit der Südzucker-Anleihe nicht auf einer Niedrigzinsanleihe, sondern können uns über die steigenden Zinsen freuen.

Die Niedrigzinsphase dauert nun aber länger, als sich das irgendjemand vorstellen konnte. Schlimmer noch: Das Zinsniveau sinkt immer weiter, inzwischen auch im negativen Bereich. Und die Notenbanken machen keinen Hehl daraus, dass dies auch noch lange so bleiben soll. Entsprechend verloren viele Anleger inzwischen die Geduld in dieser Anleihe, der Kurs notiert bei nur noch 78%.

Nun wird der Zins von 2,7% auf den Nennwert von 100% der Anleihe berechnet. Wenn die Anleihe derzeit aber nur 78% kostet, dann erhalten Sie 2,7 Euro auf ein eingesetztes Kapital von 78 Euro. Das entspricht einer Rendite von 3,5% und klingt damit schon wieder gar nicht so übel, oder? Vor dem Hintergrund des Kursverlusts im laufenden Jahr von 10% ist das jedoch nur ein schwacher Trost.

Ganz anders sieht es bei unserer Nokia-Anleihe aus: Die hat um 11% zulegen können und wirft zusätzlich 6,6% Zinsen ab. Inzwischen notiert die Anleihe jedoch bei 127,50% und bringt somit auf den aktuellen Wert nur noch eine Rendite von 5,1%.

Im Bereich der Absicherung haben wir im Jahr 2020 nichts verändert, wir haben alle drei Positionen in dieser Größe bereits aus dem Vorjahr übernommen. Für das Jahr 2021 habe ich vor, den Bitcoin in diesen Bereich einzubinden. Vermutlich werde ich die beiden Anleihen vor diesem Hintergrund nochmals genauer durchleuchten.

DIVIDENDE -6% AUS DER URLAUBSKASSE

Passend zu den Reisebeschränkungen ist unser Dividendenportfolio in diesem Jahr ins Minus gerutscht: Die Dividenden, mit denen man gerne mal die Urlaubskasse auffrischt, haben im Coronajahr keinen Spaß gemacht.

Zwei Dividendentitel, die wir noch aus dem Vorjahr übernommen hatten, konnten wir Anfang März noch mit kleinem Plus verkaufen: Innotec mit +5% und die Deutsche Telekom mit +2%.

Quasi "gefangen" fühle ich mich in der Aktie von Freenet: 9% Dividendenrendite sind überaus attraktiv. Doch die hohe Dividendenrendite gab dem Unternehmen keinen Halt, die Aktie fiel auf Jahressicht um 16%. Zudem wurde die Dividende aufgrund von Corona gestrichen. Eigentlich verfügt Freenet über Abokunden und somit über ein Geschäftsmodell mit hohem Cashflow, so dass eine hohe Dividendenrendite möglich erscheint. Doch in den vergangenen Jahren wurden teure Abenteuer eingegangen (Sunrise, Ceconomy), die belastend auf die Bilanz wirkten. Zweifel, ob die hohe Dividende wieder aufgenommen werden kann, sind angebracht.

Bei Hugo Boss lag ich falsch: Schon Ende Februar hatte ich Hugo Boss zum Kauf empfohlen, also vor dem Crash. Die Aktie brach von 39 auf 22 Euro ein und ich erkannte wohl zu spät, dass Hugo Boss zu den Corona-Verlierern gehören wird. Wir verkauften die Position also Anfang April mit -43% und steckten das Geld in einen Corona-Gewinner. Die Verkaufsentscheidung war richtig, denn bis heute hat sich die Aktie nur wenig erholen können.

Gleichzeitig mit Hugo Boss hatten wir Ende Februar auch die Münchener Rückversicherung gekauft. Die haben wir jedoch behalten - zu recht, denn die Aktie hat sich, obwohl wir sie viel zu früh gekauft hatten, bis heute wieder ins Plus gekämpft, +5%.

Auch bei BASF war ich zu früh, am 28. Februar empfahl ich die Aktie bereits zum Kauf. Den Crash standen wir durch, die anschließende Erholung ermöglichte uns dann im Mai den Ausstieg mit -14%. Als sich die Konjunkturaussichten dann aufhellten, holte ich die Aktie im Juli zurück und so freuen wir uns aktuell über einen Buchgewinn von 31%.

Sixt war im Coronacrash von 100 auf 35 Euro eingebrochen. Ich empfahl Sixt, als sich die Aktie im März bereits auf 49,20 Euro halbiert hatte. Doch nur zwei Wochen später war ich mir nicht mehr sicher, ob Sixt zu den Gewinnern der Cortonakrise gehören würde, und so warfen wir die Position mit -23% nah ihrem Jahrestief wieder raus. Ein Fehler, wie wir heute sehen können, denn die Aktie notiert wieder bei knapp 100 Euro.

Ich hatte nicht früh genug erkannt, dass die individuelle Mobilität in Coronazeiten die öffentlichen Transportmittel ersetzte und somit die eingebrochene Nachfrage nach Geschäftswagen teilweise kompensierte.

Richtig Spaß hat die Aktie der Deutschen Post gemacht: Der Onlinehandel wurde zum Umsatztreiber und die Aktie sprang um 20% an.

Im Mai holten wir noch Nestlé als Dividendentitel ins Portfolio, der möglichst konjunkturunabhängig laufen sollte. Bis August tat sich nicht viel in der Aktie und neue Konjunkturhoffnung drohte Dividendentitel ins Abseits zu drängen, daher verkauften wir die Position mit +6%. das war richtig, denn immerhin ist die Aktie anschließend um 10% abgerutscht.

Der Portfoliobereich Dividende ist dazu gedacht, Kapital möglichst schwankungsarm aufzubewahren und eine regelmäßige Dividende abzuwerfen, die zur Aufbesserung der Urlaubskasse genutzt werden kann. Das hat im Jahr 2020 nicht hingehauen. Zudem haben die Marktturbulenzen zu häufigen Richtungswechseln in diesem Bereich geführt: Es gab immer wieder Überraschungen, welche Unternehmen mit Cashflow-Einbußen zu kämpfen hatten, obwohl man dies auf den ersten Blick nicht vermutet hätte. Gerade in diesem Bereich war es offensichtlich schwer, auf die richtigen Pferde zu setzen. Das mag als Entschuldigung gelten, doch zufrieden bin ich mit diesem Portfoliobereich nicht.

Für das Jahr 2021 fühle ich mich nun besser positioniert, strebe jedoch an, Freenet durch einen besseren Titel zu ersetzen, sobald die Aktie in Aussicht auf die (hoffentlich) hohe Dividende im Frühjahr etwas zugelegt hat. Tröstend mag jedoch sein, dass wir den Dividendenbereich im Jahr 2020 stets kleiner gehalten haben als vorgesehen. Irgendwie war mit Dividendentitel kein Blumentopf zu gewinnen und entsprechend war es gut, dass wir diesen Portfoliobereich nicht ausgefüllt haben, sondern die Barmittel in den wesentlich erfolgreicheren Bereichen Wachstum und Spekulation eingesetzt haben.

WACHSTUM +47% FÜR DIE ENKELKINDER

Wachstumstitel sind Aktien, die unter großen Kursschwankungen tendenziell stark ansteigen. Sie brauchen also gute Nerven und einen langen Zeithorizont, um in diese Titel zu investieren. Wenn alles gut läuft, freuen sich Ihre Enkelkinder darüber, dass Sie frühzeitig auf Titel wie Paypal, Spotify oder Medios gesetzt haben.

Der Coronacrash war gerade für diesen Portfoliobereich eine tolle Sache: Seit Monaten fiel es mir schwer, günstige Wachstumstitel zu finden. Daher haben wir gerade diesen Bereich vor dem Crash ziemlich leer geräumt. Im Crash und in den Monaten danach boten sich immer wieder Gelegenheiten, Wachstumstitel günstig aufzugreifen. Dabei haben wir uns auf die Bereiche Biotech und Technologie konzentriert.

Unsere Position in Zuora hatten wir bereits vor dem Crash verkleinert. Diese Technologieaktie wurde dann jedoch heftig vom Crash getroffen, weil die Kunden von Zuora überwiegend große Konzerne sind, die IT-Projekte zunächst mal auf die lange Bank geschoben haben. Die Aktie hat sich bis heute nicht erholen können, der Verkauf mit -37% war also richtig. Außerdem hat die "shared economy", die von Zuora propagiert wird, Kratzer bekommen: Wer möchte sich schon ein Auto mit jemand anderem teilen, wenn darin Corona-Aerosole umher schwirren? Eine schnelle Erholung für Zuora wird es vermutlich nicht geben, dennoch gehe ich davon aus, dass das Geschäftsmodell Zukunft hat. Langer Atem ist gefragt, wenn Sie noch drin sind.

Zooplus gehört zu den Corona-Gewinnern. Der Einzelhändler für Tierbedarf erlebte einen Nachfrageboom, da die Tierhalter nicht mehr in die Zoohandlung vor Ort pilgern konnten. Die Aktie schoss nach oben, wir sind 22% mitgesegelt, verkauften aber im März zu früh. Ich hatte mir den Internetauftritt von Zooplus näher angeschaut und gewann den Eindruck, dass da noch vieles sehr hemdsärmelig vonstatten geht, modern ist was anderes.

Mein Eindruck scheint sich zu bestätigen, denn der Umsatzschub führt leider nicht zu einem nachhaltigen Gewinnsprung. Das KGV 2021e wird auf 66 geschätzt und ist für meinen Geschmack zu hoch. Die Aktie wurde im Kielwasser von Zalando, HelloFresh und Delivery Hero nach oben gespült. Trotzdem schade, dass wir hier zu früh abgesprungen sind.

Verbio haben wir aus dem Vorjahr ins Jahr 2020 übernommen. Auch Verbio verkauften wir vor dem Crash mit 15% Gewinn. Als die Aktie dann jedoch unter die Räder kam, kaufte ich die Position für uns bereits Ende Februar zurück und war überzeugt, dass der Absatz von Corona kaum beeinträchtigt würde. Als dann jedoch der Lockdown folgte, brach der Ölpreis ein und mit ihm auch der Ethanolpreis, ich habe die Aktie dann mit Verlust verkauft (-30%).

Seither ist Verbio angesprungen, von 8 Euro schoss der Kurs auf heute 30 Euro. Verbio stellte Desinfektionsmittel auf Ethanolbasis her und konnte somit Umsatzausfälle gut abfangen. Zudem zeigte sich bald, dass der Individualverkehr nicht so stark beeinträchtigt wurde wie zunächst befürchtet. Tja, schade, diese Rallye fand ohne uns statt.

Unsere erfolgreichste Position im Jahr 2020 war Nvidia: Mitten im Coronacrash kauften wir die Aktien zu 229,55 Euro ein und konnten im August mit +69% verkaufen. Seither läuft Nvidia unter starken Schwankungen seitwärts. Da sah es dann bald so aus, als käme der ewige Rivale, AMD, in die Hufe und könne aufholen. Ende Oktober holten wir AMD in unser Wachstumsportfolio, verkauften die Aktie jedoch Mitte November mit +5% wieder, weil wir nach den Erfolgsmeldungen zur Impfstoffentwicklung unsere Gewichtung von Corona-Gewinnern verringern wollten.

Auch die historische Rallye von ServiceNow nach dem Einstieg von CEO Bill McDermott konnten wir zu einem Teil mitnehmen: von März bis September legte die Aktie 58% zu und bescherte unserem Portfolio einen dicken Gewinn.

Auch Twitter haben wir vorübergehend im Portfolio gehabt, allerdings konnten wir die im Mai eingegangene Position im Juni Plusminus Null wieder auflösen. Twitter ist die Geschichte eines Unternehmens mit großem Potential, das vom Teilzeit-CEO leider nicht gehoben wird. Ich habe mich daher für eine andere Aktie aus dem Bereich Social Media entschieden: Facebook.

Facebook haben wir Ende Oktober ins Wachstumsportfolio geholt, sie ist die jüngste Position und derzeit mit 6% im Minus. Sollte Facebook noch ein wenig nachgeben, würde ich die Position aufstocken.

Bereits aus dem Vorjahr haben wir BB Biotech übernommen, die Position haben wir im Jahresverlauf mal verkleinert und dann wieder vergrößert. Somit ergibt sich ein durchschnittliches Jahresplus von 11% für diese Wachstumsposition. BB Biotech hat Moderna im Portfolio. Ich gehe davon aus, dass die mRNA-Technologie in den kommenden Jahren noch revolutionäre Ergebnisse liefern wird. BB Biotech hat jedoch ein breites Spektrum an börsennotierten Biotech-Unternehmen im Portfolio, die allesamt mit erfolgsversprechenden Technologien hantieren. Daher ist BB Biotech weiterhin für mich das beste Instrument, um an den komplexen Innovationen der Biotech-Branche zu partizipieren.

Spotify haben wir ebenfalls aus 2019 übernommen und im Jahr 2020 mehrfach Teilgewinne realisiert und später wieder nachgekauft. Dadurch haben wir einen durchschnittlichen Gewinn von 43% auf der Position, wenngleich wir bereits über 100% im Vergleich zu unserem Erstkauf im Jahr 2019 vorne liegen.

Die Position in Wheaton Precious Metals haben wir seit Juni in mehreren Schritten aufgebaut und zwischenzeitlich auch einmal Teilgewinne mitgenommen. Während der turbulenten Tage des Coronacrashs hatten wir mit Wheaton Precious bereits im spekulativen Portfolioteil 51% Plus in nur 5 Wochen erzielt. Unsere nun aktuelle Position ist deutlich größer als die eigentlich beabsichtigte Positionsgröße im Wachstumsportfolio. Wir liegen jedoch mit 11% hinten. Ich gehe davon aus, dass die Aktie schon bald wieder anziehen wird, sonst hätte ich die Position auf diesem Niveau nicht so groß gemacht.

Airbus wurde im Coronacrash ebenfalls ausverkauft. Der europäische Flugzeugbauer wird jedoch überleben, auch wenn vorübergehend staatliche Hilfen dazu erforderlich sind. Strategisch ist Airbus Dank des Boeing 737MAX-Desasters bestens positioniert: Airbus hat in die Zukunft investiert, während Boeing Wunden lecken musste. Ich halte Airbus daher für ein Wachstumsunternehmen. Seit unserem Einstieg Ende Juli konnte die Aktie bereits um 44% zulegen.

Den CFO von Medios hatte ich im Februar kennengelernt, ab dem 1.1. wird er als CEO das Unternehmen leiten: Matthias Gärtner machte auf mich den Eindruck, ein funktionierendes Wachstumskonzept nun ausrollen zu wollen. Die Pandemie führte zu Beschränkungen im Einkauf, was das Wachstum von Medios beeinträchtigte. Trotzdem legt das Unternehmen ein beeindruckendes Tempo vor: der Umsatzwachstum des Zulieferers für Apotheken sprang im laufenden Jahr um 20% an und wird dank eines Zukaufes im Jahr 2021 um 57% anspringen. Corona hat zu einem Digitalisierungsschub geführt. Das Abmischen von individuellen Medikamenten im Hinterzimmer des Apothekers wird immer aufwendiger, Medios kann immer mehr Apotheker für das eigene Netzwerk gewinnen. Unsere Position notiert derzeit auf einem Buchgewinn von 40%.

Apple haben wir wieder ins Depot geholt. Es war 2006 die erste Aktie, die ich Ihnen empfahl und nach über 1000% Gewinn hatte ich sie dann mal rausgeworfen. Warum eigentlich, habe ich mich seither gefragt, denn Apple-Produkte sind nach wie vor das Non plus ultra, wenn es um meine Arbeit geht (MacBook, iPad), aber auch wenn es um Modeartikel wie iPhone, Apple Watch oder AirPods geht. Seit unserem Wiedereinstieg ist die Aktie um 7% angestiegen.

Nach der anstrengenden Suche nach einem guten Finanztitel bin ich letztlich wieder bei Paypal gelandet: Das Unternehmen profitiert von dem angesprungenen Online-Handel. Doch Paypal digitalisiert auch den Offline-Bereich. Für 2021 bin ich aber schon wieder unsicher: Ein Konjunkturaufschwung würde den traditionellen Banken gut tun, denn Insolvenzrisiken wären dann rückläufig. Wenn man an der Börse auf die alten Banktitel aufspringt, bleibt vielleicht nicht mehr viel Kaufkraft für die FinTechs übrig? Aktuell notiert unsere Position bei +14%, ich werde das mal beobachten.

Unser Wachstumsbereich besteht also derzeit aus zwei Biotech/Pharma-Titeln (BB Biotech, Medios), was der Corona-Pandemie geschuldet ist, einem Abo-Dienstleister (Spotify), einem Gold-Titel (Wheaton), einem Logistiker (Airbus), einem Zahlungsdienstleister (Paypal) und einer Social Media Aktie (Facebook). 8 Titel, obwohl eigentlich nur 5 in diesen Portfoliobereich sollten. 45% Portfolioanteil, obwohl eigentlich nur 35% in Wachstumstiteln sein sollten. Hat sich gelohnt, denn mit +47% ist dieser Bereich unseres Heibel-Ticker Portfolios am erfolgreichsten gelaufen. Ich werde mir überlegen, wie wir uns im Jahr 2021 aufstellen.

SPEKULATION +37% FÜR DAS GEWISSE ETWAS

Wir spekulieren, damit es nicht zu langweilig wird. Hier holen wir uns den gewissen Kick, der uns täglich wieder neugierig den Rechner anwerfen lässt. Vielleicht fällt hier ja mal ein Gewinn ab, mit dem sich der lang erträumte Oldtimer kaufen, oder aber der Wintergarten finanzieren lässt. Im Jahr 2020 haben wir hier 37% Plus gemacht, davon kann man sich schon das eine oder andere kleine Geschenk machen :-).

Erforderlich waren für diesen Erfolg jedoch eine ganze Menge Spekulationen: Twitter (-10%), Nvidia (+21%) und Wheaton Precious Metals (+51%) haben wir ja später im Wachstumsportfolio wiedergefunden.

Mit Barrick Gold haben wir, teilweise parallel zu Wheaton Precious Metals, mitten im Coronacrash spekuliert und 49% Plus gemacht. Im Juni bis Juli haben wir erneut in Barrick spekuliert und weitere 21% Gewinn gemacht. Die Bewegung im Goldmarkt ist in meinen Augen derzeit gut verständlich: Die Geldflutung der Notenbanken führt zwangsläufig zu einem steigenden Goldpreis, doch wann immer Corona Stress am Aktienmarkt verbreitet, wird Gold als Geldautomat genutzt, um Bargeld zu generieren und somit fällt der Goldpreis immer wieder mal.

Im Oktober haben wir erneut Barrick Gold gekauft, doch nur drei Tage später haben wir die Position mit -3% wieder aufgelöst, es war zu früh. Nun haben wir aktuell die Spekulation erneut am Laufen, Einstieg zu 19 Euro.

Der FinTech-Bereich hat mir Kopfschmerzen bereitet, wie oben angemerkt. American Express haben wir aus dem vergangenen Jahr übernommen, doch die Position haben wir, wie so ziemlich alle Spekulationen, rechtzeitig vor dem Coronacrash mit +6% aufgelöst.

Auf der Suche nach einem neuen FinTech-Unternehmen bin ich dann letztlich doch auch auf Wirecard gekommen. Immerhin wurde gegen die Financial Times ermittelt und die BaFin hatte sich demonstrativ hinter die Wirecard gestellt. Als das wichtige Gutachten im Mai nicht veröffentlicht wurde, wie versprochen, warf ich meine nur eine Woche zuvor eingegangene Spekulation mit -5% sofort wieder aus dem Portfolio. Als dann im Juni die Meldung der fehlenden Milliarde endlich veröffentlicht wurde, war meine erste Reaktion, dieses Desaster zu kaufen, denn nun ist die Katze aus dem Sack. In den folgenden Stunden habe ich mir dann das Volumen der verschwundenen Gelder näher angeschaut und musste feststellen, dass der Betrag nun doch so groß war, dass an einen Fortbestand von Wirecard nicht mehr zu denken war. Noch am gleichen Tag warf ich also die Position wieder raus, wir hatten dabei sogar einen Gewinn von 9% erzielt.

Lucky Luke bei der Arbeit: der Mann, der schneller zieht als sein eigener Schatten. Manchmal ist es gut genug, schnell zu sein, auch wenn man falsch liegt. Wenn man schnell reagiert, dann hat man in der Regel noch ausreichend Zeit, sich eine fundierte Meinung zu bilden und - falls man falsch lag - den Fehler zu korrigieren. Denn genau wie ich folgten viele andere ihrem ersten Impuls des Kaufens der schlechten Meldung. So wurde die Aktie noch nach oben getrieben, während ich mir eine Meinung bildete.

Neben Nvidia und AMD hatte ich auch Skyworks mehrfach in unser Portfolio geholt: Das Unternehmen stellt 5G-Chips für die Apple iPhones her. Auch Skyworks hatten wir aus dem Vorjahr übernommen und vor dem Crash mit +4% verkauft. Im November holte ich die Aktie erneut ins Portfolio, musste dann jedoch feststellen, dass wir zu viele Aktien haben, die von der Einführung der neuen 5G-Technologie abhängen. Daher verkaufte ich sie Anfang Dezember mit einem Plus von 2%.

Denn wir haben noch Marvell im Portfolio, ein weiterer Hersteller von 5G-Chips. Die Position liegt aktuell mit 1% im Plus.

Auch in Sachen Biotech und Pharma haben wir spekuliert: Im Mai habe ich Drägerwerk ins Depot geholt. Ich wollte bei der Corona-Behandlung dabei sein und Drägerwerk ist ein großer Hersteller von Beatmungsgeräten. Es zeigte sich jedoch sehr bald, dass die Beatmungsgeräte erst im Spätstadium eingesetzt werden sollten und Investitionen in Behandlungsmethoden sinnvoller waren, die bereits zu einem früheren Stadium ansetzten. Daher gab die Aktie kontinuierlich nach, wir verkauften einen Monat später mit -9%...

...und versuchten unser Glück bei der Compugroup, dem Anbieter von IT-Systemen für Arztpraxen. Dort konnten wir bis September +15% mitnehmen, denn Arztpraxen liefen trotz Kontaktbeschränkungen und Lockdown ungebremst weiter. Die Spekulation waren wir aus bewertungstechnischen Gründen mit einem klaren Kursziel eingegangen und entsprechend haben wir verkauft, als unser Ziel erreicht worden war. Seit unserem Verkauf hat sich in der Aktie nicht mehr viel getan.

Es folgte die Spekulation in Stratec Biomed, dem Anbieter von Labormaterial. Testen, testen, testen wurde gefordert und entsprechend ging die Nachfrage nach Verbrauchsmaterial für die Labore nach oben. Dann kam Ende September Abbott Laboratories mit einem Corona-Schnelltest auf den Markt und ein Analyst von Warburg schrieb über die Niederlage von Stratec Biomed im Wettlauf um den ersten Schnelltest. Die Aktie von Stratec brach ein und ich empfahl den Kauf, denn der Markt ist groß genug für viele Schnelltests. So kam es denn auch, die Aktie erholte sich schnell wieder auf das Niveau von vor der Abbott-Meldung und wir konnten +212% in nur 4 Wochen erzielen.

Wacker Nelson war noch eine kurze Spekulation: im März ging ich davon aus, dass die Regierung Konjunkturprogramme mit Straßenbau und Brückensanierung auflegen würde. Ein Bereich, in dem die kleinen Baumaschinen von Wacker Nelson eingesetzt werden. Doch Kontaktbeschränkungen sorgten für eine stärkere Beeinträchtigung, als zu Beginn der Pandemie von mir erwartet wurde, und so stellte sich der Bauboom leider nicht ein. Das Konjunkturprogramm ließ auf sich warten, die Dividende von Wacker Nelson wurde gekürzt und so entwickelten sich die Dinge langsam in die falsche Richtung. Wir haben die Position, die wir am 9. März eingingen, Anfang April mit -10% wieder aufgelöst. Mist, seither hat sich meine Idee als richtig erwiesen, die Aktie ist um 80% angesprungen.

Für General Electric hatte ich den Turnaround ausgerufen und die Aktie am 11. Mai ins Portfolio geholt. Ich war ein wenig früh, denn bis Oktober lief die Aktie weiter seitwärts bis leicht abwärts und ich löste die Position frühzeitig mit -4% auf. Inzwischen ist der Turnerbund auch für andere sichtbar geworden, die Aktie ist in den vergangenen Wochen um 80% angesprungen.

Eine tolle Idee war, wie ich fand, meine Spekulation in Europas größtem Fahrradhersteller Accell aus den Niederlanden. Im Juni haben wir die Aktie ins Portfolio geholt, im September jedoch habe ich die Position mit +8% aufgelöst: Immer mehr wurde sichtbar, dass die Corona-Pandemie durch schwache Management-Entscheidungen nicht zum eigenen Vorteil genutzt wurde. Fahrräder wurden in den Lockdown hinein verramscht, um im Sommer beim Kundenansturm mit leeren Taschen dazustehen. Schade, aber das Unternehmen habe ich weiter im Auge. Vielleicht wird es ja nochmal was. Seit unserem Verkauf ist die Aktie seitwärts gelaufen.

Auch meine Idee, in Frosta zu spekulieren, fand ich toll: Es wurde mehr zu Hause gekocht und Frosta stand parat, um Fertiggerichte für die Kühltruhe direkt nach Hause zu liefern. So sprang die Aktie von Juli bis November um 12% an, doch es mehrten sich die Berichte über Corona-Ausbrüche in Schlachtereien und anderen Betrieben, die mit Kühlhäusern arbeiteten. Ich bekam kalte Füße und verkaufte. Seither ist die Aktie um weitere 5% angestiegen, aus der Bilanz verschwinden in diesen Tagen die letzten Schulden und der Gewinn springt dank des zusätzlichen Umsatzes an. Ich denke, auch diese Aktie könnte 2021 interessant werden.

Ende August bis Ende September spekulierten wir auf einen Gewinnsprung bei Fielmann, dem Anbieter von günstigen Brillen. Ich war davon ausgegangen, dass der Zwang zur Terminvereinbarung die Kostenstruktur günstig beeinflussen würde, denn wer einen Termin macht, der kauft dann auch. Und die beratungsintensive, aber wenig ausgabefreudige Laufkundschaft könnte wegfallen. Es stellte sich jedoch heraus, dass die Corona-Beschränkungen Investitionen in den Läden und in die IT erforderten, die auf den Gewinn schlugen. Zudem ging der Umsatz letztlich zurück, weil Kunden verstärkt auf Online-Anbieter umstiegen. Fielmann kommt besser durch die Coronakrise als viele andere Einzelhändler. Aber ein Profiteur, wie von mir ursprünglich angenommen, ist Fielmann wohl nicht. Wir konnten die Spekulation mit +3% auflösen.

Bleiben noch die erfolglosen Spekulationen in Proofpoint, TeamViewer und Docusign: Alles super Unternehmen mit einer rosigen Zukunft, doch alle drei Aktien waren schon auf einem sehr hohen Niveau, als wir im September und Oktober einstiegen. Als dann im November die positiven Impfstoffstudienergebnisse vorgestellt wurden, verkaufte ich diese Corona-Gewinnen mit kleinem Verlust bzw. mit plusmninus Null.

So sind wir aktuell mit Spekulationen unterwegs, die auf die Zeit nach Corona ausgerichtet sind: TUI notiert bereit mit 26% im Plus, der BVB konnte 7% zulegen und Nynomic ist bei +6%.

Es war ziemlich turbulent im spekulativen Bereich unseres Portfolios: in 24 unterschiedlichen Titeln haben wir spekuliert. Hier können Sie das Wechselbad der Gefühle ablesen, das sich auch in der Erholung nach dem Coronacrash über Anleger ergoss: Immer wieder stand die Frage im Raum, wie weit die Erholung noch gehen könne und ob nicht gerade die Corona-Gewinner bereits zu hoch gelaufen seien. Es war für mich klar, dass irgendwann der Wechsel von Corona-Gewinnern zu konjunktursensiblen Titeln erfolgen muss, doch wann? Und so hat sich gezeigt, dass auch die eine oder andere Fehlentscheidung nicht besonders negativ zu Buche schlägt, wenn man sie frühzeitig korrigiert. Mit +37% haben wir in diesem Portfoliobereich durch viele kleine Gewinne ein ordentliches Plus erzielt.

Soweit der Jahresrückblick. Ich denke, das Jahr 2020 kann als das Jahr der verpassten Gelegenheiten bezeichnet werden. Doch wenn Sie ehrlich zu sich selbst sind und an die Situation zurück denken, in der Sie hätten investieren oder eben nicht verkaufen müssen, dann werden Sie sich an die Ungewissheit erinnern, die zum jeweiligen Zeitpunkt bestand. Wir waren mit dem Heibel-Ticker vor dem Coronacrash niedrig investiert, konnten dann in die Vollen gehen und hatten den Mut, kontinuierlich auf steigende Kurse in dem einen oder anderen Bereich zu setzen. Wenn wir da an der einen oder anderen Stelle zu früh eingestiegen sind, oder das Timing mal nicht perfekt war, dann ist das menschlich. "Entgangene Gewinne" sind keine Verluste, daher kann ich mich über so etwas nicht aufregen :-). Und wenn ich mir die Performance meiner Mittbewerber anschaue, so sehe ich erst einmal keinen, der besser war als der DAX (+3,5%). Vor diesem Hintergrund können sich meine +21% doch sehen lassen, oder?

Der Jahresausblick für 2021 mit meinen Erwartungen wird in meiner kommenden Ausgabe erscheinen.


 

 

 

 

 

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Heibel-Ticker Jahresrückblick Vertrauen in die Wissenschaft wurde mit +21% belohnt Der Hauptbestandteil meiner aktuellen Ausgabe ist mein Jahresrückblick: Jede Transaktion aus 2020, die wir in unserem Heibel-Ticker Portfolio durchgeführt haben, wird besprochen und mit dem Blick in den Rückspiegel einer kritischen Prüfung unterzogen.

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