NABU Nord Stream 2 - unnötige Energie-Infrastruktur und klimapolitisch gefährlich / DIW-Gutachten im Auftrag des NABU enttarnt Mythos von Versorgungslücken und Brückentechnologien

Nachrichtenagentur: news aktuell
14.01.2021, 12:45  |  545   |   |   

Berlin (ots) - Die Diskussion um Nord Stream 2 hält an: Die in der vergangenen
Woche vom Land Mecklenburg-Vorpommern beschlossene Klimastiftung lässt die
öffentliche Kritik lauter werden. Gleichzeitig muss das Bundesamt für
Seeschifffahrt und Hydrografie (BSH) über einen Antrag entscheiden, mit dem der
Bau der Pipeline auch zur Vogelrastzeit in der deutschen Ostsee fertiggestellt
werden kann. Ein aktuelles Gutachten des Deutschen Instituts für
Wirtschaftsforschung (DIW) im Auftrag des NABU enttarnt die Argumente der
Pipeline-Befürworter: Nord Stream 2 ist energiewirtschaftlich unnötig und
gefährdet geltende Klimaschutzziele.

Das Fazit des Gutachtens zeigt: Es besteht weder kurz- noch langfristig eine
Deckungslücke für Gas. Die bestehende Gas-Infrastruktur deckt den aktuellen und
zukünftigen Bedarf. Vielmehr drohen durch Nord Stream 2 gefährliche
Lock-in-Effekte, die den Ausbau erneuerbarer Energien verzögern können. "Das
Gutachten enttarnt die rückwärtsgewandten Argumente der Pipeline-Befürworter und
auch die Rechtfertigungsversuche der Landesregierung in Mecklenburg-Vorpommern
zur Gründung der Klimaschutzstiftung MV. Weder geht ohne fossile Energieträger
das Licht aus, noch ist Gas eine klimafreundliche Brückentechnologie. Das
Gegenteil ist der Fall. Durch die Methanemissionen bei Förderung, Transport und
Nutzung ist Erdgas ein Klimakiller, genau wie Kohle. Wir müssen Nord Stream 2
stoppen", sagt NABU-Präsident Jörg-Andreas Krüger.

In Auftrag gegeben hatte der NABU das Gutachten, um der energiewirtschaftlichen
Argumentation der Nord Stream 2 AG entgegenzutreten, die die Gaspipeline während
der besonders sensiblen Zeit der Winterrast im Vogelschutzgebiet Pommersche
Bucht - Rönnebank weiterbauen will. Der entsprechende Antrag liegt beim BSH in
Hamburg. "Nord Stream 2 konterkariert, ja missachtet deutsches Planungs- und
Naturschutzrecht. Für den eiligen Weiterbau auf Kosten von Seetauchern und
Meeresenten gibt es keine planungsrechtliche Legitimation", so Kim Detloff,
NABU-Leiter Meeresschutz.

Das DIW-Gutachten analysiert aktuelle Gasverbräuche in Deutschland und Europa,
bewertet Zukunftsszenarien, Transit- und Speicherkapazitäten und setzt diese in
Beziehung zu den jüngsten Klimaschutzzielen. Konkret heißt es in dem Papier:
"Die Verpflichtungen aus dem Pariser Klimaabkommen 2015 sowie die 2020 damit im
Einklang verschärften Klimaziele der Europäischen Union führen eindeutig dazu,
dass keine fossile Infrastruktur - und damit auch keine Erdgasinfrastruktur mehr
errichtet werden darf."

Kernaussagen des Gutachtens:

- Die Nachfrage nach Erdgas in Europa ist bereits seit 15 Jahren stabil bzw.
leicht rückläufig.
- Die bestehende Gas-Infrastruktur ist für den heutigen und zukünftigen Bedarf
vollkommen ausreichend, die Nord Stream 2-Pipeline deshalb unnötig.
- Mit fortschreitender Energiewende wird der Gasbedarf in den nächsten Jahren
deutlich zurückgehen, in Deutschland zwischen rund 70 Prozent und über 95
Prozent.
- Nord Stream 2 gefährdet die Energiewende, denn jede neue Infrastruktur für
Erdgas erhöht das Risiko des sogenannten fossilen Lock-Ins, das heißt es wird
schwieriger, die Abhängigkeit von klimaschädlichen fossilen Energieträgern zu
verringern.
- Erdgas ist aufgrund des darin enthaltenen klimaschädlichen Methans ungeeignet
als Brückentechnologie.

Hintergrund:

Der Bau der Gaspipeline Nord Stream 2 stützt sich für die deutsche Ostsee auf
zwei Genehmigungen. Während der vom Bergamt Stralsund genehmigte Abschnitt durch
die Küstengewässer Mecklenburg-Vorpommerns 2018 fertigstellt wurde, fehlen etwa
14 Kilometer in der sogenannten Ausschließlichen Wirtschaftzone (AWZ). Die
verantwortliche Behörde ist hier das Bundesamt für Seeschifffahrt und
Hydrographie (BSH). Durch die angedrohten Sanktionen der US-Regierung standen
die Bauarbeiten mehr als ein Jahr still. Im Dezember 2020 wurden 2,6 Kilometer
in der deutschen AWZ fertiggestellt, aktuell laufen die Vorbereitungen der
Bauarbeiten in dänischen Gewässern. Der zweite Änderungsantrag der Nord Stream 2
AG soll weitere Bauarbeiten trotz Kritik des NABU und des Bundesamtes für
Naturschutz (BfN) auch in den Monaten Januar bis Mai ermöglichen, der Hauptzeit
der Winterrast für hundertausende Meeresvögel im EU-Vogelschutzgebiet.

Mehr Infos:

https://www.nabu.de/natur-und-landschaft/meere/lebensraum-meer/gefahren/29214.ht
ml

Pressekontakt:

Dr. Kim Detloff, NABU-Leiter Meeresschutz, Mobil +49 (0)152.09202205,
E-Mail: mailto:Kim.Detloff@NABU.de

Dr. Anne Böhnke-Henrichs, Stellv. Leiterin und Referentin Meeresschutz,
Mobil +49 (0)173.5357500, E-Mail: mailto:Anne.Boehnke@NABU.de

NABU-Pressestelle
Julian Bethke | Britta Hennigs | Katrin Jetzlsperger | Silvia Teich
Tel. +49 (0)30.28 49 84-1538 | -1722 | -1534 | -1588
Fax: +49 (0)30.28 49 84-2000 | E-Mail: mailto:presse@NABU.de

Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/6347/4811972
OTS: NABU
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Kommentare

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15.01.21 10:12:33
Eine Studie des NABU ? Dann ist es ganz klar, daß die gegen jegliche Form fossiler Energie sind, außer wenn sie aus den USA kommen sollte und sich Flüssiggas nennt. Das die Studie über die folgenden Jahre mit abnehmenden Kohlekraftwerken in die Zukunft blicken kann bezweifle ich. Es werden hier nur rudimentäre Wiedergaben gemacht. "Für die Zukunft der momentane Gasverbrauch vollkommen ausreichend". Steht der NABU dafür ein ?? Übernimmt er die Verantwortung ? Nicht mal ansatzweise könnte er Regressansprüche befriedigen.
Über Brutplätze schwadronieren, aber seit Jahren billigend und schweigend in Kauf nehmen, daß viele Vögel und auch geschützte Arten wie der Rotmilan (60% des Weltbestandes sind in Deutschland) in den Windkraftwerken geschreddeert werden. Und Insekten kleben zu Milliarden an den Flügeln. Ständiges säubern ist notwendig. Aber diese Tiere interessieren nicht. Ich denke mal da gibt es auch schon "Studien" die dies verharmlosen.
Und was ist mit den Flügeln ? das ist Sondermüll. Der verrottet nicht. Die können auch nicht weiter verwendet werden weil jeder Flügel speziell für das WK und den Windverhältnissen geformt wurde. Also exclusive Einzelstücke sind.
China, Indien, Pakistan und andere Länder bauen weiter Kohle aus. Unsere Stilllegungen sind ein Witz dagegen.

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