Wo bleibt denn da die Moral?

Gastautor: Sven Weisenhaus
09.02.2021, 09:55  |  4030   |   |   

Sehr verehrte Leserinnen und Leser, zu meinem Artikel der Vorwoche über die neue Qualität der Dienstmädchenhausse erhielt ich eine Mail eines Lesers, der den GameStop-Hype aus einer ganz anderen Perspektive sieht.

Sehr verehrte Leserinnen und Leser,

zu meinem Artikel der Vorwoche über die neue Qualität der Dienstmädchenhausse erhielt ich eine Mail eines Lesers, der den GameStop-Hype aus einer ganz anderen Perspektive sieht. Für ihn sind die Shortseller, denen dabei eins ausgewischt wurde, die Bösewichte, die schlimmstenfalls „Firmen in den Ruin treiben können“. So etwas gehöre sich nicht, so der Leser weiter und fragt: „Wo bleibt da die Moral?!“

Moral und Börse

Nun ist es mit der Moral an der Börse, in der Finanzbranche und in der Wirtschaft so eine Sache. An der Börse werden Aktien von Erotikportalen, Spielcasinos, Tabakkonzernen, Waffenherstellern und Ölmultis gehandelt. Selbst, wenn diese blitzsaubere Bilanzen haben und sich bei ihren Geschäften moralisch einwandfrei verhalten (nach welchen Maßstäben auch immer), sehen viele Investoren inzwischen deren Geschäftsmodelle insgesamt als „unmoralisch“ an – und verbannen diese Aktien aus ihren Depots.

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Dennoch steht es uns frei, solche Aktien zu kaufen. Die Banken und Broker wickeln diese Transaktionen problemlos für uns ab. Aber wo bleibt denn da die Moral?

Die Finanzbranche hat in der Immobilienkrise bis kurz vor ihrem eigenen Beinahe-Untergang in großem Stil Wertpapiere vertickt, von denen sie wusste, dass sie Schrott sind. Das Einzige, was der damalige Chef der Citigroup, Chuck Prince, zur Rechtfertigung vorbrachte war: „Solange die Musik spielt, muss man aufstehen und tanzen.“ Wo bleibt denn da die Moral?

Die Fälle Wirecard und General Electric

In „der Wirtschaft“ läuft es kaum besser. Ich könnte den Wirecard-Fall bemühen, aber das wäre zu einfach. Viel besser geeignet – weil er uns wieder zum Thema „Shortseller“ zurückführt – ist der Fall General Electric (GE).

Bei diesem "honorigen" Weltkonzern gab es bereits in der Amtszeit des legendären – und inzwischen verstorbenen - Chefs Jack Welch die ersten Bilanzmanipulationen. Welch führte GE von 1981 bis 2001, also 20 Jahre lang. Erst weitere 17 Jahre später, also 2018, wagten es ein, zwei Analysten Zweifel an den GE-Bilanzen zu äußern und die offensichtlichsten Tricksereien öffentlich zu machen – nachdem sie jahrelang die (undurchsichtigen) Bilanzen durchforstet haben.

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1 Kommentare

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Kommentare

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09.02.21 13:05:20
" .... Oft haben Privatanleger auch weder die Zeit noch das Wissen dafür. Sie vertrauen also darauf, dass andere (Analysten, Fondsmanager) ihren Job richtig erledigen Und wenn die investieren bzw. nichts Negatives berichten, dann sehen sie auch keinen Grund für Zweifel."

Das klingt doch sehr nach einer Predigt von der Kanzel.

Was dabei - wie fast immer - übersehen wird. Gerade das muss Anleger in der Regel noch verwirrter zurücklassen. Man muss sich nur ab und zu den "Spass" erlauben Anal-ysten Einschätzungen zu einzelnen Werten zu vergleichen.

Also von denen, von denen man erwarten können müsste, dass sie Bilanzen lesen, die Peer Group kennen und vieles andere müssten, da sie ja vorgeben kaum etwas anderes zu tun bzw. dafür mehr als fürstlich entlohnt werden.

Die Realität aber: von Sell, über hold bis strong buy findet sich fast zu jedem Wert einer dieser Speizies. Ein Delta von 60/70% in den Kurszielen nichts Ungewöhnliches. Und nun?

Wird wieder darauf verwiesen, "d e r Anlager", der aber in einem normalen Job das Geld für seine Anlagen verdienen muss, sprich nicht 24/7, oder wenigstens 10/5 in einem fest definierten Umfeld (Chemie, Banken, ..) analysieren soll daraus Entscheidungen ableiten oder bei bewusst gestreuten Nachrichten befinden welchen Partikularinteressen das dient.

Genau das steht sinnbildlich für die grenzenlose Arroganz und Ignoranz der massgeblichen Player. Ob Short oder long ... Man wird nur vor sich hergetrieben, ist man nicht in der Backstube.

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