Kurzarbeit Achtung vor Steuernachzahlung (FOTO)

Nachrichtenagentur: news aktuell
18.01.2021, 15:45  |  462   |   |   

Neustadt a. d. W. (ots) - Wer Kurzarbeitergeld erhält, muss erstens eine
Steuererklärung abgeben und hat zweitens mit Steuernachzahlungen zu rechnen. Der
Lohnsteuerhilfeverein Vereinigte Lohnsteuerhilfe e. V. (VLH) gibt Tipps, wie
sich mögliche Steuernachzahlungen abmildern lassen.

Kurzarbeitergeld unterliegt dem Progressionsvorbehalt

Im Frühjahr 2020 hat die Bundesregierung aufgrund der Corona-Pandemie die
Regelungen für das Kurzarbeitergeld verbessert. Seither bekommen Arbeitnehmer
schneller, leichter und auch etwas mehr Kurzarbeitergeld, und zwar zunächst
befristet bis 31. Dezember 2021. Doch Vorsicht: Das Kurzarbeitergeld gehört zu
den sogenannten Lohnersatzleistungen, die zwar grundsätzlich steuerfrei sind.
Aber für Kurzarbeitergeld gilt nach wie vor Folgendes:

1. Wer in einem Jahr Kurzarbeitergeld von mehr als 410 Euro erhält, der ist zur
Abgabe einer Steuererklärung verpflichtet.
2. Der Bezug von Kurzarbeitergeld unterliegt dem Progressionsvorbehalt. Das
bedeutet: Erhält ein Arbeitnehmer Kurzarbeitergeld, wird dieses Geld am Ende
des Jahres zur Ermittlung des Steuersatzes auf sein Einkommen hinzugerechnet.
Das ursprünglich steuerfreie Kurzarbeitergeld erhöht also den persönlichen
Steuersatz, mit dem das restliche Einkommen versteuert wird. Obwohl das
Kurzarbeitergeld steuerfrei ist, werden doch mehr Steuern fällig.

Kurzarbeitergeld erhöht den Progressionsvorbehalt - ein Rechenbeispiel

Ein Arbeitnehmer ist kinderlos und verdient netto normalerweise 1.332 Euro. Sein
Arbeitgeber beantragt für einen Monat Kurzarbeit und streicht die Hälfte der
Arbeitszeit auf 20 Stunden pro Woche. Der Nettolohn des Arbeitnehmers sinkt
damit auf beispielsweise 777 Euro, also 555 Euro weniger. Die Bundesagentur
übernimmt 60 Prozent des entgangenen Nettolohns, also 333 Euro. Zusammen kommt
der Arbeitnehmer auf 1.110 Euro. Somit verdient er 222 Euro weniger. Ohne
Kurzarbeitergeld würde er 555 Euro weniger verdienen.

Die 333 Euro Kurzarbeitergeld aus dem Rechenbeispiel sind für den Arbeitnehmer
steuerfrei. Aber der persönliche Steuersatz, mit dem das restliche Einkommen
versteuert werden muss, erhöht sich. Das bedeutet: Bekommt ein Arbeitnehmer
Kurzarbeitergeld, wird dieses auf sein zu versteuerndes Einkommen zur Ermittlung
des (höheren) Steuersatzes hinzugerechnet. Am Ende zahlt er dann mehr Steuern,
obwohl das Kurzarbeitergeld selbst steuerfrei ist.

VLH-Tipp: Abmildern kann diese Auswirkung nur, wer Kosten wie beispielsweise
Dienst- und Handwerkerleistungen, Vorsorgeaufwendungen oder Spenden hatte - und
diese Kosten in seiner Steuererklärung angibt. Ebenfalls zur Abmilderung
beitragen können hohe Werbungskosten, dazu gehören zum Beispiel die Fahrtkosten
und andere Ausgaben rund um den Beruf.

Für Ehepaare und eingetragene Lebenspartner kann es in einigen Fällen sinnvoll
sein, von der steuerlichen Zusammenveranlagung zur getrennten Veranlagung zu
wechseln. Ob sich das lohnt, sollte ein Einkommensteuerexperte wie zum Beispiel
ein Beratungsstellenleiter der VLH im Einzelfall durchrechnen.

Übrigens: Seit 1. Januar 2021 gelten deutlich höhere Behindertenpauschbeträge.
Doch Menschen, denen aufgrund ihrer Behinderung ein Behindertenpauschbetrag
zusteht und die Kurzarbeitergeld beziehen gilt: Der Pauschbetrag wird durch den
höheren Steuersatz schnell aufgezehrt.

Die VLH: Größter Lohnsteuerhilfeverein Deutschlands

Der Lohnsteuerhilfeverein Vereinigte Lohnsteuerhilfe e. V. (VLH) ist mit mehr
als einer Million Mitglieder und rund 3.000 Beratungsstellen bundesweit
Deutschlands größter Lohnsteuerhilfeverein. Gegründet im Jahr 1972, stellt die
VLH außerdem die meisten nach DIN 77700 zertifizierten Berater.

Die VLH erstellt für ihre Mitglieder die Einkommensteuererklärung, beantragt
Freibeträge, ermittelt und beantragt Förderungen und Zulagen, prüft den
Steuerbescheid und einiges mehr im Rahmen der gesetzlichen Beratungsbefugnis
nach § 4 Nr. 11 StBerG.

Pressekontakt:

Christina Georgiadis
Vereinigte Lohnsteuerhilfe e. V. (VLH)
Fritz-Voigt-Str. 13
67433 Neustadt a.d. Weinstraße

Tel.: 06321 4901-0
Fax: 06321 4901-49

E-Mail: mailto:presse@vlh.de
Web: http://www.vlh.de/presse

Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/69585/4815039
OTS: Vereinigte Lohnsteuerhilfe e.V. - VLH


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