Firmenchef im Interview Schon wieder fast 20 % im Plus: Enapter will ein großes Stück vom Wasserstoff-Megatrend-Kuchen

25.01.2021, 12:52  |  43123   |   |   

Enapter gilt als eine der Börsen-Erfolgsstorys des Jahres 2020. Der Aktienkurs ist nach einer Woche schon (wieder) 20 % im Plus. Enapter-Vorstand und Gründer Sebastian-Justus Schmidt über Wasserstoff aus der Mikrowelle.

wallstreet:online: Grüner Wasserstoff ist aktuell ein Investment-Megatrend. Welches Potenzial sehen Sie in klimaneutralem Wasserstoff für die Energiewende und die Dekarbonisierung der Industrie?

Sebastian-Justus Schmidt: Grüner Wasserstoff zündet die zweite Stufe der Energiewende. Wind und Sonne stellen den grünen Strom für eine CO2-freie Zukunft bereit. Wasserstoff ist der ideale Energiespeicher und -umwandler – sozusagen das Überlaufventil der erneuerbaren Stromerzeugung. Anders als Batterien, die nur Strom speichern, ist Wasserstoff ein universell einsetzbarer Energiespeicher. Das Gas ist einfach zu speichern und kann dann wieder verstromt werden. Viel wichtiger aber: es kann als grünes Gas bzw. Treibstoff alle Prozesse dekarbonisieren, für die Strom keine Lösung ist. Wasserstoff ist somit der natürliche Partner von Sonnen- und Windenergie und damit integraler Bestandteil der fortschreitenden Dekarbonisierung der Energiegewinnung zur Erreichung der weltweiten Klimaziele. Doch was heißt das konkret? Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie schätzt auf Basis von Studien, dass bis 2050 5,4 Millionen Arbeitsplätze in der Wasserstoff-Wirtschaft allein in Europa entstehen und 800 Milliarden Euro Jahresumsatz generiert werden. Davon sollten wir uns für den Wirtschaftsstandort Deutschland ein entsprechend großes Stück vom Kuchen sichern.

wallstreet:online: Enapter baut kleine und skalierbare Anionenaustauschmembran-Elektrolyseure (AEM). Was sind die Vorteile des kleinen Formats und welche Anwendungsgebiete gibt es dafür?

Sebastian-Justus Schmidt: Mit unseren Elektrolyseuren können Sie einfach grüne Energie in grünen Wasserstoff umwandeln. Üblicherweise passiert das mittels recht großer Anlagen, die von Ingenieuren bedient und gewartet werden müssen. Wir demokratisieren sozusagen die Gewinnung von Wasserstoff durch Schrumpfen und Skalieren: Unsere Elektrolyseure haben die Größe einer etwas geräumigeren Mikrowelle. Je nach der benötigten Menge können sie unsere Elektrolyseure zusammen schalten. So erzeugen Sie so viel Wasserstoff wie Sie benötigen oder ihre Energiequelle hergibt. Das ist wie in der Computerindustrie. Nur das bei uns keine Server, sondern unsere Geräte zur Wasserstoffgewinnung gekoppelt werden. Auch die Bedienung und Wartung haben wir massiv vereinfacht. Die Steuerung erfolgt über eine App. So werden wir unserem Anspruch gerecht, Wasserstoff für jedermann produzieren zu können. Die Anwendungsmöglichkeiten sind dabei unbegrenzt. Das beginnt bei der dezentralen Wasserstofferzeugung für das erste in Serie produzierte Wasserstoff-Flugzeug von ZeroAvia oder dem Wasserstoffsportwagen von Hyperion. Aber auch bei der Gewinnung von Strom und Heizkraft im Wohnungsbau kommt unsere Technologie schon heute zur Anwendung. Insgesamt sind das über 100 verschiedene Projekte und Gebräuche.

wallstreet:online: Wie werden die Enapter-Produkte bisher vom Markt angenommen?

Sebastian-Justus Schmidt: Sehr gut. Unsere Kunden schätzen die flexiblen Einsatzmöglichkeiten. Es spielt keine Rolle, welche grüne Energiequelle genutzt wird. Es spielt keine Rolle, wo der Einsatzort ist. Unsere Elektrolyseure können dezentral und flexibel genutzt werden. Die Technik ist klimaunabhängig und funktioniert in nahezu allen Klimazonen in denen Menschen leben. Die Skalierbarkeit und die intuitive Bedieneroberfläche schaffen eine Flexibilität, die aktuell die Kundenbedürfnisse übertreffen. Wichtig ist nun, dass wir unsere Produktionskapazitäten erhöhen und den Stückpreis senken. Das wird uns weitere Märkte erschließen. Ab nächstem Jahr wollen wir dann in unserer eigenen Fabrik in NRW im ersten Schritt 100.000 Elektrolyseure pro Jahr vom Band laufen lassen.

wallstreet:online: Enapter ist im Sommer 2020 durch einen sogenannten Reverse IPO an die Börse gegangen. Dabei kaufte Enapter den Börsenmantel S&O Beteiligungen AG – eine börsennotierte Aktiengesellschaft ohne operatives Geschäft – auf. Was waren die Gründe für diesen eher ungewöhnlichen Börsengang?

Sebastian-Justus Schmidt: Ein früher Börsengang hatte für uns eine hohe Attraktivität. Wir sind davon überzeugt, so das nötige Kapital für unser weiteres Wachstum schnell und effizient beschaffen zu können und die Aufmerksamkeit von potenziellen Investoren auf uns zu richten. Wir stellten aber in Gesprächen mit Banken und Dienstleistern fest, dass der klassische Weg an die Börse viel Zeit in Anspruch nimmt und teuer ist. In unserer Unternehmensphilosophie sind das zwei Schlüsselfaktoren, die letztendlich den Erfolg mitbestimmen. Deshalb haben wir nach Alternativen Ausschau gehalten. Ein Börsengang über einen sogenannten Mantel schonte unser Kapital und sparte viel Zeit. Rückblickend war das genau der richtige Weg für uns. Auch wenn er durchaus ungewöhnlich ist. Aber das sind wir ja auch.

wallstreet:online: Welche nächsten Schritte plant Enapter, um seine Produkte in Deutschland, Europa und dem Rest der Welt bekannt zu machen und zu vertreiben?

Sebastian-Justus Schmidt: Schon heute haben wir einen guten Bekanntheitsgrad in der noch jungen Wasserstoff-Industrie. Wir sind gut verzahnt und operieren global. Unser limitierender Faktor ist aktuell weniger die Bekanntheit. Wir müssen unsere Produktionskapazitäten erhöhen. Gleichzeitig verbessern wir durch Forschung & Entwicklung unsere Technologie und machen die Geräte noch handlicher. Unsere Bekanntheit werden wir dann mittels eines guten Produktes automatisch steigern, das integraler Bestandteil der dezentralen Wasserstoff-Wirtschaft wird. Natürlich verzahnen wir uns immer weiter auch mit politischen Entscheidungsträgern und setzen uns dafür ein, das Thema Wasserstoff nach vorne zu treiben. Wir teilen hier gerne unser Wissen und sorgen so für die entsprechende gesellschaftliche Weichenstellung.

wallstreet:online: Die Europäische Union hat die die Innovationsplattform 'Mission Innovation Hydrogen' mit 32 Wasserstoff-Vorzeigeprojekten ins Leben gerufen. Der von Enapter entwickelte energieautarke Wohnsitz in Chiang Mai, Thailand, wird dabei als eines der „fortschrittlichsten H2-Projekte der Welt“ vorgestellt. Können Sie das 'Phi Suea House Projekt' kurz vorstellen und erklären was die Auswahl des Projekts für die EU-Wasserstoff-Plattform für Enapter bedeutet?

Sebastian-Justus Schmidt: Bereits 2015 wurde das Phi Suea Haus zum weltweit ersten energieautarken Wohnsitz auf Wasserstoffbasis dank der Enapter-Technologie. Das gesamte Gelände wird mit einem dezentralen, erneuerbaren Energiesystem versorgt, das auf die Energie-Einspeicherung durch Wasserstoff zurückgreift. Das Phi Suea Haus ist voll funktionsfähig. Das unterscheidet das Phi Suea Haus von vielen anderen Projekten des dezentralen Hydrogen Valleys. Denn viele Projekte, die auf dieser Plattform vorgestellt werden, befinden sich noch in der Entwicklungsphase. Für uns ist es extrem wichtig zu zeigen, dass unsere Technologie nicht irgendwann in einer unbekannten Zukunft zum Einsatz kommen könnte, sondern tatsächlich im Realbetrieb bereits seit über fünf Jahren tadellos funktioniert. Das ist ein deutliches Alleinstellungsmerkmal in der noch jungen Wasserstoff-Industrie.

wallstreet:online: Vielen Dank für das Gespräch, Herr Schmidt.

Die Fragen stellte Ferdinand Hammer, wallstreet:online Zentralredaktion




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