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Vorstandsinterview Ekosem-Agrar: Spannende Pläne in Moskau und Sankt Petersburg

Nachrichtenquelle: 4investors
28.01.2021, 08:11  |  1570   |   |   

Schon jetzt ist Ekosem-Agrar der größte Rohmilcherzeuger in Russland. Im Gespräch mit unserer Redaktion macht Vorstand Wolfgang Bläsi deutlich, dass man sich auf diesen Lorbeeren nicht ausruhen will.

Weitsicht und Geduld helfen bei diesem Vorhaben. Der CFO sieht hochattraktive Absatzmärkte für das weitere Wachstum. Bei der Finanzierung der Pläne könnte auch die Börse in Moskau eine Rolle spielen. CFO Bläsi spricht in dem Interview zudem über Herausforderungen aber auch über Chancen, beispielsweise in der Gegend von Sankt Petersburg.

2020 war das Jahr der Pandemie. Sie sind davon aber offensichtlich kaum betroffen gewesen. Warum?

Bläsi: Das stimmt, von den Einschränkungen durch die Corona-Pandemie sind wir bis dato kaum betroffen. Selbstverständlich gelten auch in unseren Betrieben entsprechende Vorsichtsmaßnahmen und wir achten auf eine strikte Trennung der einzelnen Schichten, um Infektionen zu vermeiden. Was die operative Geschäftstätigkeit angeht, mussten wir als wichtiger Produzent von Lebensmitteln auch während des Lockdowns die Versorgung der Bevölkerung sicherstellen.

Unsere Betriebe haben daher im vergangenen Jahr regulär gearbeitet. Und auch beim Milchpreis hielten sich die Auswirkungen der Pandemie in Grenzen. Nach einem zwischenzeitlichen Rückgang im Zuge des ersten Lockdowns im April und Mai 2020 erholte sich der Preis und schloss das Jahr auf Rubelbasis sogar mit einem leichten Plus ab. Die Preisentwicklung in Euro war von der Rubelabwertung geprägt. Hier lag der Preis zum Jahresende bei soliden 35 Eurocent je kg.

Wie sehen Sie die aktuelle Situation in Russland für ihre Gesellschaft?

Bläsi: Wir profitieren weiterhin von den sehr guten Rahmenbedingungen für die Landwirtschaft in Russland. Die Förderpolitik der Regierung hat sehr geholfen, den Sektor weiterzuentwickeln. Die Landwirtschaft ist in der aktuellen Krise eine der wenigen Industrien, die noch Wachstum verzeichnet und wir gehen davon aus, dass sich dies fortsetzt. Innerhalb des Sektors ist die Milchindustrie einer der vielversprechendsten Bereiche.

Die Doktrin zur Ernährungssicherheit Russlands hat einen Grenzwert für Selbstversorgung mit Milchprodukten von 90 Prozent festlegt, um den Ausbau der einheimischen Produktion zu fördern. Davon ist man noch deutlich entfernt. Insofern wird es weiterhin Förderungen in Form von Investitionszuschüssen, zinsgünstigen Darlehen und anderen Maßnahmen geben, die auch künftig zu einer positiven Entwicklung unseres Kerngeschäfts beitragen werden.

Wird sich der schwache Rubel fortsetzen?

Bläsi: Unsere derzeitige Einschätzung ist, dass wir auf absehbare Zeit auf dem aktuellen Niveau verbleiben werden. Während das für die Rückzahlung der Euro-Anleihen ein Nachteil ist, sehen wir es für das operative Geschäft als Vorteil, da die Rohmilchpreise in Rubel von dieser Entwicklung gewöhnlich profitieren. Insofern können wir damit umgehen.

Sie sind aktuell in neun russischen Regionen aktiv. Bleibt es dabei oder gibt es weitere Expansionsideen?

Bläsi: Im Jahr 2019 haben wir mit der Oblast Leningrad unsere mittlerweile neunte Region erschlossen. Wir haben hier mit einem kleinen landwirtschaftlichen Betrieb in der Nähe von Sankt Petersburg begonnen – 3.200 Hektar und rund 700 Milchkühe. Die Region um Sankt Petersburg, die zweitgrößte Stadt Russlands, ist vor allem aufgrund ihrer Bevölkerungsdichte und Kaufkraft strategisch interessant. In den nächsten Jahren wollen wir uns im Wesentlichen auf unsere bestehenden Regionen und dort auf den Ausbau unserer integrierten Wertschöpfungskette konzentrieren.

Sie haben zuletzt 900 Millionen Liter Milch produziert. Wie hoch ist Ihr Marktanteil und welche Ziele streben Sie diesbezüglich an?

Bläsi: Im Jahr 2019 hatte die Gruppe einen Marktanteil von 4,7 Prozent, bezogen auf den Markt für verkehrsfähige Milch russischer Agrarunternehmen. Damit waren wir der mit Abstand größte Rohmilcherzeuger Russlands. Wir gehen davon aus, dass wir unseren Marktanteil im Jahr 2020 noch ausbauen konnten. Per se geht es uns aber nicht darum, der größte Milchproduzent zu sein, sondern wir wollen der führende vertikal integrierte Anbieter von Milcherzeugnissen in Russland werden. Um dieses Ziel zu erreichen, bauen wir unsere eigene Milchverarbeitung sukzessive aus.

Wie schafft man es, die Milchleistung pro Kuh kontinuierlich zu steigern?

Bläsi: Für eine hohe Milchleistung sind mehrere Faktoren entscheidend. Dazu zählen die Tiergesundheit, die Futterqualität, die Genetik und das Herdenmanagement. Wir arbeiten ständig an der Verbesserung dieser Faktoren, was sich dann wiederum in der steigenden Milchleistung je Milchkuh ausdrückt.


Quelle: ALEXANDER KOVALCHUK

Außerdem ist es wichtig zu verstehen, dass sich dieser Anstieg ja auf den Durchschnittswert der Herde bezieht. Wir haben immer noch einige ältere Ställe mit Tieren, die deutlich unter dem Durchschnitt liegen. Da deren Anteil kontinuierlich zurückgeht, steigt allein dadurch der Herdendurchschnitt an. Der starke Anstieg unserer insgesamt produzierten Rohmilch basiert zu einem geringen Teil auf der steigenden Milchleistung pro Kuh, vor allem aber auf dem Wachstum der Herde.

Sie beschäftigen derzeit rund 14.000 Mitarbeiter. Ist es für Sie problematisch, neue Fachkräfte zu gewinnen?

Bläsi: Ja, das ist immer eine Herausforderung, gerade auf dem Land. Allerdings investieren wir stark in die Ausbildung, nicht nur unserer bestehenden Mitarbeiter, sondern auch der möglichen Fachkräfte von morgen, der Studenten und Schüler. So haben wir im Jahr 2018 in Zusammenarbeit mit lokalen Schulen spezielle Agrarklassen für Schüler eingerichtet.

Die Seminare und Praxiseinheiten unterstützen die Schüler bei der Vorbereitung für die Aufnahme an Agraruniversitäten und fördern das Image des Berufsfelds Landwirtschaft. Eines der wichtigsten Ziele unserer Anfang des Jahres verabschiedeten Nachhaltigkeitsstrategie ist es, diese Nachwuchsförderung bis zum Jahr 2026 auf alle Regionen auszuweiten, in denen wir tätig sind.

Welche Investitionen tätigen Sie derzeit, um die Milch weiterzuverarbeiten, beispielsweise bei der neuen Molkerei in der Region Nowosibirsk?

Bläsi: Bisher belief sich unsere Verarbeitungskapazität in den vier bestehenden Molkereien auf ca. 300 Tonnen Rohmilch pro Tag. Erst in der vergangenen Woche haben wir unsere erste eigene Käserei mit einer Verarbeitungskapazität von 60 Tonnen Rohmilch pro Tag in der Region Woronesch in Betrieb genommen. Die Arbeiten für die große Molkerei in der Region Nowosibirsk mit einer Verarbeitungskapazität von 1.200 Tonnen Rohmilch pro Tag gehen ebenfalls gut voran. Die Inbetriebnahme ist derzeit für Ende 2021 vorgesehen.

Rund 315.000 Hektar der insgesamt bewirtschafteten 630.000 Hektar befinden sich in Ihrem Besitz. Welchen Wert hat dieses Land?

Bläsi: Das ist eine eher abstrakte Frage, da wir keine Intention haben, dieses Land zu verkaufen. In der Bilanz stehen die Flächen mit rund 200 Millionen Euro – das ist aber sicherlich eine eher konservative Bewertung.


Quelle: ALEXANDER KOVALCHUK

Wie viel Prozent des Futters für Ihre Tiere müssen Sie zukaufen? Bläsi: Wir können unsere Herde nahezu komplett mit dem selbst angebauten Futter versorgen. Wir produzieren also nicht nur das Grundfutter, sondern auch die Komponenten des Kraftfutters selbst. Soja aus eigenem Anbau verkaufen wir an Ölmühlen und kaufen Sojaschrot zu, weil wir die Verarbeitungsstufe dazwischen derzeit nicht selbst abdecken. Daneben gibt es nur einige wenige spezielle Zusätze im Futter, die wir zukaufen.

Russland muss weiter Milch importieren. Wieso?

Bläsi: Die russische Regierung hat sich wie erwähnt zum Ziel gesetzt, 90 Prozent der nachgefragten Milch bzw. Milchprodukte im eigenen Land zu produzieren. Bei einer Importmenge von fast 7 Millionen Tonnen Rohmilchäquivalent in 2019 sind wir davon noch weit entfernt. Dass das von der Regierung gesteckte Ziel, anders als bspw. bei der Schweinemast, noch nicht erreicht ist, liegt vor allem daran, dass die Milchproduktion wesentlich kapitalintensiver ist und langfristigere Investitionen erfordert. Dafür fehlt vielen Investoren die strategische Weitsicht und schlicht und einfach die Geduld, was uns zugutekommt.

Sie exportieren aber auch Ihre Produkte. Wo sind Sie besonders erfolgreich?

Bläsi: De facto sind wir heute praktisch ausschließlich im russischen Inland tätig. Im vergangenen Jahr haben wir aber mit dem Export unserer EkoNiva Milchprodukte nach China begonnen. Über den Seeweg haben wir im zweiten Halbjahr 2020 bereits ca. 68 Tonnen H-Milch in die Volksrepublik geliefert. Asien ist auch der Kontinent, auf dem wir die größten Chancen für unseren zukünftigen Export sehen.

Während in Russland rund 147 Millionen Menschen leben, liegt die Bevölkerung in Asien bei ungefähr 4,5 Milliarden Menschen, 1,4 Milliarden davon allein in China – und das mit einer kontinuierlich steigenden Kaufkraft. Hinzu kommt, dass gerade in den stark bevölkerten Ländern Asiens die natürlichen Ressourcen für die Produktion von Agrarrohstoffen vergleichsweise gering sind. Wir haben also in nächster Nähe hochattraktive Absatzmärkte, die uns weiteres Wachstumspotential bieten.

Wo liegen Ihre strategischen Schwerpunkte für 2021?

Bläsi: Unser Fokus beim weiteren Wachstum liegt vor allem in der Milchverarbeitung. Hier ist unser Ziel, bis Ende 2022 rund ein Drittel unserer produzierten Rohmilch selbst zu verarbeiten. Um dies zu erreichen, bauen wir, wie erwähnt, auch die große Molkerei in Nowosibirsk. Auch unser Kerngeschäft, die Rohmilchproduktion, wollen wir in den nächsten Jahren weiter ausbauen.

Dies allerdings langsamer als bisher und in Übereinstimmung mit den Anforderungen aus der Milchverarbeitung. Nicht zuletzt wollen wir im nächsten Jahr unsere Nachhaltigkeitsstrategie umsetzen und dafür die organisatorischen Voraussetzungen schaffen. Aktuell bauen wir die Datenbeschaffung für unseren ersten Nachhaltigkeitsbericht nach GRI Standards auf, der im Juni 2021 veröffentlicht wird.

Stehen zur weiteren Expansion neue Kapitalmaßnahmen oder eine Anleihe auf der Agenda?

Bläsi: Ein wichtiger Teil unserer Finanzierung erfolgt über die russischen Banken. Hier profitieren wir von zinsgünstigen und subventionierten Krediten. Im Zuge unserer weiteren Diversifizierung der Unternehmensfinanzierung planen wir momentan auch die Begebung einer kleineren Unternehmensanleihe an der Börse Moskau.

Werden Sie sich bei der Begebung künftiger Anleihen verstärkt auf Russland fokussieren?

Bläsi: Aufgrund der schrittweisen Senkung des Zinsniveaus in Russland und des zunehmenden Interesses an unserer Gesellschaft von Seiten institutioneller Investoren am russischen Kapitalmarkt haben wir uns dazu entschlossen, unsere Finanzierungsstruktur um ein weiteres Standbein zu erweitern. Mit diesem Schritt bauen wir auf die positiven Kapitalmarkterfahrungen auf, die wir in den letzten neun Jahren mit unseren Anleihen in Deutschland gesammelt haben. Diese bleiben aber auch weiterhin ein wichtiger Bestandteil unserer Finanzierung. Wichtig für uns ist, dass wir einen Zugang zu verschiedenen Finanzierungsquellen haben, aus denen wir uns dann die jeweils passende aussuchen können.

Dieses Interview ist eine Kooperation von wallstreet:online mit der Redaktion von www.4investors.de.


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