"Kultureller Hintergrund" Fremdenfeindliche Sprache: Bafin blamiert sich im Fall Wirecard komplett

Gastautor: Roland Klaus
08.01.2021, 09:43  |  1295   |   |   

Die Finanzaufsicht Bafin hat in Zusammenhang mit Leerverkäufen bei der Wirecard-Aktie die Herkunft der Short Seller zum Thema gemacht. Das Schreiben zeigt fremdenfeindliche Züge. Damit blamiert sich die Behörde erneut.

Schon lange bevor die Bafin im Jahr 2019 die Leerverkäufe von Wirecard-Aktien verbot, hatte sie die Short Seller im Visier. Bereits 2016 sorgte der sogenannte Zatarra-Report für Aufmerksamkeit: ein Research-Bericht, der auf Unregelmäßigkeiten bei Wirecard hinwies und Betrugsvorwürfe äußerte. Er sorgte damals für einen Kurssturz von rund 25 Prozent in der Wirecard-Aktie.

Doch anstatt den geäußerten Vorwürfen auf den Grund zu gehen, nahm die Bafin damals die Autoren des Reports sowie die damit zusammenhängenden Leerverkäufe ins Visier. In einem Schreiben an das Finanzministerium thematisiert die Finanzaufsicht die Herkunft der Leerverkäufer. Es sei „auffällig, dass die verdächtigen Individuen…einen homogenen kulturellen Hintergrund zu teilen scheinen“, so die Bafin in dem Papier, das nun im Untersuchungsausschuss des Bundestags aufgetaucht ist und aus dem mehrere Medien zitieren.

Die Leerverkäufer seien zumeist britische und israelische Staatsbürger, heißt es in dem Schreiben. Damit versucht die Bafin offenbar herzuleiten, dass es sich um eine gezielte Verschwörung von Anlegern handelt, um Wirecard zu schaden und durch Kursverluste der Aktie Geld zu verdienen.

Selbst, wenn man berücksichtigt, dass es sich um ein internes Schreiben handelt, sind diese Formulierungen in höchstem Masse unglücklich. Sie tragen fremdenfeindliche und antisemitische Züge. Sie verstärken zudem die skandalöse Rolle, die die Bafin im Wirecard-Skandal spielt. Denn die Finanzaufsicht hat die Betrugsvorwürfe gegen Wirecard über viele Jahre ignoriert und stattdessen die Kritiker verfolgt.

Unstrittig ist dabei, dass die Leerverkäufer auch ihren eigenen finanziellen Vorteil im Auge hatten. Doch die Vorwürfe, die sowohl in diesem Report, als auch zuvor und danach gegen Wirecard geäußert wurden, haben sich zumeist als richtig erwiesen. Es wäre die Aufgabe der Bafin gewesen, diesen Vorwürfen nachzugehen oder zumindest eine Aufklärung bei den zuständigen Stellen in Gang zu setzen.

Geschädigte Wirecard-Anleger informieren sich hier kostenlos und unverbindlich über ihre Möglichkeiten auf Schadensersatz.

Die Tatsache, dass dies nicht geschehen ist, dürfte geschädigten Wirecard-Anlegern gute Chancen verschaffen, wenn es um Schadensersatzforderungen geht. Im Rahmen einer sogenannten Staatshaftungsklage wird demnächst zu klären sein, inwiefern Bafin-Mitarbeiter ihr Amt missbraucht haben und ob der Staat somit für die Folgen der Verluste geradestehen muss. Die peinlichen Äußerungen zum „kulturellen Hintergrund“ der Wirecard-Kritiker liefern dazu ein weiteres Puzzle-Stück.

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9 Kommentare

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Kommentare

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09.02.21 14:31:45
Zitat von startvestor: Dass Leerverkäufe verteufelt werden ist Teil des Linksframing. Dessen Endziel ist aber die Abschaffung der Börse. Na dann bitte sehr, wenn ihr das wollt.


Welches Zeug schmeißt du dir rein — für solche geistigen Ergüsse ?
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12.01.21 07:51:24
Die BaFin sollte aufgelöst werden, taugt eh nichts.
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08.01.21 17:04:06
Wenn man überlegt wie die Leerverkäufer seinerzeit verteufelt wurden, weil ja nur sie an Kursrückschlägen interessiert waren bei dieser hochprofitablen DAX Firma. Sie haben alle gewarnt damit und wer darauf gehört hat, hat heute noch sein Geld.
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08.01.21 16:48:59
Zitat von Ines43: Ich kann Leerverkäufer auch nicht ausstehen.
Bezeichne sie immer als Börsenhyänen und setze sie mit Straßenräubern und Taschendieben gleich.
Der kulturelle Hintergrund interessiert mich weniger.
In meiner Bibel steht:
7. Du sollst nicht stehlen.
Ich weiß nicht, wie das anderswo gedeutet wird.


Hyänen haben aber ihren festen Platz als Aasfresser in der Savanne. Man spricht auch von der Gesundheitspolizei. So ähnlich ist das mit den Shortsellern. Sie bereinigen Übertreibungen und sie decken Betrug auf.

Von daher sind Shorties sehr wichtig im Börsenhandel.
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08.01.21 14:45:52
Dass Leerverkäufe verteufelt werden ist Teil des Linksframing. Dessen Endziel ist aber die Abschaffung der Börse. Na dann bitte sehr, wenn ihr das wollt.

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"Kultureller Hintergrund" Fremdenfeindliche Sprache: Bafin blamiert sich im Fall Wirecard komplett Die Finanzaufsicht Bafin hat in Zusammenhang mit Leerverkäufen bei der Wirecard-Aktie die Herkunft der Short Seller zum Thema gemacht. Das Schreiben zeigt fremdenfeindliche Züge. Damit blamiert sich die Behörde erneut.

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