Greenpeace-Recherche VW umgeht EU-Strafzahlungen für klimaschädliche Autos durch taktische Zulassungen / Statt im Verkauf landen abgasarme Autos im Fuhrpark der VW-Gruppe

Nachrichtenagentur: news aktuell
12.02.2021, 18:15  |  1251   |   |   

Hamburg (ots) - Mit der Eigenzulassung von Elektro- und Plug-in-Hybridautos hat
der VW-Konzern europäische Strafzahlungen für klimaschädliche Autos in Höhe von
140 Millionen Euro umgangen. Eine Recherche der unabhängigen
Umweltschutzorganisation Greenpeace belegt, dass VW im vergangenen Jahr jedes
fünfte Elektro- und Hybridauto (mehr als 20 Prozent) europaweit auf sich selbst
und seine Händler zuließ (Online: https://act.gp/3q3yqCM ). So konnte der
Konzern im Januar überraschend erklären, den europäischen CO2-Flottengrenzwert
für 2020 nur um ein halbes Gramm verfehlt zu haben. "VW war selbst sein bester
Kunde", sagt Benjamin Stephan, Verkehrsexperte von Greenpeace: "Statt mit
Eigenzulassungen seine Klimabilanz zu frisieren, sollte VW zügig aus dem
klimaschädlichen Geschäft mit Dieseln und Benzinern aussteigen." Greenpeace hat
die Zulassungszahlen des VW-Konzerns aus dem Jahr 2020 mit Dataforce-Statistiken
aus der EU sowie Großbritannien, Norwegen und Island analysiert.

Besonders viele ID.3, VWs Elektro-Flaggschiff, blieben im Besitz des Konzerns:
Fast jede vierte Zulassung des Modells (24 Prozent) in Europa entfiel auf den
Hersteller und seine Händler. In Deutschland betrug der Anteil der
Eigenzulassungen sogar mehr als ein Drittel (35 Prozent). Den schleppenden
Verkauf des ID.3 an Privatpersonen hatte Greenpeace bereits vergangenes Jahr mit
bundesweiten Test-Gesprächen untersucht und dabei fehlende Verkaufsanreize und
mangelhafte Schulungen der Verkäufer:innen aufgedeckt ( https://act.gp/37nd24w
). Die aktuelle Greenpeace-Recherche zeigt auch, dass konkurrierende Hersteller
die Eigenzulassungen von Autos mit alternativen Antrieben weniger nutzen: Sie
beliefen sich 2020 in Europa auf 19 Prozent der Plug-in-Hybride (VW: 22 Prozent)
und 14 Prozent der Elektroautos (VW: 21 Prozent).

Greenpeace fordert einen schnelleren Ausstieg aus dem Verbrenner

Die VW-Gruppe verkauft zu über 90 Prozent klimaschädliche Diesel und Benziner
und hat daher mit kleineren Herstellern von Elektroautos einen Pool gebildet, um
die Durchschnitts- Emissionen neu verkaufter Autos senken zu können. Das
sogenannte "CO2-Pooling" ist eine umstrittene Methode der Marktführer, um
europäische Strafzahlungen zu umgehen. "VW nutzt jedes Schlupfloch, um seine
Statistiken zu schönen und sich aus der Verantwortung für eine klimafreundliches
Geschäftsmodell zu stehlen", sagt Stephan. "Nur mit massiven Eingriffen und
taktischen Manövern konnte der Konzern die europäischen CO2-Ziele einigermaßen
erreichen. Wer zu spät auf E-Antriebe setzt und dem Verbrenner eine
Bestandsgarantie bis 2040 ausstellt, muss sich nicht wundern, wenn ihm die
Kunden den Wandel zum Elektro-Autobauer nicht abnehmen."

Pressekontakt:

Rückfragen bitte an Benjamin Stephan, Tel. 0151-5720 8151, oder
Pressesprecherin Simone Miller, Tel. 0171-870 6647. Internet:
www.greenpeace.de. Greenpeace-Pressestelle: Telefon 040-30618-340, Email
presse@greenpeace.de; Greenpeace auf Twitter: http://twitter.com/greenpeace_de,
auf Facebook: www.facebook.com/greenpeace.de.

Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/6343/4837365
OTS: Greenpeace e.V.
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