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Befragung von 200 Unternehmen zur Gewährleistung Ärgernis Beweislastumkehr / Bei vielen Händlern endet der zweijährige Käuferschutz faktisch nach sechs Monaten

Nachrichtenagentur: news aktuell
10.03.2021, 12:30  |  439   |   |   

Düsseldorf (ots) - Grundsätzlich sind Käufer laut Gesetz beim Erwerb
fehlerhafter Neuwaren zwei Jahre lang geschützt. Doch Obacht. Der Schutz kann
faktisch schon nach sechs Monaten enden, wenn Händler die juristisch erlaubte
Karte "Beweislastumkehr" ausspielen. Dann stehen Kunden in der Nachweispflicht,
dass der Fehler bereits beim Kauf vorhanden war - was kaum zu schaffen ist. Die
Verbraucherzentrale NRW befragte 200 Unternehmen, ob sie mit diesem "Schwarzen
Peter" arbeiten und ob sie Kunden vorab darüber informieren. Die Antworten
belegen Wirrwarr und Willkür.

Schon acht Monate nach Kauf zeigte das 55-Zoll-TV nur noch ein verschwommenes
Bild. Ein Ärgernis, das im Kaufrecht unter die Rubrik "Gewährleistung" fällt.

Zuständig ist dafür allein der Verkäufer. Er darf natürlich abwinken, wenn das
Gerät "unsachgemäß behandelt" wurde oder wenn der Schaden Verschleißteile
betrifft.

Zwei mögliche Lösungen sind laut Gesetz für das Bild-Problem im ersten Schritt
vorgesehen: Reparatur oder Umtausch gegen ein fehlerfreies Gerät. Nur wenn diese
sogenannte Nacherfüllung erfolglos bleibt, kann die Rückzahlung des Kaufpreises
verlangt werden.

Doch viele Kunden werden bei einem solchen TV-Ausfall mit einer vierten
Möglichkeit konfrontiert: dem Blick in die Röhre. Denn obwohl sich Käufer von
Neuware auf eine zweijährige Gewährleistung berufen dürfen, kann bereits nach
sechs Monaten der Schutz faktisch enden: wenn Händler die Karte
"Beweislastumkehr" zücken.

Für Verbraucher ist das der "Schwarze Peter". Denn während in den ersten sechs
Monaten generell davon ausgegangen wird, dass ein Fehler schon bei Erhalt der
Ware vorhanden war, müssen sie dann ab dem siebten Monat nachweisen, dass der
Fehler von Anfang an da war. Das scheitert in der Regel, weil es dazu im
Streitfall teure Gutachten braucht. Schlimmer noch: Gelingt der Nachweis nicht,
können die Kosten für die Expertise auf die Kundschaft gehen.

Doch es gibt auch eine gute Nachricht. Händler können die Karte spielen, sie
müssen es aber nicht. Und viele tun es auch nicht. In diesem Fall sind Kunden
wirklich zwei Jahre lang vor Mängeln geschützt. Das kann und sollte durchaus
auch ein wichtiges Argument für eine Kaufentscheidung sein.

Die Frage ist nur: Informieren Unternehmen vor dem Kauf über ihren Umgang mit
der Beweislastumkehr? Das wollte die Verbraucherzentrale NRW von rund 200
Unternehmen wissen. Offenbar ein heikles Thema, denn gerade mal jedes dritte
füllte den Fragebogen aus.

22 machten das auf irritierende Art. Einige verloren sich in nichtssagenden
Kulanz-Beteuerungen. Andere verwiesen auf freiwillige Garantieversprechen der
Hersteller, statt auf die eigene gesetzliche Pflicht zur Gewährleistung
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