ROUNDUP/'Memo Euro' und 'Movie Money' Die Tricks der Geldfälscher

Nachrichtenagentur: dpa-AFX
22.01.2021, 11:11  |  184   |   |   

FRANKFURT (dpa-AFX) - Ein "0-Euro-Schein"? Klarer Fall von Falschgeld. Dennoch akzeptierte ein Großhandelsgeschäft in Bayern die Souvenirnote im April 2020 als 100-Euro-Schein - auch wenn der nachgeahmte und der echte Schein außer der grünen Farbe nichts gemeinsam haben. König Ludwig II. von Bayern und seine Traumschlösser sind in Bild und Text auf dem "Memo Euro" verewigt, Neuschwanstein ist sogar noch falsch geschrieben: "Neuswanstein".

Verbraucher sollten sich Geldscheine grundsätzlich "genau anschauen - gerade auch die kleineren Stückelungen", mahnt Bundesbank-Vorstand Johannes Beermann. Zwar entfallen in Deutschland rechnerisch nur 7 falsche Banknoten auf 10 000 Einwohner, europaweit sind es 13. Angesichts von mehr als 25 Milliarden Stück echten Euro-Banknoten, die im Umlauf sind, eine vergleichsweise geringe Quote. Doch wem eine Blüte untergejubelt wird, der bekommt dafür keinen Ersatz.

Immerhin: Auch Geldfälscher hatten es in der Pandemie schwerer als in normalen Zeiten. Sowohl in Deutschland als auch im Euroraum gab es 2020 weniger Schäden durch Falschgeld als ein Jahr zuvor. 460 000 gefälschte Euro-Scheine zogen Polizei, Handel und Banken nach Angaben von Bundesbank und Europäischer Zentralbank (EZB) aus dem Verkehr. Das ist ein Rekordtief, 2019 waren es noch fast 18 Prozent mehr (559 000 Stück). Der Schaden für das Eurosystem summierte sich auf 21,5 Millionen Euro nach 29,2 Millionen Euro in den zwölf Monaten zuvor.

"Jahrmärkte und Feste fielen wegen Corona aus und damit viele Gelegenheiten, die wegen des schnellen Austauschs von Geld sonst von Fälschern genutzt werden, um Falschgeld in Umlauf zu bringen", erklärte Beermann.

Auch in Deutschland sank nach Angaben der Bundesbank der Schaden durch Falschgeld im fünften Jahr in Folge von 3,3 Millionen Euro 2019 auf nun rund 2,9 Millionen Euro. "Die seit Jahren sinkende Schadenssumme stimmt uns hoffnungsvoll, dass die verbesserten Sicherheitsmerkmale ihre Wirkung entfalten", bilanzierte Beermann.

Seit 2019 ist die runderneuerte zweite Euro-Banknoten-Generation komplett. Neue Sicherheitsmerkmale sollen Geldfälschern das Handwerk erschweren. Etwa eine glänzende Smaragdzahl, die beim Neigen des Scheins die Farbe wechselt, oder ein durchsichtiges "Porträtfenster", in dem im Licht ein Porträt der Mythengestalt Europa erscheint.

Bislang scheitern Geldfälscher an solchen technischen Raffinessen. "Schlechte Fälschungen werden laufend aus dem Verkehr gezogen. Sie sind allesamt leicht zu erkennen, weil sie keine Sicherheitsmerkmale aufweisen oder die Merkmale nur laienhaft nachgeahmt sind", stellte die EZB fest. Bundesbank-Vorstand Beermann erläuterte: "Auch bei Fälschungen, die dem organisierten Verbrechen zuzuordnen sind, gibt es eine Tendenz hin zur einfacheren Kopierfälschung. Hier ist der Aufwand geringer, die Fälschungen sind aber auch leichter zu erkennen."


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