Die Chancen des Internet of Things in der Versicherungsbranche

Gastautor: Seyit Binbir
17.02.2021, 14:40  |  1549   |   |   

Sinkende Nachfrage im Neukundengeschäft, Ausfälle von Beiträgen, höhere Schadenszahlungen, verändertes Kommunikationsverhalten:

Die Corona-Krise setzt die Versicherungsbranche unter Druck und zwingt sie, ihre Digitalisierungsmaßnahmen auszuweiten. Besonders großes Potenzial besitzen Angebote, die auf dem Internet of Things (IoT) basieren.

Conrad Connect bietet mit seiner PaaS (Plattform as a Service)-Lösung vielen Branchen seine IoT-Dienste an. Wie genau funktioniert PaaS?

Andreas Bös: Im Allgemeinen handelt es sich bei Platform-as-a-Service (PaaS) um eine Dienstleistung, bei der eine Plattform für Anwendungsentwickler in der Cloud bereitgestellt wird. Conrad Connect hat diesen Ansatz auf den Bereich IoT adaptiert. Wir stellen also eine IoT-Plattform zur Verfügung, auf der Unternehmen verschiedener Branchen vernetzte Geräte, unterschiedliche Applikationen und Dienste unterschiedlicher Hersteller verknüpfen können. Ebenso lassen sich auf der Plattform Automatisierungsketten für IoT-Geräte erstellen.

Wer PaaS-Lösungen wie Conrad Connect einsetzt, muss keine eigene digitale Infrastruktur aufbauen, um IoT-basierte Applikationen, Services und Geschäftsmodelle zu realisieren. Anstatt zu coden wird konfiguriert, denn die Plattform stellt bereits alle notwendigen Funktionen für die Vernetzung von Geräten und Diensten zur Verfügung.



Bild: Andreas Bös, Conrad Connect GmbH

Und welche Anwendungsbereiche sehen Sie für die Versicherungsbranche?

Andreas Bös: Im Versicherungsbereich gibt es zwei große Anwendungsgebiete für das Internet der Dinge: datenbasierte Tarife und Prävention. „Datenbasierte Tarife“ bedeutet, dass sich die Versicherungsprämien auf Grundlage fortlaufend erhobener Daten aus IoT-Technologien dynamisch anpassen. Verringert sich beispielsweise die Nutzung eines versicherten Gegenstands oder das Risikoverhalten des Versicherungsnehmers, so sinken die Prämien. Alternativ lässt sich risikoarmes Verhalten durch Rabatte oder Boni belohnen.

Unter „Prävention“ verstehen wir die frühzeitige Erkennung eintretender Schadensfälle mithilfe von IoT-Technologie. Das Ziel ist es in diesem Fall, das Schadensausmaß zu begrenzen oder bestimmte Geschehnisse sogar gänzlich zu verhindern.
 

Können Sie konkrete Beispiele nennen?

Andreas Bös: Ein Bereich, in dem sich bereits IoT-basierte Versicherungsprodukte etabliert haben, ist die Kfz-Versicherung. Hier existieren sogenannte Telematiktarife, in deren Rahmen das Fahrverhalten des Versicherten analysiert und für die Tarifberechnung herangezogen wird.

Auch in der Gebäudeversicherung kommen IoT-Lösungen bereits zum Einsatz. So existieren beispielsweise Schutz- und Überwachungssysteme für Wasserleitungen, welche das Wasser automatisch abstellen, wenn Leckagen an den Leitungen entdeckt werden. Versicherungen finanzieren die Kosten dieser Systeme zum Teil mit und gewähren nach der Installation auch Rabatte auf die Prämie.
 

Wie profitieren die Versicherten davon?

Andreas Bös: In beiden Beispielen entsteht eine Win-Win-Situation für Versicherer und Versicherte. So können Telematiktarife nachweislich das Verhalten von Autofahrern positiv beeinflussen, da die Aussicht auf entsprechende Kosteneinsparungen besteht. Eine vorausschauende, defensive Fahrweise führt wiederum zu einem sinkenden Schadensrisiko und somit zu Einsparungen aufseiten der Versicherungsanbieter. Sinngemäß ist dies auch auf weitere Versicherungssparten übertragbar.

Gerade die jüngere Generation ist zunehmend bereit, Daten Insights preiszugeben, um Versicherungskosten zu sparen. Somit ergibt sich durch das IoT gerade in diesem Kundensegment ein zusätzliches Umsatzpotenzial. Davon abgesehen lassen sich smarte, IoT-basierte Zusatzdienstleistungen realisieren, die das Geschäft zusätzlich beleben können.
 

Glauben Sie also, IoT wird das Geschäftsmodell von Versicherungen nachhaltig beeinflussen?

Andreas Bös: Davon ist tatsächlich auszugehen. Denn durch das IoT können Versicherungen in eine neue Rolle schlüpfen. Anstatt sich rein auf die Regulierung von bereits stattgefundenen Schadensereignissen zu konzentrieren, werden die Gesellschaften zum Schadensvermeider - und somit zu einem Dienstleister, der seine Kunden vor Ärger, hohen Kosten und extremen Gefahren schützt. Wem es am schnellsten gelingt, diese attraktive Rolle einzunehmen, erarbeitet sich klare Vorteile. Dies gilt insbesondere im Wettbewerb um die jüngere Kundengeneration, die solche digitalen, mehrwertstiftenden Services zunehmend erwartet.

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