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Folge des Wirecard Skandals Bafin prüft: Ist EY als Prüfer für Finanzkonzerne noch geeignet?

Gastautor: Roland Klaus
03.03.2021, 09:40  |  2997   |   |   

Die Aufsichtsbehörde Bafin prüft, ob EY künftig noch als Wirtschaftsprüfer für Finanzkonzerne arbeiten darf. Eine Absage könnte dramatische Konsequenzen haben – auch für Aktionäre von Wirecard.

Die Rolle als langjähriger Wirtschaftsprüfer des Skandalunternehmens Wirecard könnte für EY (früher Ernst&Young) weit größere Konsequenzen haben als bisher gedacht. Offenbar prüft die Bafin derzeit, ob EY weiterhin als Wirtschaftsprüfer von Finanzunternehmen geeignet ist. Das geht aus einer Antwort des Wirtschaftsministeriums auf eine Anfrage des FDP-Bundestagsabgeordneten Florian Toncar hervor, von der das Handelsblatt berichtet.

Ein negatives Urteil durch die Bafin würde eine weitere massive Rufschädigung von EY bedeuten und könnte zum Verlust von Prüfungsmandaten führen. Gleichzeitig wäre es ein wichtiger Wegweiser für die Schadensersatzforderungen von geschädigten Wirecard Anlegern. Entscheidet die Bafin nämlich, dass EY nicht mehr für die Prüfung von Finanzdienstleistern geeignet ist, so dürfte das im Umkehrschluss bedeuten, dass im Fall Wirecard schwerwiegende Verstöße vorliegen.

Ob diese dann zu Schadensersatzforderungen berechtigen, hat natürlich nicht die Bafin zu entscheiden, sondern ein ordentliches Gericht. Allerdings hat die Sichtweise der Aufsichtsbehörde, die im Fall Wirecard selbst unter Beschuss steht, immer noch ein gehöriges Gewicht.

Insofern dürfte es interessant sein, zu verfolgen, wie sich die Bafin hier positioniert. Das Musterverfahren von geschädigten Wirecard Anlegern gegen EY wird demnächst beginnen. Aktionäre, Anleihegläubiger und Derivate Anleger, die mit Wirecard Papieren Geld verloren haben, können sich hier noch anschließen. Die Interessengemeinschaft Widerruf bietet dabei die Möglichkeit, sich mithilfe einer Prozessfinanzierung an der Klage zu beteiligen, ohne dass ein Kostenrisiko entsteht. Lediglich im Erfolgsfall wird dabei ein Honorar in Höhe von 20 Prozent des erstrittenen Schadensersatzes fällig.

Die Tatsache, dass eine solche Prozessfinanzierung angeboten wird, zeigt, dass Investoren die Chancen als sehr hoch einschätzen, dass EY letztlich Schadensersatz an Wirecard Anleger zahlen muss. Sollte EY von der Bafin künftig als nicht geeignet zur Prüfung von Finanzdienstleistern eingestuft werden, so würde das die Chancen weiter erhöhen. Geschädigte Anleger sollten daher mithilfe der IG Widerruf prüfen lassen, welche Möglichkeiten zur Entschädigung bzw. Kompensation sie haben. Dies betrifft neben der Schadensersatzklage gegen EY auch die Geltendmachung von Ansprüchen im Insolvenzverfahren der Wirecard AG sowie eine Staatshaftungsklage in Zusammenhang mit dem möglichen Fehlverhalten der Bafin.


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7 Kommentare

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Kommentare

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04.03.21 08:58:22
"Und wenn EY daran zugrunde geht, gibt es schlimmeres." - das dürfte ein WDI-Geschädigter anders sehen.

Übrigens bezweifle ich das in dieser Absolutheit, wir reden schliesslich nur über die EY GmbH Deutschland. EY an sich kann und dürfte das überleben, wenn auch vielleicht unter anderem Namen.

Was mich ärgert, ist, dass sich die BaFin hier u.U. selbst durch EY angreifbar und ggf. schadenersatzpflichtig macht. Am Ende zahlt dann womöglich doch wieder der Steuerzahler, also selbst die, die wirklich nichts damit zu tun hatten. Das gilt es nun wirklich zu verhindern.
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04.03.21 07:13:14
Interessant finde ich, dass BaFin-Mitarbeiter genau wussten, wie es um Wirecard stand und short auf diesen Wert gegangen sind.
Doch hatte die BaFin-Leitung lange Zeit nichts unternommen(wie so meist) weil sie selbst pro Wirecard eingestellt waren und die Politik.
Doch dieser Staatsapparat bleibt bestehen, die Beamten behalten ihre Jobs, warten dort bis die Zeit vergeht mit Steuergeldern.
Anders bei Ernst and Young, die kann man besser haftbar machen, hatten sie doch offenbar die faehigeren Mitarbeiter ... in Relation.
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03.03.21 22:36:29
Die BaFin will nicht ablenken.

Der Hass auf Politiker nimmt in Foren merkwürdige Ausmaße an. Scholz hat mit der ganzen Sache relativ wenig zu tun.

EY ist eindeutig der Hauptschuldige, nach Wirecard selbst natürlich. Und wenn EY daran zugrunde geht, gibt es schlimmeres.
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03.03.21 22:09:13
Nun, die Beträge, die EY bräuchte um die Ansprüche aller Geschädigten abzudecken, übersteigen allfällige Einnahmen so horrend, dass es darauf nicht mehr ankommt. Wenn eine Lösung gefunden würde, dass nur die privaten Geschädigten kompensiert werden, dann würde es tatsächlich einen Unterschied machen.
Die BaFin führt dieses Manöver ja - wie oben gesagt - nur, um von sich resp. Olaf Scholz abzulenken. Von daher wird dieses Manöver wie das Hornberger Schießen ausgehen.

Gruß CC
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03.03.21 16:32:19
Wenn die BaFin der EY die Eignung als Prüfer abspricht, dann schaden sie den Anlegern gleich noch einmal: Ist EY Germany erstmal insolvent, weil sie wegen des BaFin-bashings keine Mandate mehr bekommen, gibt‘s auch keinen Schadenersatz mehr, selbst im Falle eines eventuellen Schuldspruchs.

„adding insult to injury“ nennt man das im Englischen.

Ich frage mich andererseits, ob da gerade eine Rechtstitel für EY gegenüber der BaFin entsteht, analog zum Theme Kirch/Deutsche Bank damals. Die üble Nachrede könnte die BaFin dann doch noch schadenersatzpflichtig machen.

Am besten für die BaFin wäre wohl, einfach Funkstille zu wahren und die eigenen Fehler zu korrigieren, statt mit dem Finger auf andere zu zeigen und weitere Fehler hinzuzufügen.

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