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Party-Oase Madrid zieht coronamüde Touristen zu Tausenden an

Nachrichtenagentur: dpa-AFX
03.03.2021, 11:55  |  136   |   |   

MADRID (dpa-AFX) - Für den Weg ins Paradies benötigte Julie nur eine Stunde und 15 Minuten. So lange dauerte nämlich der Flug von ihrer Heimatstadt Toulouse in Frankreich nach Madrid. "Hier können wir endlich wieder wirklich leben und Fröhlichkeit tanken, das ist paradiesisch", sagt die 23-Jährige in einer Bar des Madrider Stadtteils Chamberí mit einem breiten Lächeln und leuchtenden Augen, bevor sie noch einen Schluck Bier nimmt. Ihre Freundin Anne nickt zustimmend.

Man sieht und hört sie dieser Tage nicht nur in Chamberí, sondern fast überall in der spanischen Hauptstadt: coronamüde Europäer, darunter vor allem Franzosen wie die Studentinnen Julie und Anne, die zu Tausenden nach Madrid strömen, um der Tristesse und den Einschränkungen in der Heimat zu entkommen. Denn während in Paris, Toulouse und fast ganz Europa Corona-Lockdown herrscht, dürfen hier nicht nur Restaurants und Kneipen Gäste empfangen. Auch Kinos, Museen und andere Freizeiteinrichtungen dürfen öffnen.

Madrid ist eine "Party-Oase" geworden, "eine Insel im Meer der Restriktionen in den europäischen Metropolen", wie die Zeitung "El País" schrieb. Und dem Lockruf erliegen vor allem Franzosen. Das stellen Medien und auch Gastwirte fest, die sich die Hände reiben. Im Zentrum Madrids, wo man besonders auf Touristen angewiesen ist, sind die Besucher aus dem Nachbarland Retter in der Not. "Die Franzosen sorgen derzeit für die Hälfte unserer Einnahmen", sagt Kellner José der Deutschen Presse-Agentur auf der Plaza Mayor.

Schon im Januar haben die Franzosen die langjährigen Spitzenreiter der spanischen Besucherliste überholt. Mehr als 117 000 waren es laut Statistikbehörde INE - und nur gut 51 000 Deutsche sowie 23 000 Briten. Oft sind es Landsleute, die Reisen schon für 150 Euro organisieren. Flug, Unterkunft mit Vollpension - und oft auch eine (illegale) Party inklusive. Madrids Polizei teilte mit, man habe am Wochenende 442 illegale Feiern aufgelöst - eine Rekordzahl.

Die Franzosen in Madrid dürsten halt nicht nur nach Wein und Bier unter freiem Himmel, sondern auch nach Kontakten. Nicht nur Anne und Julie sprechen gern mit dem dpa-Reporter, mit den Spaniern am Nebentisch, mit der Kellnerin und Straßenmusikern. Adrien, der mit dem Wagen und drei Kumpels gekommen ist, schimpft auf die Zustände daheim: "Klar, man muss auf dieses verdammte Virus aufpassen. Aber ohne soziale Kontakte kann man doch nicht leben."


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