Diageo Aktie – Britisches Dividenden-Destillat mit dem extra Schuss Rendite?

Gastautor: Aktienfinder.Net
05.01.2021, 12:37  |  393   |   |   

Die Diageo Aktie gehört dem erlauchten Kreis britischer Dividenden-Aristokraten an und hat ihren Aktionären im letzten Jahrzehnt darüber hinaus eine durchschnittliche Jahresrendite von über 11 Prozent beschert. Daher verwundert es nicht, dass Kursgewinne und steigende Dividenden immer mehr Aktionäre anlockten und den Aktienkurs in fundamental bedenkliche Sphären hob. Mittlerweile hat der Aktienkurs aber deutlich vom Mitte 2019 erreichten Höchststand bei 35,04 GBP korrigiert.
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Verantwortlich für die schwächelnde Kursentwicklung waren neben einer zuletzt eher moderaten Umsatzentwicklung die Corona-Pandemie, die bei Diageo in der ersten Jahreshälfte voll ins Kontor geschlagen hat. Ob die Zeichen nun wieder auf Wachstum stehen und du wie in der Vergangenheit erneut mit steigenden Kursen und Dividenden rechnen darfst, erfährst du in unserer kostenlosen Aktienanalyse.

Das Geschäftsmodell: So verdient Diageo Geld

Das 1997 durch die Fusion von Guinness Brewery und Grand Metropolitan gegründeten Unternehmen Diageo gehört mit über 200 Marken zu den größten Spirituosenkonzernen der Welt. Nachfolgend geben wir dir einen Überblick über die wichtigsten Marken und das Geschäftsmodell von Diageo.

Diageo Aktie
Logo
Land Großbritannien
Branche Getränke
Isin GB0002374006
Marktkapitalisierung 74,4 Milliarden €
Aktienkurs 31,87 €
Dividendenrendite 2,4%
Stabilität Dividende 0,99 von max. 1,0
Stabilität Gewinn 0,71 von max. 1,0

Mehr als nur Bier

Keine auch nur halbwegs gut ausgestattete Bar kommt  ohne Hochprozentiges aus Diageos Portfolio aus. Neben der Biermarke „Guinness“ gehören dem Unternehmen Marken mit Weltruhm wie beispielsweise Johnnie Walker (Whisky), Smirnoff (Wodka), Captain Morgan (Rum), Baileys (Likör) und Tanqueray (Gin). Den Großteil des Umsatzes erwirtschaftet Diageo mit Whisky aus Schottland. Bekannt sind vor allem der torfige und kultige Lagavulin von der Island of Islay sowie der Talisker von der Isle of Skye, die zusammen mit 28 anderen Whisky-Marken 23 Prozent, und damit knapp ein Viertel des Gesamtumsatzes, erwirtschaften.

Marken von Diageo (Quelle: Unternehmenswebseite)

Marken von Diageo (Quelle: Unternehmenswebseite)

Für 15 Prozent des Gesamtumsatzes ist das Segment Bier verantwortlich. An die Seite des Klassikers Guinness reihen sich die ebenfalls bekannten Marken Harp, Kilkenny, Senator und Tusker. Die drittgrößte Produktkategorie nimmt Wodka ein. Mit den Marken Cîroc, Ketel One und Smirnoff erwirtschaftet Diageo 11 Prozent seines Umsatzes. Die übrigen Kategorien zeichnen sich für den Rest der Umsätze verantwortlich. Wie du in der untenstehenden Übersicht siehst, macht keines von ihnen mehr als 8 Prozent des Gesamtumsatzes aus.

Anteil der Kategorien am Gesamtumsatz, Quelle: Annual Report 2020

Anteil der Kategorien am Gesamtumsatz, Quelle: Annual Report 2020

Die Stärken des Geschäftsmodells

Das Produktportfolio von Diageo ist sehr stark in unterschiedliche Kategorien alkoholhaltiger Getränke diversifiziert. Das erlaubt Diageo unabhängig von der Entwicklung einzelner Marken und Kategorien zu agieren, was dem Geschäft, beispielsweise angesichts des stark sinkenden Bierkonsums, in vielen Märkten eine gewisse Stabilität verleiht. Zudem sorgen die vielen bekannten Marken für eine hohe Kundenbindung und so gleichzeitig für stabile Marktanteile.

Eine weitere Stärke ist der globale Fußabdruck des Unternehmens. Diageo ist weder von einzelnen Märkten abhängig noch von einer einzelnen Region. Mit 39,5 Prozent vom Gesamtumsatz ist Nordamerika für Diageo zwar die wichtigste Region,  bedeutend sind aber auch die Regionen Europa (inklusive Türkei) mit 21,9 Prozent, Asien und die Pazifikregion mit 19,3 Prozent sowie Afrika mit 11,5 Prozent. Mit Aktivitäten in mehr als 180 Ländern und über 150 Niederlassungen hat Diageo eine Infrastruktur aufgebaut, mit der es schnell auf Entwicklungen und Veränderungen im Konsumentenverhalten reagieren kann.

Diageos regionale Flexibilität und seine verschiedene Marken ermöglichen eine Unternehmensstrategie, die das Produktangebot in die drei Segmente „Globale Marken„, „Local Stars“ und „Reserve“ unterteilt.  Mit den globalen Marken wie Johnnie Walker, Smirnoff, Baileys, Captain Morgan, Tanqueray und Guinness erwirtschaftet Diageo mehr als 16  Milliarden GBP, beziehungsweise fast 40 Prozent seines Gesamtumsatzes. Mit den zu den „Local stars“ und der „Reserve“ zugehörigen Marken werden jeweils circa 20 Prozent des Gesamtumsatzes geniert. Mit den „Local stars“ will das Unternehmen die lokalen Märkte adressieren, während Diageo mit der Kategorie „Reserve“ auf das Luxus-Segment abzielt und hier die nicht hochprozentige, sondern zugleich hochpreisige, Spirituosen anbietet.

Das Geschäftsmodell mit den Global giants, Local stars and Reserve

Das Geschäftsmodell mit den Global giants, Local stars and Reserve

Viele unterschiedliche Marken als Umsatzträger erlauben es Diageo, auf der einen Seite strauchelnde oder schwach wachsende Marken zu verkaufen und auf der anderen Seite mit Zukäufen und Übernahmen auf sich verändernde Konsumentenbedürfnisse zu reagieren. Zuletzt hat Diageo die Gin-Marke Aviation Gin des Schauspielers Ryan Reynolds für 466 Millionen GBP (circa 610 Millionen USD) gekauft und damit dem eigenen Portfolio die am schnellsten wachsende Gin-Marke Nord-Amerikas hinzugefügt.

Diageo in Zeiten von COVID-19

Dass Diageos Alkoholika dennoch keine Selbstläufer sind, mussten Aktionäre während der Corona-Pandemie feststellen, denn diese hat das im Juni endende Geschäftsjahr 2020 ordentlich vermasselt. Diageo unterscheidet beim Vertrieb zwischen sogenannten off-trade und on-trade Channel. Der On-trade Channel meint den Verkauf an Abnehmer, wo die Getränke vor Ort konsumiert werden. Also Bars, Restaurants oder Clubs, die allesamt von diversen Lockdowns betroffen waren. Der off-trade Channel hingegen beziehst sich auf den Verkauf an Supermärkte oder Lizenzabnehmer der diversen Marken. Der off-trade Channel kam mit den Folgen von Corona deutlich besser zurecht.

Insgesamt sank der Umsatz aufgrund geschlossener Bars, Restaurants und abgesagten Feierlichkeiten um 9 Prozent auf 11,75 Milliarden GBP. Für das Geschäftsjahr 2021 rechnen Analysten mit einer leichten Umsatzverbesserung auf 11,88 Milliarden GBP und soll es in den darauffolgenden Jahren wieder stärker aufwärts gehen. Es spricht einiges dafür, dass Corona das langfristige Umsatzwachstum nur kurzzeitig ausbremst. Von 6,5 Milliarden GBP Umsatz im Jahr 2002 hat sich dieser bis unmittelbar vor Corona auf 12,9 Milliarden GBP fast verdoppelt.

Umsatzentwicklung von Diageo im Aktienfinder

Umsatzentwicklung von Diageo im Aktienfinder

Doch wegen des Corona-bedingten Umsatzeinbruchs brachen auch die Gewinne und Cash-Flows von Diageo ein. Vor allem der Gewinn betrug 2020 nur 0,6 GBP pro Aktie. Gegenüber dem Vorjahresgewinn von 1,3 GBP entspricht dies einem Rückgang von 55 Prozent. Im laufenden Geschäftsjahr, dass bereits im Juni endet, soll sich die Situation jedoch deutlich verbessern und im Folgejahr der Gewinn des Vorkrisenniveaus in etwa wieder erreicht sein, bevor es laut Analysten weiter aufwärts geht.

Gewinne und Cash Flows von Diageo im Aktienfinder

Gewinne und Cash Flows von Diageo im Aktienfinder

Die Auswirkungen des Brexits auf die Diageo Aktie

Während die Corona-Pandemie schmerzhafte Auswirkungen auf den Geschäftsverlauf hatte, dürfte sich der Brexit weniger kritisch auswirken. Diageo verkauft in die ganze Welt und erzielt nur ca. 6 Prozent seiner Umsätze in Großbritannien. Etwas Sorge bereitet Aktionären eine mögliche Handelsbeschränkung zwischen Großbritannien und Irland, was für Diageo zusätzliche Kosten in zweistelliger Millionenhöhe (GBP) führen könnte. Angesichts eines Gesamtumsatzes von knapp 12 Milliarden GBP aber auch hier nicht allzu viel auf dem Spiel.

Der Aktienkurs zeigte sich von den jeweiligen Entwicklungen im Streit um ein Handelsabkommen zwischen Großbritannien und der EU in der Summe ebenfalls weitgehend unbeeindruckt, was darauf hindeutet, dass der Ausgang der Brexit-Verhandlungen für den langfristigen Geschäftserfolg eine eher untergeordnete Rolle spielt. Bei Bekanntgabe der Brexit-Votums im Juni 2016 zog die Diageo Aktie sogar an und stieg auf ein Jahreshoch von fast 20 GBP, da sich viele Aktionäre positive Effekte von einer möglichen Abwertung des britischen Pfundes erhofften. Diageo könnte als global agierendes britisches Unternehmen, welches in GBP bilanziert, mittelbar sogar vom Brexit profitieren. Das ist aber eher hypothetisch. Es ist genauso gut möglich, dass der Pfund nach dem Vollzug des Brexits umgekehrt an Wert gewinnt.

Wie sicher ist die Diageo Dividende?

Diageo gehört zum erlauchten Kreis der Dividenden-Aristokraten, die ihre Ausschüttungen an die Aktionäre jedes Jahr für mindestens 25 Jahre erhöht haben. Seit dem Jahr 2000 stieg die Dividende von 0,2 GBP auf nunmehr 0,7 GBP pro Aktie. Die Dividendenzahlungen erfolgen als Zwischen- und Schlussdividende halbjährlich im April und Oktober und betrugen im Jahr 2020 0,2741 GBP und 0,4247 GBP. Das Verhältnis der Ausschüttungen beträgt grundsätzlich 40:60. Zuletzt hatte Diageo die Zwischendividende Anfang 2020 um 5 Prozent angehoben, was einer Erhöhung der Gesamtjahresausschüttung um 2 Prozent entspricht. Beim aktuellen Kurs von 29,14 GBP ergibt sich eine Dividendenrendite von 2,23 Prozent, die in den längerfristigen Trends der letzten Jahre liegt.

Dividenden-Historie für Diageo im Aktienfinder

Dividenden-Historie für Diageo im Aktienfinder

Die Analysten gehen davon aus, dass Diageo im nächsten Jahr eine Dividende von 0,73 GBP pro Aktie an die Aktionäre ausschütten wird, was einer Anhebung um knapp 4 Prozent entsprechen würde. Damit läge die Steigerung im Rahmen der Erhöhung vergangener Jahre. Der Spielraum für stärkere Erhöhungen ist aktuell auch nicht vorhanden. Auf das Jahr gerechnet muss Diageo für die Dividende mehr als 100 Prozent des Gewinns und des Free-Cash-Flows an die Aktionäre ausschütten. Dies hängt aber mit den Umsatzrückgängen wegen Corona zusammen. Sobald sich der Geschäftsverlauf wieder normalisiert hat, sollten die Ausschüttungsquoten sich erneut bei 50 und 60 Prozent einpendeln. Einen Dividendenturbo mit jährlich zweistelligen Steigerungsraten solltest du allerdings in Zukunft nicht erwarten. Umgekehrt zeichnet sich Diageo durch eine zuverlässige Dividendensteigerung aus – ein Umstand, der vor allem für langfristig denkende Aktionäre ein Pluspunkt ist.

Ist die Diageo Aktie fair bewertet?

Diageo galt in den letzten Jahren als Qualitätsunternehmen, für das Aktionäre einen Premiumpreis bezahlen mussten. Damit ließen sich die für ein eher moderat wachsendes Unternehmen recht hohen Multiples wie ein KGV über 20 rechtfertigen. In der Dynamischen Aktienbewertung des Aktienfinders siehst du aber, dass selbst Unternehmen wie Diageo Phasen der Unterbewertung durchlaufen. Ich halte es daher für unklug, historische Durchschnittswerte zu ignorieren, da Aktien langfristig dazu tendieren, zu diesen Werten zurückzukehren. Selbst wenn wir für 2023 eine signifikante Verbesserung und eine Rückkehr zu alten Gewinnen unterstellen, erscheint die Diageo Aktie aktuell überbewertet.

Berechnung des fairen Wertes der Diageo Aktie im Aktienfinder

Berechnung des fairen Wertes der Diageo Aktie im Aktienfinder

Ein weiterer Minuspunkt ist die für mich zu hohe Schuldenquote von über 70 Prozent. Den Schulden, inklusive aller Verbindlichkeiten von fast 25 Milliarden GBP, stand in den letzten Jahren eine Tilgungskraft von nicht einmal 1 Milliarde GBP gegenüber. Zwar ist Fremdkapital so günstig wie nie, gleichwohl würde ich mir hier mittelfristig eine Verbesserung wünschen.

Verschuldung am Gesamtvermögen und Tilgungskraft von Diageo im Aktienfinder

Verschuldung am Gesamtvermögen und Tilgungskraft von Diageo im Aktienfinder

Fazit: Diageo – Eine Aktie für Genießer, die jedoch nicht jedem schmeckt

Diageo hat ein hervorragendes Portfolio mit starken Marken und kann auf eine zuverlässige Umsatz- und Gewinnentwicklung zurückblicken. Weiterhin profitieren Aktionäre von jährlichen Dividendenerhöhungen und einer aktuell respektablen Dividendenrendite von über 2 Prozent. Zwar befindet sich die Aktie unterhalb des Allzeithochs von 2019, zugleich setzen die Folgen der Corona-Pandemie Diageo jedoch weiterhin zu. Ich habe im August meine Position in Diageo aufgestockt, aufgrund des aktuellen Bewertungsniveaus und der hohen Schuldenquote sehe ich derzeit von weiteren Zukäufen jedoch ab. Umgekehrt ist es ungewiss, ob der Aktienkurs noch einmal nennenswert sinken und sich eine bessere Einstiegsgelegenheit bietet wird. Wer sich ab sofort für die Diageo Aktie interessiert, kann den Kauf in kleineren Tranchen über einen Sparplan vornehmen, so wie es beispielsweise im Starterdepot geschieht.

Monatliche Käufe der Diageo Aktie per Sparplan im Starterdepot

Monatliche Käufe der Diageo Aktie per Sparplan im Starterdepot

Alternativ kannst du auf andere Qualitätsaktien ausweichen, die ebenfalls im Getränkemarkt tätig sind. So haben wir erst vor kurzem PepsiCo und Coca-Cola analysiert. Über Getränke hinaus findest du im beliebtesten Aktienfinder Deutschlands mehr als 1.000 weitere Dividendenzahler aus aller Welt, mit denen du dein Depot bestücken kannst.

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