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Marktkommentar: Tilmann Galler (J.P. Morgan): Staatsanleihen – ein inzwischen (fast) nutzloses Investment
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Marktkommentar Tilmann Galler (J.P. Morgan): "Staatsanleihen – ein inzwischen (fast) nutzloses Investment "

Gastautor: Asset Standard
02.02.2021, 16:15  |  174   |   |   

Aufgrund der niedrigen Renditen von Staatsanleihen ist es an der Zeit, den traditionellen 60:40-Ansatz beim Aufbau von Portfolios zu überdenken.

Staatsanleihen waren nicht nur wegen ihrer regelmäßigen Erträge bei Anlegern äußerst beliebt.

Dank Aussicht auf starke Kursgewinne während einer Rezession waren sie auch der perfekte „sichere Anlagehafen“. Eines der Leitprinzipien des Portfolioaufbaus war daher ein signifikantes Investment in Staatsanleihen zum Ausgleich des Aktienengagements. Heutzutage bieten Staatsanleihen weltweit mit ihren niedrigen Ausgangsverzinsungen jedoch nur ein geringes Ertrags- und Gewinnpotenzial, sodass Anleger gezwungen sind, ihren Ansatz sowohl in Bezug auf Diversifizierung als auch Ertragsgenerierung zu überdenken.

In den letzten 20 Jahren mussten Anleger vier große Krisen überstehen – mit teils erheblichen Verlusten an den Aktienmärkten. Nach dem Platzen der Tech-Blase im März 2000 verlor der DAX über 50 Prozent seines Wertes. Noch schlimmer erging es dem deutschen Leitindex in der Finanzkrise mit einem Verlust von 60 Prozent. Nicht ganz so ausgeprägt waren die Verluste in der Eurokrise mit minus 27 Prozent und in der Coronakrise mit einem Verlust von 37 Prozent. Während in den ersten drei Krisen Bundesanleihen zumindest einen Teil der Verluste auf den Aktienseite durch Kusrgewinne kompensieren konnten, legte die Coronakrise die ganzen Misere der Niedrigzinsen für Anleger offen. Der Gesamtertrag der zehnjährigen Anleihen in den 5 Wochen des Corona-Crashs war mit -0,45 Prozent sogar leicht negativ.

Zum ersten Mal seit den inflationären 1970er Jahren waren also Staatsanleihen nicht mehr in der Lage, einen Bärenmarkt nennenswert abzufedern. Die Ursache ist schnell gefunden – dank anhaltender Anleihenkäufe der EZB lagen die Renditen der Bundesanleihen schon vor der Pandemie bei -0,42 Prozent. Es war also kein großer Spielraum mehr da für Kursgewinne aufgrund fallender Renditen. Die Pandemie hat aus diesem europäischen Problem für Anleger eine inzwischen globale Herausforderung werden lassen. Mehr als ein Drittel aller Industrieländer-Staatsanleihen haben eine negative Rendite und 85 Prozent rentieren unter einem Prozent.

Doch welche Chancen bieten sich heute noch, höhere Erträge im defensiven Teil des Portfolios zu erzielen, ohne die Risikokontrolle über Bord zu werfen?

Eine Möglichkeit sind Unternehmensanleihen. Angesichts der kurzfristigen Ungewissheit sollten sich Anleger, die sich erstmals den Credit-Märkten zuwenden, dabei vielleicht auf die Segmente mit der höherer Qualität konzentrieren. Auch der Blick nach Asien kann Abhilfe schaffen. Chinesische Staatsanleihen bieten mit einer durationsabhängigen Verzinsung von 2-3 Prozent fast keine Korrelation zu globalen Aktien und mit dem Potenzial für eine langfristige Währungsaufwertung eine mögliche Lösung. Auch Realanlagen wie Immobilien und Infrastruktur können attraktivere Renditen bieten – auch wenn sie eine geringe Liquidität aufweisen. Der Immobilienbereich ist zwar offensichtlich aufgrund von Covid unter Druck geraten, wir rechnen jedoch nicht damit, dass die Arbeitnehmer dauerhaft von zu Hause aus arbeiten werden. Investitionen in Infrastruktur konnten seit der Finanzkrise bemerkenswert konstante und defensive Ertragsströme vorweisen. Die Aufnahme von höher verzinslichen Anleihen, Immobilien- und Infrastrukturanlagen in ein Portfolio kann also einen Teil der Erträge ersetzen, die Staatsanleihen früher boten, und gleichzeitig eine gewisse Diversifizierung gegenüber Aktien bieten. Den traditionell von Staatsanleihen gebotenen Abwärtsschutz müssen Anleger jedoch andernorts suchen.

Hier können Hedgefondsstrategien eine Lösung bieten. Insbesondere Makro-Fonds haben in der Vergangenheit den besten Schutz bei Aktienmarktbaissen geboten. Die Renditeerwartungen für Makro-Fonds insgesamt sind zwar relativ niedrig, doch die Auswahl eines guten Managers kann die Rendite durchaus noch steigern.

Auch wenn Staatsanleihen nach wie vor ein gewisses Maß an Diversifizierung bieten, und deshalb für Anleger nicht ganz nutzlos sind, sind sie doch anfällig gegenüber einem Anstieg der Inflation. Mit der Aufnahme von Immobilien, Infrastruktur und Makro-Strategien in ihre Portfolios haben Anleger zumindest die Chance, ihre risikobereinigten Erträge und Renditen im Verhältnis zu einem traditionellen Aktien- und Anleihenportfolio zu verbessern.

Lesen Sie hier weitere Marktkommentare von Tillmann Galler.



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