FOREX-Report D/F Industrieallianzen – Yellen/Lagarde - UK: Böses Erwachen - Barnier

Gastautor: Folker Hellmeyer
17.02.2021, 09:14  |  621   |   |   

Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1,2093 (06:15 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,2084 im fernöstlichen Geschäft markiert wurde.

Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 105,85. In der Folge notiert EUR-JPY bei 128,00. EUR-CHF oszilliert bei 1,0798.

An den Finanzmärkten herrschte in den letzten 24 Stunden leichter Konsolidierungsmodus an vielen Aktienmärkten (Ausnahmen Hongkong, Vietnam, Dow Jones). Der USD gewann gegenüber Hauptwährungen, Gold als auch Silber an Boden. Hintergrund der milden Neubewertungen sind leicht steigende Zinsen an Kapitalmärkten. Der Gouverneur der Fed Saint Louis Bullard betonte, man würde bei den Wertpapierankäufen nichts überstürzen (Beschwichtigung).

Berlin/Paris: Industrieallianzen bitter notwendig

Die Regierungen in Paris und Berlin wollen stärker Industrie-Allianzen auf europäischer Ebene fördern. Das sei erforderlich, um Technologien auszubauen und Wettbewerbsvorteile zu erzielen. Wir begrüßen diese Politik und die Projekte, die in den Sektoren Batteriezellen und Halbleiter bereits auf den Weg gebracht wurden oder werden. Ich mahne an, den IT-Airbus in den Fokus zu stellen.

Im internationalen Wettbewerb zählen Kosten- und Skaleneffekte, um perspektivisch erfolgreich zu sein. In einer Welt in faktischer Konkurrenz zu den USA und China ist der nationalstaatliche Ansatz, der noch in vielen Köpfen verankert ist, kein Mittel, Erfolg und Zukunftsfähigkeit auf Dauer zu generieren.

Der Rückgang der Bedeutung führender europäischer Konzerne in den letzten 20 Jahren ist unter anderem Ausdruck der durch die nationalstaatlichen Denkansätze geprägten Industriepolitik Kontinentaleuropas. Das europäische Gegeneinander hat den Blick für die globale Konkurrenzlage verstellt und falsche Zielkalibrierung zur Folge gehabt (mangelnde intellektuelle Abstraktionskraft europäischer Eliten).

Yellen/Lagarde: Man spricht miteinander (man kennt sich ja auch)

Laut US-Treasury haben sich US-Finanzministerin Janet Yellen und Christine Lagarde in ihrer Funktion an der Spitze der EZB telefonisch über die Themen Wachstumsförderung, Jobaufbau, Vertiefung der Kooperation, Klimawandel und Stabilität der Finanzen ausgetauscht und dabei gemeinsame Prioritäten hervorgehoben.

Zentralbank- und Wirtschaftsdiplomatie ist grundsätzlich Sinn stiftend. Aber bei dem US-Haushalt von Finanzstabilität zu sprechen, ist nicht nur ambitioniert, sondern grotesk. Der Unterschied Eurozone/USA ist umwerfend, damit auch die Frage der Widerstandskraft der jeweiligen Ökonomien.

Bei aller Zentralbank und Wirtschaftsdiplomatie sollte das Ergebnis nicht in Richtung Unterordnung unter US-Interessen mäandern.

UK: Von wegen Brexit-UK-Steuerparadies!

Der britische Finanzminister wird laut dem Institute for Fiscal Studies (überparteilich) angesichts der Corona-, aber auch der Brexit-Kosten nicht um kräftige Steuererhöhungen herumkommen. Das Volumen wurde auf bis zu 60 Mrd. GBP beziffert. Ausnahmen von der Erbschaftssteuer, Steuererleichterungen für Kapitalgewinne (Finanzstandort London?) und die Besteuerung von Immobilien (nicht mehr Milliardär-Paradies?) müssten auf den Prüfstand.

Das UK steuert 2021 auf eine Neuverschuldung von 400 Mrd. GBP zu, das größtes Defizit außerhalb der Weltkriege. Die britische Wirtschaft ist 2020 um 9,9% geschrumpft (Eurozone -6,8%). Das Haushaltsdefizit lag 2020 bei circa 20% des BIP (Eurozone 8,3%).

Das Institut empfahl, die Wirtschaft von seiner pauschalen Unterstützung zu entwöhnen. Mehr Geld sei für die Bereiche Gesundheit, Bildung, Justiz und Kommunalverwaltung notwendig, um das Krisenszenario zu überwinden.

Vor diesem faktischen Hintergrund hat die aktuelle Stärke des GBP keine dauerhafte Trendfähigkeit. Das Programm der Brexiteers hinterlässt einen grandiosen Scherbenhaufen! Hasardeure in der Politik fordern eben ihren Tribut!

Barnier: Hoffnungsschimmer für Kontinentaleuropa?

Der Ex-EU-Brexit-Unterhändler Michel Barnier hat mit der Gründung einer Arbeitsgruppe im französischen Parlament Spekulationen über eine Präsidentschaftskandidatur ausgelöst. Er stellte die Gruppe, die innerhalb der konservativen Partei Les Republicains aufgestellt ist, unter das Motto „Patriot und Europäer“. Er sei bereit, mit allen Interessierten zusammenzuarbeiten.

Barnier hatte Ende 2020 erklärt, er wolle nach dem Abschluss der Brexit-Verhandlungen seinem Land auf eine andere Art dienen. Aus Diplomatenkreisen in Brüssel verlautet, dass Barnier seine Chancen für die Wahl 2022 prüfe.

Das Motto Barniers ist Ausdruck der Liebe zur eigenen Nation und dem Verständnis europäischer Historie und Gegenwart und der daraus resultierenden Verantwortung. Es sind klare und offene Worte, die man von anderen Politikern gerne hören würde.

Datenpotpourri der letzten 24 Handelsstunden:

Eurozone: Positive Überraschungen

Das BIP der Eurozone sank laut erster Schätzung per 4. Quartal 2020 im Quartalsvergleich um 0,6% (Prognose -0,7%). Im Jahresvergleich kam es zu einem Rückgang um 5,0% (Prognose -5,1%). Im Gesamtjahr ergab sich ein Minus in Höhe von 6,8%.

Die Beschäftigung der Eurozone legte per 4. Quartal 2020 um 0,3% (Prognose 0,2%) auf 157,927.000 zu. Im Jahresvergleich stellte sich ein Rückgang um 2,0% (Prognose -2,2%) nach zuvor -2,3% ein.

Der ZEW-Geschäftserwartungsindex für die Eurozone stieg per Februar von zuvor 58,3 auf 69,6 Zähler.

Der ZEW-Index für Deutschland nahm per Februar unerwartet von zuvor 61,8 auf 71,2 Punkte zu (Prognose 59,6). Der ZEW-Lageindex sank von zuvor -66,4 auf -67,2 Zähler (Prognose -67,0).

USA: Positive Überraschung

Der New York Fed Manufacturing Index stieg per Februar von zuvor 3,50 auf 12,10 Punkte (Prognose 6,00).

Japan: Starke Daten

Der von Reuters ermittelte Tankan Index für das Verarbeitende Gewerbe nahm per Februar von zuvor -1 auf +3 Punkte zu. Der Tankan-Dienstleistungsindex stellte sich auf -7 nach zuvor -11 Zähler.

„Machinery Orders“ zogen per Berichtsmonat Dezember im Monatsvergleich um 5,2% (Prognose -6,2%) nach zuvor +1,5% an. Im Jahresvergleich ergab sich ein Anstieg um 11,8% (Prognose -3,0%) nach zuvor -11,3%.

Die Exporte Japans lieferten per Januar eine Zunahme im Jahresvergleich um 6,4% nach zuvor 2,0%, während die Importe um 9,5% nach zuvor -11,6% sanken.

Russland: Abwertung des Rubels spielt eine Rolle

Die Erzeugerpreise legten per Januar im Monatsvergleich um 3,5% nach zuvor 1,5% zu. Im Jahresvergleich ergab sich ein Anstieg um 6,7% nach zuvor 3,6%.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das eine neutrale Haltung in der Positionierung EUR/USD favorisiert. Ein Ausbruch aus der Bandbreite 1.2200 – 1.1910 eröffnet neue Opportunitäten.

Viel Erfolg!


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