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Im Interview Traumhaus: „Über mangelnde Nachfrage können wir uns wirklich nicht beklagen“

Nachrichtenquelle: 4investors
24.02.2021, 07:41  |  1257   |   |   

2021 wird bei Traumhaus einiges geschehen. Das macht Otfried Sinner, Vorstand des Unternehmens, gegenüber unserer Redaktion deutlich. Das Unternehmen will weiter wachsen, neue Grundstückskäufe stehen auf der Agenda.

Eine neue Produktionsstätte in Kruft wird viele Vorteile bringen, die geographische Expansion soll vorangebracht werden. Sinner betont in dem Interview zugleich, dass die Traumhaus-Aktie sowohl ein Value-Investment als auch ein Dividendenpapier ist.

Seit einem Jahr beherrscht Corona die Schlagzeilen. Bei Ihnen sind die entsprechenden Auswirkungen aber weiter gering geblieben, oder?

Sinner: Bei den Projekten der Traumhaus AG gibt es keine zeitlich spürbaren Verzögerungen und nur sehr geringe Auswirkungen auf den Geschäftsbetrieb durch den pandemiebedingten zweiten Shutdown seit November 2020. Auswirkungen sind im Wesentlichen nur bei Prozessen mit Behördenbezug, wie z.B. Baugenehmigungen oder Eigentumsumschreibungen spürbar. Diese Zeitverluste versuchen wir an anderer Stelle zu kompensieren. Aktuell befinden sich 18 Projekte mit einem Verkaufsvolumen von rund 144 Millionen Euro im Bau. Mit der Fertigstellung werden 529 neue Eigentümer ihr Haus oder ihre Wohnung beziehen können. Zeitnah startet der Bau und Vertrieb von weiteren fünf Projekten, die ein Verkaufsvolumen von rund 95 Millionen Euro haben und 236 Wohneinheiten schaffen.

Wie arbeiten Sie aktuell im Vertrieb?

Sinner: Damit der Vertrieb unserer Projekte weiter planmäßig läuft, organisieren wir unsere Prozesse noch strukturierter und intensiver, da aufgrund der Pandemie-Beschränkungen keine Termine mit mehreren Interessenten gleichzeitig stattfinden können. Zudem gibt es beim Notar nur noch Einzelbeurkundungen und keine Sammelbeurkundungen mehr. Aber mit unseren getroffenen Maßnahmen bleiben wir auch hier im grünen Bereich.

Und wie sind Sie bisher durch diesen doch recht harten Winter gekommen, gab es Beeinträchtigungen beim Bau?

Sinner: Kalte Winter sind keine große Überraschung für uns. Es war in den vergangenen Jahren ein Vorteil, vergleichsweise milde Winter zu haben. In diesem Jahr kam es bei der extremen Kälte in der Tat mitunter zu Beeinträchtigungen auf den laufenden Baustellen. Teilweise mussten die Arbeiten kurz eingestellt werden. Aber das liegt alles noch im Rahmen unserer Zeitplanung.

Sie bieten auf Ihrer Homepage derzeit Häuser in acht Städten an. Drei der Projekte sind jedoch schon komplett ausverkauft. Hier müssten Sie bald mit neuen Angeboten nachlegen?!

Sinner: Wir sind schon dabei nachzulegen. Aktuell arbeiten wir konzentriert an größtenteils auch schon erworbenen Nachfolgeprojekten auch in den Städten, in denen wir sehr schnell ausverkauft waren. Aber Sie haben Recht, über mangelnde Nachfrage nach unseren Produkten können wir uns wirklich nicht beklagen.

Sie haben zuletzt mehrere Projekte in Forward Deals veräußert, teils auch an institutionelle Investoren. Was sind für Traumhaus dabei die Vorteile?

Sinner: Die Vorteile der Forward Deals für die Traumhaus liegen auf der Hand: Einerseits absolute finanzielle Planungssicherheit – andererseits wird der Vertrieb und die Bemusterungsabteilung der Traumhaus AG entlastet und kann sich parallel um weitere Projekte kümmern. Zusätzlich schaffen diese Deals auch Vertrauen bei unseren Kapitalmarkt-Investoren. Sie sehen, dass die Traumhaus-Projekte qualitativ überzeugend und günstig sind, dass renommierte Wohnungsbaugesellschaften sich schon vorab die Wohneinheiten sichern. Und zu guter Letzt ist der Zeitgewinn für uns enorm.

Wird das die neue Strategie beim Verkauf von Häusern bzw. Projekten werden?

Sinner: Als grundsätzlich neue Strategie beim Verkauf von Häusern würde ich Forward Deals nicht bezeichnen. Wir werden auch weiterhin unsere Häuser an „unsere“ Kunden verkaufen, meist an die junge Familie, die zum ersten Mal eine Immobilie erwirbt. Aber mit Blick auf die Investoren ist es natürlich ein Teil der Wachstumsstrategie der Traumhaus AG, die wir kontinuierlich verfolgen. Beim Bau von Mehrfamilienhäusern bleibt hingegen der Forward Deal an institutionelle Investoren das präferierte Konzept.

Warum kaufen institutionelle Investoren bei Ihnen offenbar zu den Preisen, die auch Einzelkäufer bezahlen?

Sinner: Wir bauen unsere Häuser unschlagbar günstig. Weil wir so günstigen Wohnraum schaffen, sind wir für professionelle Investoren interessant geworden.

Laufen weitere Gespräche mit institutionellen Investoren?

Sinner: Die Traumhaus möchte für möglichst viele Menschen wertbeständigen und günstigen Wohnraum schaffen. Deswegen stehen wir selbstverständlich mit allen Käufergruppen in Kontakt. Transparent werden wir unsere Vertriebserfolge also auch weitere Forward Deals kommunizieren – auch im Sinne einer informativ-wertigen Kapitalmarktkommunikation.

Ihr Werk in Kruft wird gerade gebaut. Wie hoch sind dort letztlich die Investitionskosten?

Sinner: Die Gesamtinvestitionskosten unseres Baukompetenzzentrums in Kruft bei Koblenz betragen rund 9,6 Millionen Euro, wovon allerdings mehr als die Hälfte auf Grundstück und Bauwerke entfällt und damit nur geringfügig die Abschreibungen berührt. Etwas über 4 Millionen Euro entfallen auf die eigentliche Produktionstechnik und werden über zehn Jahre abgeschrieben. Also alles im Rahmen unserer Planungsansätze.

Was verändert sich durch die neue Produktionsstätte?

Sinner: Wir werden unabhängiger – von der jeweiligen Wetterlage und von den in unserer Branche allgemein knappen Baukapazitäten – und können so noch effizienter und zügiger arbeiten und die Auslastung unserer Bauteams steigern.

Mit welchen Zielen gehen Sie in das neue Jahr?

Sinner: Das ist eine wirklich gute, aber auch weitreichende Frage. Wir befinden uns in einer sehr intensiven Wachstumsphase, so dass wir für fast alle Unternehmensbereiche spezifische Ziele definiert haben. Derzeit stehen zahlreiche betriebliche Prozesse auf dem Prüfstand, wir digitalisieren viele Arbeitsabläufe und vernetzen Arbeitsbereiche. Die Organisation ist ja erheblich gewachsen. Die Inbetriebnahme unserer automatisierten Vorfertigung ist natürlich auch ein großer Meilenstein, gerade weil wir unsere Position in der seriellen Fertigung weiter ausbauen wollen. Die geographische Expansion in neue Vertriebsregionen ist sehr gut angelaufen und soll auch 2021 mit weiteren Grundstückskäufen forciert werden. Im Zuge dessen werden wir die regionalen Teams kontinuierlich verstärken. Auf der Vertriebsseite sehen wir, dass unsere Strategie im Bereich der Forward-Deals sehr erfolgreich aufgegangen ist. Für den Kapitalmarkt gilt weiterhin: Bekanntheitsgrad weiter steigern und den Streubesitz weiter erhöhen. Ansonsten richten wir unser Augenmerk auf eine solide Eigenkapitalquote, die wir in den letzten Jahren schon kontinuierlich steigern konnten.

Wie viele neue Grundstücke wollen Sie 2021 erwerben?

Sinner: Formulieren wir es mal vorsichtig so, um die Mitbewerber nicht auf den Plan zu rufen: In mittlerweile sechs Bundesländern verhandeln wir über eine große Anzahl von Grundstücken. Insbesondere im Norden Deutschlands und in Berlin/Brandenburg haben wir unsere Aktivitäten stark ausgeweitet. Die Grundstückskäufe 2021 steigern unseren Umsatz 2023 und 2024. Unsere Wachstumsziele haben wir dabei also ganz klar im Blick.

Analysten sehen das Kursziel für Ihre Aktien bei 20,70 Euro. Der Kurs der Traumhaus-Aktie ist hingegen noch nicht wieder ganz auf dem Vorkrisenniveau von fast 16 Euro angekommen. Wie erklären Sie sich das?

Sinner: Im Wert einer Aktie stecken neben den laufenden vor allem auch die künftigen Erträge. Insbesondere die Wachstumsperspektive motiviert Aktionäre, ihr Geld anzulegen. Und in der Tat ist in der Traumhaus-Aktie noch immer ein sichtbarer Pandemie-Abschlag eingepreist. Das ist meines Erachtens recht leicht erklärt, da wir bis jetzt noch keine Ergebnis-Prognose für das laufende Geschäftsjahr 2021 abgegeben haben. Für das abgelaufene Geschäftsjahr hatten wir im November 2020 erstmalig wieder eine Prognose gestellt. Weiter wollten wir noch nicht schauen. Das wurde von den Anlegern auch entsprechend goutiert. Der Kurs steht heute wieder knapp unter altem Niveau. Mit Veröffentlichung der vorläufigen Zahlen für 2020 werden wir auch wieder eine Prognose für 2021 aufnehmen. Für die weitere Wertentwicklung der Traumhaus-Aktien bin ich insofern sehr optimistisch: Wir haben ein sehr attraktives und offensichtlich recht krisenresistentes Geschäftsmodell, wachsen kontinuierlich und haben vor, auch unsere verlässliche Dividendenpolitik fortzusetzen. Damit sollten wir sowohl für Value- als auch für ausschüttungsorientierte Anleger ein klarer Kauf sein.

Im Januar haben Sie eine Kapitalerhöhung durchgeführt und dabei 2 Millionen Euro ins Unternehmen geholt. Wie haben Sie dieses Geld verplant?

Sinner: Die Kapitalerhöhung wurde zwar im Januar eingetragen, jedoch noch im Dezember 2020 angemeldet und durchgeführt und damit auch für das abgelaufene Jahr bilanzwirksam. Das Geld haben wir erneut für Grundstückskäufe eingesetzt. Darüber hinaus kommt diese Kapitalerhöhung natürlich der Steigerung unserer Eigenkapitalquote zugute und letztlich hat sich auch der Streubesitz wieder ein bisschen vergrößert. Wir haben mit dieser Maßnahme also gleich für drei wesentliche Ziele der Traumhaus AG einen Beitrag geleistet.

Um ein Thema kommt man bei Traumhaus nie herum: Die Erhöhung des Streubesitzes. Wie sehen hier die Planungen 2021 aus?

Sinner: Das stimmt, seit unserem Börsengang 2018 steht die Erweiterung des Streubesitzes ganz oben auf unserer Agenda. Wir sind seinerzeit mit 9 Prozent gestartet und konnten den Freefloat durch verschiedene Privatplatzierungen immerhin schon auf rund 18 Prozent steigern. Auch im täglichen Börsenhandel hat sich das anhand des durchschnittlichen Handelsvolumens bereits deutlich bemerkbar gemacht. Traumhaus wird übrigens mittlerweile auf acht verschiedenen Handelsplattformen gehandelt. Als erstes großes Etappenziel haben wir uns 25 Prozent Streubesitz vorgenommen und eigentlich auch wenigstens eine echte Retailmaßnahme. Wer weiß, vielleicht gelingt uns das ja schon in diesem Jahr.

Zuletzt haben Sie eine Dividende von 0,50 Euro ausgeschüttet. Könnte diese beim kommenden Vorschlag nach oben gehen?

Sinner: Sie haben Recht, wir wollten den Streubesitz-Aktionären im letzten Jahr ein klares Signal senden, dass die Traumhaus AG nicht nur ein lohnenswertes Value-Investment ist, sondern auch als Dividendenpapier überzeugen kann. Ich sehe aktuell keinen Grund, warum wir diese Dividendenpolitik verändern sollten. Für einen konkreten Vorschlag ist es allerdings noch zu früh.

Dieses Interview ist eine Kooperation von wallstreet-online mit der Redaktion von www.4investors.de .


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