checkAd

SmartInvestor Eisberg voraus! Droht der Börsenparty ein jähes Ende?

Nachrichtenquelle: Smart Investor
02.03.2021, 13:32  |  601   |   |   

Märkte zwischen Crack-up-Boom und möglichem Abriss

Teil des Problems

Die aktuelle Situation an den Märkten ist außergewöhnlich. Das werden jene Scharen neuer Anleger und Spekulanten, die sich auf Robinhood oder in der Reddit-Gruppe „wallstreetbets“ tummeln, zwar nicht unbedingt so wahrnehmen, aber genau das ist ein Teil des Problems. Ein Börsen-Altmeister wie Dr. Jens Ehrhardt, Gründer und Vorstandsvorsitzender der DJE Kapital AG, hat da eine ganz andere Perspektive auf das Marktgeschehen: Für ihn sind die Anzeichen einer Blase in vielen Teilsegmenten nicht zu übersehen. Am deutlichsten zeige sich das bei Modethemen wie dem Bitcoin oder der Tesla-Aktie (IK), die sich inzwischen jeder funda­mentalen Bewertung entzieht. Aber auch Sentimentindikatoren wie das Anschwellen der Umsätze in Kaufoptionen und die eingangs erwähnte Überspekulation durch Kleinanleger sind ­typische Merkmale einer solchen Blasenbildung.

Wild, aber untypisch

Dennoch haben wir es hier nicht mit der typischen Endphase ­einer Hausse zu tun, die regelmäßig nach dem Muster „Geht ­Butter, geht Käse“ abläuft. Tatsächlich sieht Dr. Ehrhardt den Markt tief gespalten, wie sich am DAX zeige, der unter Herausrechnung der Dividenden seit rund 20 Jahren per Saldo kaum von der Stelle gekommen ist.

Abb. 1 zeigt den DAX Kursindex, der genau dieses Phänomen bestätigt. Neben dem überaus teuren Segment der Modeaktien und -themen waren die preiswerteren Marktsegmente, die im Wesentlichen unter dem Stichwort Value zu finden sind, über Jahre stark vernachlässigt. Allerdings muss man sich aber wohl vor der Idee hüten, dass alles, was die ­Meute der Momentumspieler bislang nicht angefasst hat, automatisch das Prädikat Value verdienen würde.


Dr. Jens Ehrhardt

Wann platzt die Blase?

Die entscheidende Frage ist natürlich, wann die Blase platzt: Denn spätestens dann sollte das vagabundierende Anlegergeld bzw. das, was nach dem Platzen der Blase davon noch übrig ist, in einer Mischung aus Rückbesinnung und Katerstimmung auch die preiswerten Value-Titel wiederentdecken. Dr. Ehrhardt sieht vor allem zwei mögliche Entwicklungen, die die Märkte in Schwierig­keiten bringen könnten – einen Zinsanstieg oder eine Liquiditäts­verknappung. Zwar werden die Notenbanken auf absehbare Zeit nicht bremsen, aber immerhin werde das lange Zinsende weiter vom Markt bestimmt, und dort könnte es – besonders in den USA – durchaus nach oben gehen. In der EU ist aber auch das lange Ende praktisch gedeckelt. Gegen eine solche Entwicklung spreche jedoch weiter die stark steigende Geldmenge. Solange die USA jeden Monat 120 Mrd. USD in den Markt pumpen, platze die Blase noch nicht. Für den DAX sieht Dr. Ehrhardt weiter ein Kursziel von 16.000 Punkten. Die konkrete Gefahr von Kursrückschlägen bewertet er für das laufende Jahr als insgesamt noch überschaubar.

„Mr. Bridgewater“ sorgt sich

Auch andere prominente Stimmen haben sich zum Marktgeschehen zu Wort gemeldet – etwa Ray Dalio, Gründer des ­legendären und weltweit größten Hedgefonds Bridgewater Associates, der in der GameStop-Episode einen wichtigen Hinweis auf tiefer ­liegende Probleme sieht. Dabei geht es ihm weniger um die Kurs­entwicklung selbst als um ein grundlegendes gesellschaft­liches Problem. Die Kluft zwischen Reich und Arm sei so groß geworden wie zuletzt im 19. Jahrhundert; beide Seiten wollten sich zunehmend gegenseitig an die Gurgel gehen. Sollte es zu ­einem Börsencrash kommen, kann sich Dalio sogar Unruhen vorstellen. Möglicherweise werde die aktuelle Lockdown-Phase daher mit einem schlagartigen „Great Reset“ beendet. Andererseits kann Dalio dieser Zeit auch Positives abgewinnen: In der ­Digitalisierung sieht er beispielsweise eine „wunderbare“ Revolution und den Bitcoin hält er für eine Wahnsinnserfindung. Nun denn.

Buffett-Indikator völlig entrückt

Einer, der dem Bitcoin dagegen nach wie vor nichts abgewinnen kann, ist Warren Buffett. Allerdings würde man ihm Unrecht tun, unterstellte man ihm eine generelle Technologiefeindlichkeit – immerhin ist Apple selbst nach den jüngsten Verkäufen die bedeutsamste Position seines Portfolios. Es ist wohl eher so, dass er den Sinn hinter den Kryptogeldern nicht recht zu erkennen vermag, und tatsächlich ist es auch schwer, stichhaltige Argumente für deren Kursexplosion zu finden. Vor allem ist der Bitcoin Spekulationsobjekt und in dieser Rolle konnte er über die Jahre auch brillieren. Sorgenfalten dürfte der sogenannte Buffett-­Indikator (vgl. Abb. 2) derzeit bereiten. Dieser gibt das ­Verhältnis zwischen der weltweiten Aktienmarktkapitalisierung und dem globalen Bruttoinlands­produkt (BIP) an und ist zuletzt auf ­einen neuen Rekord­wert gestiegen, der noch über den Spitzenwerten des Jahres 2007 liegt. Dabei ist zu berücksichtigen, dass der ­coronabedingte BIP-Einbruch zwischenzeitlich den Nenner ­stärker als üblich nach unten beeinflusst hat. Dennoch erscheint der Markt auf diesem Niveau so rückschlaggefährdet wie vor dem Ausbruch der Finanzkrise 2007/08.

„Allianz-versichert“

In dieselbe Kerbe schlug gerade auch Oliver Bäte, Chef der Allianz-­Versicherung, der vor einer gefährlichen Spekulationsblase ­warnte. Die Situation an den Aktienmärkten ähnele der Situation vor den Crashs von 2000 und 2008/09. Als „ziemlich verrückt“ stufte Bäte die Preisexplosion beim Bitcoin ein, wobei er sich einen Seiten­hieb auf Elon Musk nicht verkneifen konnte, ohne allerdings dessen Namen konkret zu nennen. Die Allianz habe jedenfalls ihr Aktienengagement zurückgefahren, damit das Unternehmen nicht durch einen Anstieg der Volatilität beeinträchtigt werde. Einen Crash voraussagen könne Bäte allerdings nicht.

Demografie ist (Börsen-)Schicksal

Da wird Harry S. Dent, der sich insbesondere mit seinen demografischen Prognosen bzw. Korrelationen zum Aktienmarkt ­einen Namen gemacht hat, deutlich konkreter: Im Interview mit Stansberry Research erwartet er bis April einen allgemeinen Kurs­einbruch von mehr als 40%, der im Techbereich auch Richtung 55% gehen kann. Dent wies jüngst darauf hin, dass sich der demo­grafische Zyklus bereits seit dem Jahr 2007 abschwäche, was ­jedoch durch gigantische Stimuli überkompensiert wurde. Im Ergebnis schufen die Notenbanken die massivste ­Finanzblase ­aller Zeiten. Diesmal aber würden sie beim Versuch, den kommen­­den Crash aufzuhalten, endgültig die Kontrolle verlieren, so Dents Vorhersage. Am Ende – um den Jahreswechsel 2022/23 – ­könnte dann ein Minus von 80% bis 90% in den Büchern stehen, ­womit die „verrückteste Blase der Geschichte“ ausgemerzt sein wird. Für die Realwirtschaft sollte man sich besser keine gewöhnliche Rezes­sion erhoffen – Dent erwar­tet eine ausgewachsene Depression.


Foto: © https://www.youtube.com

Aufgehende Sonne?

Nach dieser Vielzahl an negativen Aus­blicken soll nun noch ein Aktienmarkt präsentiert werden, aus dem sich vielleicht doch noch etwas Honig saugen lässt. Der Leiter der Kapitalmarkt­analyse der ­Baader Bank, Robert Halver, machte in seiner ­Kolumne jüngst auf den japanischen Leitindex aufmerksam, den Nikkei 225. Was man in der Abb. 3 erst auf den zweiten Blick sieht, ist das neue 30-Jahres-Hoch, das der Nikkei (rote Linie) zuletzt erzielen konnte. Zwar ist das Allzeithoch von 1989 noch in einiger ­Ferne – aber die Bank of Japan tut alles, um die Japan AG auf Kurs zu halten. Zwar hat das Land aufgrund von Überalterung, exorbitan­ter Staatsverschuldung und Exportabhängigkeit reichlich ­Probleme. Allerdings sieht Halver auch einen besonderen „Joker“ für japani­sche Aktien – die japanische Notenbank ist dort nämlich im ­Rahmen ihrer Geldpolitik auf der Käuferseite. Natürlich kann nicht erwar­tet werden, dass der japa­nische Aktienmarkt nun einfach so zu den Weltaktienmärkten (blaue Linie) aufschließen wird – aber die Gegenüberstellung und die zuletzt erreichten Mehrjahrzehnthochs zeigen doch, dass eine gute ­Chance besteht, dass die Wiederentdeckung ­dieses Markts noch eine Weile anhalten könnte.

Ritt auf der Rasierklinge

Insgesamt ist die Lage ernst und die teils exorbitanten Kurssteige­rungen bei Ein­zeltiteln sollten nicht als Zeichen einer gesun­den Stärke missinterpretiert werden. Vielmehr sehen wir hier eine Bereit­­schaft zur Spekulation, die nach normalen Maßstäben ­einen kleinen bis ­mittleren ­Dämpfer gut vertragen und letztlich wohl auch wegstecken dürfte. Die nächsten ein bis drei Monate ­könnten tatsächlich zu ­einem solchen reinigenden Gewitter führen. Das wesentliche Gegenargument ist die ­aktuelle Häufung von Crashwar­nungen aus promi­­nentem Mund. Echte Crashs kommen aus heiterem Himmel – wie ziemlich genau vor einem Jahr der ­Corona-Crash. Länger­fristig gehen wir aber ohnehin davon aus, dass uns das ­Thema Crack-up-Boom (CuB) auch nach einer ­solchen Korrektur noch eine Weile ­begleiten wird, die Märkte ­also dank „freundlicher“ Unterstützung der No­tenbanken rasch wieder Tritt fassen ­werden. Die expansive Geldpolitik gleicht einem Ritt auf der Rasier­klinge und wird letztlich unver­meidbar in eine Währungsreform ­münden, allerdings nicht zwingend in diesem Jahr.

Der Boom, bei dem es knirscht und kracht

Was man in diesem Zusammenhang im Hinterkopf behalten sollte: Der Crack-up-Boom (CuB) heißt auf Deutsch nicht umsonst Katastrophenhausse; er ist mit einer normalen, funda­mental unterfütterten Auf­wärtsbewegung nicht zu vergleichen...

Weiterlesen auf: smartinvestor.de 

BTC zu USD jetzt über den Testsieger (Finanztest 11/2020) handeln, ab 0 € auf Smartbroker.de

Diesen Artikel teilen
Seite 1 von 2


0 Kommentare

Schreibe Deinen Kommentar

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren. Anmelden | Registrieren

 

Disclaimer

SmartInvestor Eisberg voraus! Droht der Börsenparty ein jähes Ende? Titelstory SmartInvestor März 2021

Community