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Luxus Dividende, Kommentar von Sebastian Schmid zur Daimler

Nachrichtenagentur: news aktuell
31.03.2021, 22:45  |  354   |   |   

Frankfurt (ots) - Der Stuttgarter Autobauer Daimler schüttet für 2020 eine um 50
% angehobene Dividende aus. Die von einigen Anteilseignern angestrebte Debatte,
ob dies angesichts einer Kostenersparnis von 700 Mill. Euro dank
Kurzarbeitergeld im Jahr 2020 angemessen sei, hat nur außerhalb des Unternehmens
stattgefunden. Für den Gewinnverwendungsvorschlag votierten 99,7 % des
anwesenden Kapitals. Kaum ein Aktionär stört sich also daran, dass der Konzern
auf der einen Seite eine für den Notfall bestimmte Versicherungsleistung des
Staates in Anspruch genommen hat und auf der anderen Seite den dadurch höher
ausgefallenen Gewinn als Basis für die Ausschüttung nimmt.

Der scheidende Aufsichtsratsvorsitzende Manfred Bischoff und CFO Harald Wilhelm,
die dies in der üblich sterilen virtuellen Hauptversammlung ebenfalls nicht
nachvollziehen konnten, wissen sich in bester Gesellschaft. Rechtlich gesehen
war die Ausschüttung von 40 % des Gewinns ohnehin unstrittig. Allenfalls die
Image-Wirkung einer Dividendensteigerung in Zeiten, in denen andere Unternehmen
ums Überleben bangen, hätte Daimler dazu bewegen können, von der üblichen
Ausschüttungsquote abzuweichen. Die gesellschaftliche Debatte zu Ausschüttungen
bei gleichzeitiger Nutzung von Kurzarbeitergeld hat schließlich schon im
vergangenen Jahr begonnen und könnte neu aufflammen.

So verständlich die Kritik an der Dividende aus gesellschaftlicher Sicht sein
mag, so problematisch wäre es für den Dax-Konzern gewesen, darauf einzugehen.
Daimler war vor einem Jahr an der Börse nicht einmal halb so schwer wie aktuell
und galt als Übernahmekandidat. Ohne starken Ankeraktionär, wie ihn die
Wettbewerber Volkswagen und BMW aufweisen, ist eine hohe Bewertung noch immer
der größte Schutz der eigenen Unabhängigkeit.

Kontinuität in der Ausschüttungspolitik ist daher nur ein Argument, das helfen
soll, in der Gunst der Anleger zu punkten. Die Verbesserungen bei Marge und
Cash-flow, die Elektrifizierungsstrategie, die Fokussierung auf Wachstum der
Submarken und die Aussicht auf die geplante Abspaltung des Truckgeschäfts sind
weitere Aspekte, die auf das Konto der Daimler-Aktie einzahlen sollen. Auf eine
prinzipiell mögliche Dividendenanhebung zu verzichten, ist ein Luxus, den man
sich leisten können muss. Offenbar ist der Daimler-Vorstand, der seinen Kunden
modernen Luxus verspricht, nicht der Ansicht, dafür bereits genug Goodwill bei
den Aktionären angesammelt zu haben.

Pressekontakt:

Börsen-Zeitung
Redaktion

Telefon: 069-2732-0
www.boersen-zeitung.de

Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/30377/4879220
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