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Interview mit Roman Teufl Deutsche Lichtmiete: „Wir wachsen über alle Branchen hinweg“

Nachrichtenquelle: 4investors
12.03.2021, 08:48  |  2085   |   |   

In den kommenden zwei Jahren will die Deutsche Lichtmiete 100 Millionen Euro in LED-Industriebeleuchtungsanlagen investieren. Die Auftragsbücher sind gut gefüllt, freut sich Geschäftsführer Roman Teufl.

Im Interview mit unserer Redaktion spricht Teufl über die neue Anleihe der Gesellschaft. Bis zu 50 Millionen Euro will man hereinholen. Die Jahresverzinsung liegt bei 5,25 Prozent. Laufen wird die Anleihe bis Anfang 2027. Teufl erläutert ausführlich, welche Chancen das frische Geld für das Wachstum bietet. Er spricht über die Ziele 2021 und klammert auch das Thema Börsengang nicht aus.

Anfang 2020 haben sie eine Anleihe im Volumen von 50 Millionen Euro fast vollständig platziert. Was haben Sie mit diesem Geld gemacht?

Teufl: Wie auch bei der Anleihe davor wurden die Mittel aus der EnergieEffizienzAnleihe 2025 für die Anschaffung von LED-Leuchten verwendet, um unsere Projekte zu finanzieren. Die EnergieEffizienzAnleihe 2025 war für Projekte im Geschäftsjahr 2020 vorgesehen, mit etwas Reserve für das Geschäftsjahr 2021.

Unsere Projekte dienen ja dazu, in deutschen Industrie- aber auch Gewerbebetrieben die Altbeleuchtung auf energieeffiziente Beleuchtung umzurüsten und so enorme Mengen CO2 und auch Kosten einzusparen. Beispiele, wo die Mittel aus unseren Anleihen eingesetzt werden, gibt es genug, vom Mittelständler bis zum Großkonzern, aber auch bei Kommunen. Etwa die JVA Tegel in Berlin, die wir komplett umrüsten konnten, oder die Stadtverwaltung Bad Homburg und weltweit agierende Industriekunden wie die Vorwerk Teppichwerke, Knorr-Bremse, Benteler oder Clariant.

Jetzt begeben Sie eine neue Anleihe. Welche Pläne haben Sie mit dem frischen Geld?

Teufl: Unser Geschäftsmodell ist auf Wachstum ausgelegt. Für die Finanzierung von Neuprojekten benötigen wir stets neues Kapital. Auch in den nächsten Jahren werden wir den Kapitalmarkt und die Refinanzierung über neue Anleihen weiter nutzen. Trotz der besonderen Umstände war 2020 das erfolgreichste Geschäftsjahr in der Unternehmensgeschichte der Deutschen Lichtmiete. Wir mussten zwar unsere Erwartungen und Planungen laufend anpassen, konnten uns aber in allen Bereichen steigern. Wir wachsen über alle Branchen hinweg und bauen unsere Marktführerschaft im Bereich Light as a Service damit weiter aus.

Ihre Anleihe ist mit LED-Produkten besichert. Welchen Wert haben diese?

Teufl: Da es keinen echten Zweitmarkt für gebrauchte LED-Produkte gibt, besteht der Wert der Leuchten in erster Linie im damit erreichten Zweck. Was machen wir damit? Wir vermieten diese an bonitätsstarke Industrie- aber auch Gewerbebetriebe und Kommunen vor allem in Deutschland. Die langfristige Kundenbeziehung stellt also im Wesentlichen den Wert dar, die LED-Leuchten sind die Basis hierfür. Bei der aktuellen Anleihe „EnergieEffizienzAnleihe 2027“ werden den Anleihegläubigern die LED-Industrieprodukte als Sicherheit übereignet. Zudem findet durch eine Treuhänderin, die THD Treuhanddepot GmbH, eine Mittelverwendungsprüfung statt.

Wie sehr sind Sie von der Pandemie betroffen? Investieren Unternehmen in Zeiten der Pandemie in LED-Beleuchtungstechnik?

Teufl: Corona trifft die Finanzmärkte und die Realwirtschaft – davon ist auch die Deutsche Lichtmiete nicht ausgenommen. Wir unterscheiden hier aber zwischen Bestands- und Neugeschäft. Unser Bestandsgeschäft ist so gut wie gar nicht betroffen, da wir bonitätsstarke Kunden aus sehr unterschiedlichen Branchen haben. Aber die Akquise von Neukunden war auch für uns in 2020 schwierig, da unsere Gesprächspartner kaum Vor-Ort-Termine wahrnehmen wollten.

Mitte 2020 hat sich die Situation dann aber wieder verbessert, heute komplett normalisiert. Laufende Umrüstungsprojekte waren in 2020 wegen der regionalen Einschränkungen teils schwieriger zu realisieren, aber insgesamt hat die Pandemie wenig Einfluss auf unsere Geschäftstätigkeit. Zum Glück war das Thema Kurzarbeit oder staatliche Unterstützung zu beantragen nie ein Thema für uns. Viele Unternehmen hatten in 2020 sicher andere Themen, als sich um eine neue Beleuchtung zu kümmern.

Das haben wir natürlich auch merken können. Schlussendlich gehen wir aber davon aus, dass unser Mietmodell nun eine noch stärkere Nachfrage erfährt als vor der Pandemie. Kunden, die vorher nur gekauft haben, entscheiden sich nun eher, ihre Liquidität zu schonen und ihre neue Beleuchtung zu mieten. Diesen Trend spüren wir insbesondere seit Herbst 2020.

Hat es bei Ihren Mietkunden in der Krise viele Ausfälle gegeben?

Teufl: Nein, Ausfälle gab es gar keine. Es kamen aber vereinzelt Anfragen zu Stundungen, denen wir auch zugestimmt haben. Diese Kunden haben bis Ende 2020 dann vollständig gezahlt und die gestundeten Beträge ausgeglichen. Wir arbeiten schon von Beginn an nur mit Mietkunden, die eine überdurchschnittlich gute Bonität haben. Zudem haben wir keine oder kaum Kunden aus besonders hart getroffenen Branchen wie Hotellerie oder Gastronomie. Was wir schon immer wussten, hat sich durch die Krise nun bestätigt: Unsere Cashflows sind extrem stabil.

Wird ein Umstieg auf energieeffiziente, CO2-sparende LED-Beleuchtung von staatlicher Seite gefördert?

Teufl: Es gab in der Vergangenheit immer wieder Förderungen für einen Umstieg. Es gab unter anderem nicht zurückzuzahlende Zuschüsse und zinsgünstige Darlehen. Einen echten Run auf LED-Beleuchtung hat dies jedoch nicht ausgelöst. Hier fehlt es unserer Meinung nach an schlüssigen Konzepten. Übrigens arbeiten wir seit Gründung der Deutschen Lichtmiete ohne Fördergelder oder Subventionen. Trotzdem sind wir daran interessiert, wie es weitergeht und engagieren uns auch in Berlin.

Hier kommt nun langsam Bewegung in die Sache und es gibt erste Ansätze, dass auch Mietmodelle zum Beispiel von öffentlichen Auftraggebern bei Vergaben zu prüfen und zu berücksichtigen sind. Es ist auch eine Förderung für energetische Sanierung im Contracting-Modell geplant, die wir uns zurzeit ansehen. Förderungsvoraussetzung ist, dass nach der Sanierung weniger Energie als vor der Sanierung verbraucht wird. Der Förderzuschuss soll 20 Prozent betragen.

Profitieren Sie vom Green Deal der EU?

Teufl: Wir sind 2008 mit unserer Geschäftsidee gestartet. Auslöser war der Film „Eine unbequeme Wahrheit“ von Al Gore. So gesehen ist es für uns erfreulich, wenn die Politik den Klimawandel erkennt und Maßnahmen dagegen ergreift. Wir haben aber nicht darauf gewartet, sondern einfach schon mal angefangen, enorme Mengen CO2 einzusparen. Ich denke, die Verantwortung liegt wie so oft bei jedem Einzelnen. Bezüglich weiterer politischer Impulse bleiben wir wie immer vorsichtig optimistisch, während wir damit weitermachen, was wir begonnen haben.

Was können Unternehmen und Kommunen sparen, wenn sie auf Ihre Dienste setzen?

Teufl: Für das Mietmodell kommen gleich mehrere Faktoren zusammen: Das Thema Energieeffizienz wird für Unternehmen, aber auch für Kommunen immer wichtiger, CO2 zu reduzieren ebenso. Und natürlich gilt es, Betriebs- und Wartungskosten zu senken. Das Outsourcen von Beleuchtungsanlagen ist zudem ein großer Trend. Dazu kommt unsere Expertise im Industriebereich und die sehr gute Qualität unserer Produkte.

Die Modernisierung der Beleuchtung erfolgt für die Unternehmen und Kommunen ganz ohne Investition. Nach Abzug der Miete können unsere Kunden oft 20 Prozent bis 30 Prozent der Kosten für ihre Beleuchtung sparen und die oft hohen Kosten für die Instandhaltung der Altanlage. Und ganz nebenbei werden rund 60 Prozent bis 70 Prozent klimaschädliche CO2-Emissionen eingespart.

Wie viele Kunden werden in der Folge zu „Wiederholungstätern“?

Teufl: Wir wollen nicht nur mit Neukunden, sondern insbesondere mit unseren Bestandskunden wachsen und sehen großes Potenzial in diesem Bereich. Einige unserer Kunden haben Standorte europaweit, so dass wir mit unseren Kunden auch regional expandieren. Ebenso haben wir bei vielen unserer Industriekunden noch enormes Potenzial, hier stehen wir mit dem Stand der Umrüstungen erst am Anfang. Der Anteil der von Ihnen genannten „Wiederholungstäter“ steigt von Jahr zu Jahr, so dass wir heute beinahe jeden zweiten Mietvertrag mit einem Bestandskunden abschließen.

Im vergangenen Sommer sind Sie eine Kooperation mit GETEC eingegangen. Ist das ein Vorbild für weitere Partnerschaften?

Teufl: Kooperationen sind ein starkes Zeichen, auch im Beleuchtungsmarkt. Sie zeigen, dass Top-Unternehmen wie GETEC unserem Geschäftsmodell vertrauen und auf die Zukunft setzen. Die Deutsche Lichtmiete und GETEC nutzen in geeigneten Geschäftsfeldern Synergieeffekte, um ihre jeweilige Technologieführerschaft weiter auszubauen und gemeinsame Vertriebs- und Marketingaktivitäten zu starten.

Neben der Kooperation mit GETEC haben wir in den vergangenen Jahren zahlreiche Kooperationen vor allem mit Leuchtenherstellern, Gebäudedienstleistern und Technologiepartnern schließen können. Unsere Partnerschaften mit Zumtobel, Bega und Waldmann haben uns zum Beispiel ermöglicht, in andere Geschäftsbereiche vorzudringen, wie in den Bereich Pflege und Gesundheit, den wir 2021 nun für uns erschließen werden.

Wie sind Ihre Ziele für 2021?

Teufl: Wir sehen uns heute als Marktführer im Bereich Light as a Service (LaaS) in Europa. Ein erstes Ziel ist es daher, die Marktführerschaft zu halten und weiter auszubauen. 2021 wollen wir – wie bereits erwähnt – den Pflege- und Gesundheitsmarkt erschließen. Wussten Sie, dass rund 50 Prozent der verbrauchten elektrischen Energie in einem Pflegeheim auf die Beleuchtung entfällt? Bei über 15.000 Pflegeheimen in Deutschland kommt da einiges zusammen. Und die Themen IoT und Anwendungen für Industrie 4.0 beschäftigen uns derzeit sehr. Hier werden wir sicherlich in den nächsten Jahren zusätzlich für Aufmerksamkeit sorgen.

Welches Investitionsvolumen planen Sie insgesamt für das laufende Jahr?

Teufl: Unsere Auftragsbücher sind gut gefüllt. Wir gehen davon aus, in den nächsten zwei Jahren rund 100 Millionen Euro in LED-Industriebeleuchtungsanlagen investieren zu können.

Welches Potenzial hat der Light as a Service-Markt, in dem Sie aktiv sind?

Teufl: Laut einer aktuellen Studie von Porsche Consulting ist „Light as a Service“ das am stärksten wachsende Segment im Beleuchtungssektor. Der globale Beleuchtungsmarkt wächst bis 2025 jährlich um über 15 Prozent, das spezielle Segment, in dem wir tätig sind, also „Light as a Service“, wächst sogar um über 40 Prozent pro Jahr in Europa. Die DACH-Region ist dabei der größte Markt.

Und welchen Anteil halten Sie an diesem LaaS-Gesamtmarkt?

Teufl: Das ist schwer zu beantworten. Wir sehen kaum echten Wettbewerb. Es gibt eine Reihe sehr kleiner Anbieter, die im Bereich Contracting auch das Thema Licht mit bedienen. Auch einige Energieversorger und ein paar Leuchtenhersteller probieren sich aus. Wenn wir uns auf die Studie von Porsche beziehen, dann kommen wir auf einen Marktanteil von etwas über 20 Prozent des gesamten LaaS-Markts in der DACH-Region.

Die Frage nach einem Börsengang hängt weiter in der Luft. Ist ein solches IPO für sie inzwischen mehr als nur interessant?

Teufl: Ich sage mal so, die Deutsche Lichtmiete ist erwachsen geworden und kein Start-up mehr. Wir sind Marktführer in einem interessanten Wachstumsmarkt. Und unsere zukünftigen Ziele sind nicht kleiner geworden. Da stellt man sich natürlich die Frage nach einem IPO. Für dieses Jahr kann ich einen Börsengang ausschließen, aber für die nahe Zukunft könnte es eine Alternative sein, um das künftige Unternehmenswachstum weiter zu pushen.

Dieses Interview ist eine Kooperation von wallstreet:online mit der Redaktion von www.4investors.de.

 


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Kommentare

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12.03.21 09:41:15
Das Problem ist, dass kein Konzernabschluss öffentlich verfügbar ist.

Ecoreporter schrieb neulich als Fazit: Zweierlei solle vor einer Investition abgewartet werden: Erstens die Veröffentlichung aktueller, aussagekräftiger Unternehmenszahlen. Zweitens das Ende der Corona-Pandemie und die danach folgende wirtschaftliche Entwicklung der möglichen Kundengruppen der Deutsche Lichtmiete.

Disclaimer

Interview mit Roman Teufl Deutsche Lichtmiete: „Wir wachsen über alle Branchen hinweg“ In den kommenden zwei Jahren will die Deutsche Lichtmiete 100 Millionen Euro in LED-Industriebeleuchtungsanlagen investieren. Die Auftragsbücher sind gut gefüllt, freut sich Geschäftsführer Roman Teufl.

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