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Überhitzung und Regulierung Techs unter Druck: Herr Rappold, inwieweit bringen Tech-Blase und Bürokratiewahn unsere Börsenparty in Gefahr?

23.03.2021, 17:18  |  9286   |   |   

Der Papst der Plattformwirtschaft erklärt, bei welchen hochbewerteten Tech-Unternehmen zurzeit Crash-Gefahren drohen. Beim Thema Regulierungswut und drohende Planwirtschaft setzt Thomas Rappold auf intelligente Lösungen.

wallstreet:online: Herr Rappold, lassen Sie uns kurz zwei Themen besprechen, die die Freunde von Big Techs und der Plattformwirtschaft-Unternehmen derzeit umtreiben: die Tech-Blase und die drohenden Regulierungsfesseln vor allem in China, aber auch in den USA und der EU.

Fangen wir mit den Sorgen um ein mögliches Platzen der angeblichen Tech-Blase an. Wie sehr müssen wir uns sorgen und vielleicht schon Teile umschichten auf einen Strauß an Old Economy-Werten? Jetzt lieber auf „Nummer sicherer“ von Tesla zu VW?

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Thomas Rappold: Sicherlich haben viele Neueinsteiger stark auf die Fantasie bei Tech-Werten gesetzt. Dazu gehört sicherlich Tesla auch dazu. Besorgniserregend ist, dass insbesondere Tech-Werte die hohe Verluste produzieren, bei Anlegern stark en vogue sind und im Kurs entsprechend gestiegen sind. Gerade beim Thema erneuerbare Energien und Elektroautowerte sehe ich zahlreiche Blasen. Hier wurde alles nach oben gespült was nur irgendwie mit erneuerbarer Energie zu tun hat. Das wird von der Hoffnung aus dem EU-Wiederaufbaupaket und dem Zwei-Billionen Dollar schweren Infrastrukturpaket der neuen US-Administration getrieben. Bis das kommt und ob bzw. wie das kommt, steht noch in den Sternen. Insofern ist hier die Fantasie der Realität weit vorausgeeilt.

Anleger sollten gerade in der jetzigen Phase bei (Tech-)Unternehmen aber auch generell immer im Blick haben, ob die Unternehmen ein starkes Geschäftsmodell haben, nachhaltige Cash-Flows erzeugen und ggf. auch eine Dividende zahlen. Zurecht hat Goldman Sachs am Montag darauf hingewiesen, dass Unternehmen wie Apple, Alphabet und Microsoft nicht ohne Grund stark im Kurs gestiegen sind. Deren Börsenkurse sind durch starke Geschäftszahlen untermauert.

wallstreet:online: Neben der Angstmacherei vor dem großen Crash geht das Gespenst der Regulierung von Plattformunternehmen um. In den USA, in der EU und vor allem in China – Stichwort Alibaba. Wie groß ist die Gefahr, dass die chinesische Regierung weiter ernst macht und so etwas in den Augen von z.B. Alibaba- und Tencent-Aktionären Beunruhigendes in Angriff nehmen könnte, wie Staatspräsident Xi Jinping laut dem staatlichen Radio China International am letzten Montag auf einer Sitzung des zentralen Komitees für Finanzen und Wirtschaft gesagt haben soll: „Es müssten (…) die Mängel wettgemacht, die Schwächen gestärkt, ein innovatives Umfeld geschaffen sowie hervorstechende Widersprüche und Probleme gelöst werden, um die Plattformwirtschaft standardisiert, gesund und nachhaltig weiterzuentwickeln“, so Xi Jinping laut Radio China. Wie schätzen Sie die Entwicklung in China ein?

Thomas Rappold: Von Xi Jingping wird in einem aktuellen Aufsatz in der South China Morning Post berichtet, dass er vor Jahren das Internet als Gefahr angesehen hat, inzwischen aber als strategischen Schlüssel für die chinesische Auslandsexpansion. Erinnert sei an das Projekt "Neue Seidenstraße", die auch dazu dient, chinesische Digitalstandards in Wachstumsregionen wie Afrika und Asien zu bringen.

Entsprechend sehe ich das als "Geben" und "Nehmen". Man wird sich hier gegenseitig arrangieren. China sieht gemäß dem aktuellen Fünfjahresplan seine Chance in der massiven Förderung der Technologieindustrie, bevorzugt in den Segmenten Blockchain, künstliche Intelligenz und 5G. Hier entwickelt der Staat sehr zielgerichtet mit viel Geld zentrale Leitplanken für die Tech-Vorherrschaft. Hierzu braucht China aber auch die Kreativität und das unternehmerische Engagement der Privatwirtschaft. Reine Planwirtschaft funktioniert nicht, siehe DDR und UdSSR.

Der Westen muss sich da zukünftig noch wärmer anziehen als jetzt schon. Die zusätzliche Regulierung könnte aber auch zu sinnvollen Standards führen. Man kann das mit der Umweltindustrie vergleichen. Standards und Regulierung können so zu qualitativ hochwertigen Lösungen und damit nachhaltigem Wachstum führen. Davon sollten dann auch die großen chinesischen Digitalchampions profitieren können, sofern sie diese Leitplanken bestmöglich für ihr Geschäft nutzen.

wallstreet:online: In der Branche wird im Zusammenhang mit Plattformunternehmen regelmäßig u.a. über Carvana, Fiverr, Peloton Interactive, Twilio oder auch Weibo gesprochen. Warum haben die es nicht in den Korb Ihres Smart Platform Economy-Zertifikat geschafft? Und warum eigentlich Netflix nicht?

Thomas Rappold: Wir haben sehr strenge Auswahlkriterien. Leider wird heute alles zu Plattformunternehmen gemacht. Das erinnert mich an die Zeiten der Internet-Blase, als jeder ein "Dot.com"-Unternehmen sein wollte. Zunächst einmal müssen Unternehmen bei uns die technischen Kriterien erfüllen, um ein Plattformunternehmen erster Güte, ein Weltmarktführer, zu sein. Zweiter ganz wichtiger Punkt sind die Finanzkennzahlen. Die besten Plattformunternehmen haben auch die besten Finanzkennzahlen. Und hier sind wir sehr wählerisch und gemäß unserem Finanzscoring schaffen es nur die Besten in die Selektion. Auch Warren Buffett ist damit immer sehr gut gefahren, indem er sagte, warum in das zweitbeste Unternehmen zu investieren, wenn ich auch in das Beste investieren kann. Um bei Netflix zu bleiben: Das Unternehmen hat sich hochverschuldet und ist trotz Innovationsführerschaft nicht sonderlich profitabel.

wallstreet:online: Blicken wir in die Zukunft auf die Plattformunternehmen, die in diesem Jahr und in mittelbarer Zukunft Aktionäre glücklich machen könnten. Welche im Korb Ihres Smart Platform Economy-Zertifikat (ISIN: DE000VQ11SP4) werden sich in diesem Jahr Ihrer Meinung nach voraussichtlich kursseitig als Zugpferde etablieren?

Thomas Rappold: Als Index-Advisor will ich hier keine einzelnen Titel herausstellen. Ich finde Unternehmen mit reinem Softwarebezug aber auch selektive Unternehmen aus dem Payment-Bereich für sehr spannend. Beide Bereiche sind im Index vertreten und Anleger können sich durch die Transparenz der frei zugänglichen Zusammensetzung daraus ein Bild machen.

wallstreet:online: Herr Rappold, vielen Dank für das Interview!

Die Fragen stellte Christoph Morisse, wallstreet:online Zentralredaktion

Zur Person des Interviewten:
Thomas Rappold - Mastermind hinter dem Solactive Smart Platform Economy Index-Zertifikat (ISIN: DE000VQ11SP4]) - ist Experte für Tech-Investments, FinTech-Unternehmer (divizend.com, silicon-valley.de) und internationaler Bestsellerautor („Silicon Valley Investing“* und „Peter Thiel“*).

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