Pro und Contra „Bubble-Stufe Rot“ oder doch alles halb so wild? – Wenn selbst Crash-Abstreiter Sorgenfalten bekommen

11.02.2021, 16:04  |  40975   |   |   

Laut Finanzexperten verdichten sich die Anzeichen für eine platzende Blase. Besorgniserregende Zahlen werden unter anderem bei Goldman Sachs, der Bank of America oder dem sogenannten Buffett-Indikator ausgemacht.

Wenig optimistisch ist derzeit Dr. Hamed Esnaashari, Gründer und Geschäftsführer von Formationstrader. Er verweist auf besorgniserregende Zahlen im Markt und ruft die „Bubble-Stufe Rot“ aus. Dies sage er nicht als „Crash-Prophet“ – ganz im Gegenteil – sondern als jemand, der im Jahr 2020 so viele Aktien wie noch nie innerhalb eines Jahres gekauft habe.

Es gibt jedoch Parameter, die ihm Sorgenfalten auf die Stirn treiben. Da ist zum einen ein Aktienkorb, der „Goldman Sachs Non-Profitable Technology Index“, in dem Zukunfts-Aktien sind. Diese Unternehmen hätten noch nie Gewinn gemacht. „Wenn man sich den Kursverlauf ansieht, geht der viele Jahre seitwärts und dann gibt es einen massiven Anstieg. Das ist eine Bubble-typische Bewegung. Hier wird sehr viel Spekulation auf Zukunft gekauft.“ Nähere Informationen zu seinen Ausführungen kann man seinem Video entnehmen.

Zudem verweist Esnaashari darin auf einen Indikator der „Bank of America (BofA)“, der für seine hohe Trefferquote bekannt sei: „Analysten der BofA schauen sich an, wie hoch der Anteil an Aktien am Gesamtportfolio ist.“ Bei einem Wert von 60 Prozent sage die BofA erfahrungsgemäß, sei der Zeitpunkt gekommen, Aktien zu verkaufen. Dieser Wert sei bei 58,4 Prozent, steige stetig und kratze an dieser Verkaufsmarke, die seit der Finanzkrise nicht mehr erreicht worden sei, so der Experte im Video.

Aber was Esnaashari gar nicht mag und ihm am meisten Sorge bereitet, ist, wenn mit viel Pump am Markt gehandelt wird. „Das geht selten richtig gut. Zuletzt haben offizielle Zahlen gezeigt, dass der Anteil an Aktien, die mit geliehenem Geld gekauft werden, prozentual so stark angestiegen sind wie sonst nur zwei Mal in den vergangenen 20 Jahren – vor der Finanzkrise und vor der großen Krise nach der Dotcom-Bubble.“

Für ihn gibt es noch keinen Grund, Aktien zu verkaufen. Aktien, die ihn nach wie vor interessieren und die er gern noch in seinem Portfolio hätte, stellt er entweder zunächst zurück oder nimmt nur die Hälfte und setzt ein Limit für einen möglichen Pullback. Wenn dieser ausbleiben wird, hätte er zumindest einen kleinen Fuß drin.

Weitere Blasen-Signale

Schwarz sieht auch Jeremy Grantham. Der amerikanische Aktienmarkt befände sich in einer Blase, die eher früher als später platzen werde, so der Gründer des US-Vermögensverwalter GMO. Grantham verweist in der Neuen Zürcher Zeitung auf den sogenannten „Buffett-Indikator“, der die Börsenkapitalisierung ins Verhältnis zur Wirtschaftsleistung (Bruttoinlandprodukt) setzt. Diese Kennzahl habe ihren Rekordwert aus dem Jahr 2000 überboten, was eine beispiellose Abkopplung der Börsen von der Realwirtschaft impliziere, so Grantham.

Mit Sorge blickt Grantham auf den Sommer, wenn die Covid-19-Impfungen weit vorangeschritten seien und die Anleger realisieren würden, dass sich die Wirtschaft noch immer in einer schlechten Verfassung befinde, wie es in dem Bericht der Neuen Zürcher Zeitung weiter geschrieben steht.

Alles halb so wild am Markt

Wie lange kann der Aktienmarkt noch ansteigen? Dieser Frage geht Adrian Schmid, Gründer und Chefhändler von FinMent, im Video unserer Partnerredaktion nach. „Wir haben in den vergangenen 100 Jahren gesehen, dass der Markt mal für ein Jahrzehnt seitwärts läuft. Da gehen wir davon aus, dass das wieder passieren kann in den kommenden 100 Jahren. Genauso wie sich der Markt in der Weltfinanzkrise in den 1920er-Jahren um 90 Prozent reduziert hat. Dies könnte auch mal wieder passieren in den kommenden 100 Jahren. Es ist alles möglich“, sagt Schmid.

Als langfristiger Anleger beziehungsweise ETF-Anleger wäre Schmid betroffen: Er könne es sich nicht erlauben, zehn Jahre lang keine Rendite zu erwirtschaften oder sein Kapital massiv zu vernichten. Deshalb sei es wichtig, sich Gedanken zu machen und ein Konzept zusammenzubauen – wo man einsteigt, wo man aussteigt. Man sollte eine gewisse Rotation haben, empfiehlt er. „Nicht pauschal einfach einsteigen und davon ausgehen, dass die Märkte steigen“, so der Experte von FinMent.

Insgesamt ist er optimistisch. Egal welche Niederlage der Wirtschaft in der Vergangenheit widerfuhr – im Endeffekt gehe es immer weiter und am Ende werde es doch besser. Der Anleger müsse sich aber den Gefahren bewusst sein, so sein Fazit.

Autor: NE, wallstreet:online Zentralredaktion




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1 Kommentare

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Kommentare

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12.02.21 00:19:01
Erfreulich, dass w:o den Begriff des Crash-Leugners gerade noch vermieden u. durch den Crash- Abstreiter ersetzt hat. Darüber ist sicher intensiv diskutiert worden :-)
So lange es Börsen gibt, hat Gier eine Rolle gespielt. Will meinen, mit nachvollziehbaren Renditen, wie sie der produzierende Sektor erwirtschaften kann, sind viele Investoren nicht zufrieden gewesen. Das hat zur Hebel-Technologie u. dazu geführt, dass Papiere auf Pump gekauft wurden u. werden. Diese Mentalität wird auch durch das Geschäftsmodell der ETFs maßgeblich befördert. Was letztlich auch zur LB-Katastrophe u. dazu führte, dass wieder mal Spekulanten u. Broker aus den Fenstern sprangen. Gier ist die Grundlage von Blasenbildungen !! Gilt natürlich für ALLE Investitionsbereiche, auch für den Handel mit Realwerten u. für die Rohstoffmärkte. Wie hat Gitte Henning so zutreffend gesungen: "Ich will Alles". Auch Bernie Madoff, Richard S. Fuld u. andere windige Betrüger / Hochstapler galten über Jahrzehnte hinweg als grandiose Finanz-Experten. Die von den Medien gefeiert wurden. Niemand sollte hier mit dem Finger auf andere zeigen. Wir sollten uns ehrlich machen. Das Problem der wiederkehrenden Blasenbildung wäre schnell u. leicht gelöst, würden die Gesetzgeber weltweit Börsengewinne oberhalb von 4-5 % jährlich rigoros PROGRESSIV besteuern. Damit wären alle Spatzen gefangen, wir würden die Märkte beruhigen u. nachhaltig verstetigen. Interessanterweise wird das aber von niemandem ernsthaft in Erwägung gezogen. Im Gegenteil. Jeder Versuch, die Märkte zu regulieren, löst empörte Reaktionen aus. Das erinnert mich an den Versuch der Politik, die Landwirte daran zu hindern, unsere Luft, unsere Böden, unser Grundwasser zu vergiften u. alle Insekten auszurotten. Oder an zahlreiche Versuche, die Japaner daran zu hindern, die letzten Wale zu verspeisen. Warum musste das alles krachend scheitern ? Der hochmoderne Mensch heutzutage läuft in Wahrheit weitestgehend mit dem vielzitierten Gehirn eines Neandertalers herum. Der Jäger u. Sammler ist zum Spekulanten mutiert. Genug ist längst nicht mehr genug. Es gilt, Welt u. Märkte so zu nehmen, wie sie sind u. es zu vermeiden, alles in Gut u. Böse aufzuteilen. Wir Menschen folgen doch m.o w. einer schlichten Logik. Wir versuchen ganz einfach, unsere Schäfchen ins Trockene zu bringen. Seien wir nun Finanzexperten, Crash-Bestreiter, Endzeit-Warner oder einfacher Marktteilnehmer / Spekulanten. Wir versuchen alle, möglichst hohe Renditen zu erzielen. Und dabei nicht unangenehm aufzufallen.

Disclaimer

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