Invesco-Stratege Jackson: "Der Versuch der Zentralbanken, Zeit zu kaufen, könnte nach hinten losgehen"

Gastautor: Simon Weiler
22.02.2021, 12:45  |  214   |   |   

In einer globalen Pandemie und Rezession hätten die Zentralbanken etwas Außergewöhnliches getan: „Sie haben nicht nur ein Sicherheitsnetz unter Risikoanlagen gespannt, sondern den Märkten scheinbar auch jegliche natürlichen Begrenzungen nach oben genommen. Dadurch haben sie die Bildung spekulativer Blasen in zahlreichen Bereichen wie bei Bitcoin und einigen US-Aktien gefördert und es einem Chatroom militanter Kleinanleger ermöglicht, Hedgefonds das Fürchten zu lehren.“ Außerhalb der Finanzmärkte seien zudem in mehreren Ländern die Hauspreise stark gestiegen.

Das hat Fragen über die kurz- bis langfristigen Folgen dieser Politik aufgeworfen. Kurzfristig fällt die Wirtschaftsleistung angesichts der in vielen Teilen der Welt immer noch wütenden Pandemie schwächer aus, als vor einigen Monaten noch erwartet wurde. Mit weiteren BIP-Rückgängen wird gerechnet und die Invesco-Strategen halten ein negatives globales BIP-Wachstum in diesem Quartal für möglich. Zudem habe sich gezeigt, dass die Impfstoffe nicht das erhoffte Wundermittel für ein rasches Wiederhochfahren der Weltwirtschaft sind. Zum einen kommt die Produktion dem Bedarf aktuell noch nicht hinterher, sodass die Massenimpfungen in den Industrieländern einen Großteil dieses Jahres in Anspruch nehmen werden und die Entwicklungsländer möglicherweise bis 2022 oder sogar noch länger warten müssen. Zweitens ist noch nicht klar, ob Geimpfte das Virus noch übertragen können, und drittens besteht die Gefahr neuer Mutationen, bei denen der Impfstoff nicht wirkt. „Ironischerweise sind die Staaten seit Beginn der Impfkampagnen wieder zu strengeren Beschränkungen internationaler Einreisen übergegangen, und von einer Rückkehr zur Normalität scheinen wir weiter entfernt zu sein, als wir vor wenigen Monaten dachten“, so Jackson.

Nach Ansicht der Invesco-Experten werden die Regierungen ihre großzügigen Hilfsleistungen daher so schnell nicht einstellen können und auch die Notenbanken ihre Assetkäufe und sonstigen Liquiditätshilfen im Jahr 2021 weitgehend fortführen müssen. „Aus Sicht der Finanzmärkte mag das eine gute Nachricht sein, schließlich deutet damit alles darauf hin, dass die Zentralbanken weiterhin große Mengen an Vermögenswerten ankaufen werden. Da die Bilanzausweitung aber prozentual nicht mehr so stark ausfallen wird wie im letzten Jahr, könnte dies auch die Märkte weniger stark stützen als zuvor. Dadurch könnte es auch zu Kurskorrekturen kommen“, erklärt Jackson. „Wenn die Zentralbanken nicht immer mehr Vermögenswerte ankaufen, könnten die Märkte enttäuscht reagieren.“

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Invesco-Stratege Jackson: "Der Versuch der Zentralbanken, Zeit zu kaufen, könnte nach hinten losgehen" Die Experten des Global Market Strategy Office von Invesco rechnen 2021 nicht mit einer Rückführung der riesigen Assetkaufprogramme der Notenbanken, sondern halten es für wahrscheinlicher, dass diese nochmals ausgeweitet werden. Für den diesjährigen Ausblick für Risikoanlagen könne das zwar eine gute Nachricht sein – die Invesco-Experten zeigen sich aber besorgt über die längerfristigen Auswirkungen der extremen Geldpolitik der globalen Notenbanken. „Wir bezweifeln, dass das Geld an Bäumen wächst, die von den Zentralbanken folgenlos abgeerntet werden können. Das mag heute oder morgen noch kein Problem darstellen, könnte sich aber auf unsere Rente auswirken“, sagt Paul Jackson, Global Head of Asset Allocation Research.

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