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Adidas, Boss & Co. haben keine Ausrede mehr Die Clean Clothes Campaign hat ausgerechnet, was Näherinnen in Osteuropa verdienen müssten

Nachrichtenagentur: news aktuell
08.04.2021, 10:15  |  127   |   |   

Berlin (ots) - Beschäftigte der Modeindustrie brauchen einen Lohn, von dem sie
leben können. Das fordert die internationale Menschenrechtsinitiative Clean
Clothes Campaign (CCC) seit langem. Doch alle großen Modehäuser zahlen bislang
nur einen Bruchteil eines solchen living wage . Lange versteckten sich Adidas,
Otto, H&M, Hugo Boss, Olymp, Zalando & Co hinter dem Argument, nicht zu wissen,
wie hoch ein existenzsichernder Lohn überhaupt sein müsste. Diese Ausrede gilt
jetzt nicht mehr: Die Clean Clothes Campaign hat zusammen mit den
Textilarbeiterinnen und -arbeitern vor Ort einen existenzsichernden Lohn für
europäische Billiglohnländer wie Rumänien oder die Ukraine errechnet. Damit hat
auch die EU nun eine Basis, endlich ein Gesetz gegen miserable Mindestlöhne zu
verabschieden.

Jedes vierte Kleidungsstück, das in Deutschland verkauft wird, stammt aus einer
Textilfabrik in Ost- und Süd-Ost-Europa. Doch dort bekommen Näherinnen und Näher
der großen Modemarken nur Hungerlöhne - und mitunter weniger als die
Textilarbeitenden in Fernost. "Es gibt Tage, da haben wir nichts zu essen",
berichtete uns in der Ukraine eine Näherin, die für einen Lieferanten von Esprit
und Gerry Weber arbeitet. Und eine junge Frau aus Kroatien, die für Hugo Boss
fertigt, sagte: "Wenn Du krank bist, kannst Du Dich gleich erschießen - denn
krank zu sein, können wir uns schlichtweg nicht leisten".

Das belegen auch Zahlen der CCC: Selbst wenn sie den vor Ort gültigen
Mindestlohn bekommen, bleiben viele der 2,3 Millionen Arbeiterinnen und Arbeiter
der ost- und südosteuropäischen Modeindustrie arm. Doch vielerorts wird nicht
einmal der gesetzliche Mindestlohn bezahlt. Beispiel Rumänien: In diesem
EU-Mitgliedstaat verdient eine Näherin im Schnitt 208 Euro monatlich - 41 Euro
weniger, als es das Gesetz vorsieht. Um davon leben zu können - also auch Geld
für Miete und Urlaub zu haben - müsste sie jedoch 1.061 Euro verdienen. Nur mit
einem solchen existenzsichernden Lohn können Familien ihre Grundbedürfnisse -
also Ernährung, Kleidung, Wohnung, Mobilität, Hygiene, Kultur und Erholung -
befriedigen oder Rücklagen bilden, mit denen sie etwa Lohnausfälle während der
Pandemie überstehen. Diese Gehaltshöhe hat die Clean Clothes Campaign gemeinsam
mit den Arbeiterinnen und Arbeitern vor Ort ausgerechnet. Herausgekommen ist ein
grenzübergreifender Basis-Existenzlohn, der gleichwohl für jedes Land
verschieden ist. So liegt er beispielsweise für Bulgarien bei 1.026 Euro, in
Nordmazedonien bei 734 Euro oder in der Slowakei bei 1.558 Euro. Zum Vergleich:
Im Schnitt liegt der Mindestlohn in diesen Ländern nur bei einem Viertel dieses
Existenzlohnes.

Damit haben die Mode-Konzerne erstmals eine Orientierung, welche Löhne sie in
den Kalkulationen mit ihren Zulieferfirmen berücksichtigen müssten. "Modehäuser
haben jetzt für Europa einen konkreten Richtwert", sagt Bettina Musiolek von der
Clean Clothes Campaign; sie hat den Basis-Existenzlohn für Europa mitentwickelt.
"Sie können sich nicht mehr darauf berufen, ja den im Land gültigen Mindestlohn
zu bezahlen - der übrigens meist ein Hungerlohn ist." Modekonzerne könnten sich
auch nicht mehr hinter dem Argument verstecken, gar nicht zu wissen, wie hoch
ein existenzsichernder Lohn denn sein müsse.

Der jetzt von der CCC vorgelegte Basisexistenzlohn könnte auch für das
EU-Parlament eine wichtige Leitlinie sein. "Nicht nur die Modeunternehmen
blockieren durch ihre Preispolitik vor Ort die Zahlung höherer Löhne - auch die
EU hat durch Auflagen, verbunden mit Kreditvergaben an Osteuropa, die Setzung
höherer Mindestlöhne behindert", kritisiert Musiolek. Sie fordert von der EU,
bei ihrem laufenden Gesetzgebungsverfahren für wirklich angemessene Mindestlöhne
zu sorgen, die auch kontrolliert und effektiv umgesetzt werden.

https://saubere-kleidung.de/2021/04/existenzlohn-europa/
https://saubere-kleidung.de/2019/05/deutsche-unternehmen-profitieren-von-armutsl
oehnen-rumaenien/
https://saubere-kleidung.de/2019/09/firmencheck-lohn-zum-leben/
https://saubere-kleidung.de/2020/08/underpaid-in-the-pandemic/
https://saubere-kleidung.de/2021/03/kroatischer-staat-subventioniert-olymp/
https://saubere-kleidung.de/2020/10/rumaenien-corona-naeherinnen-erhalten-lohn/

Pressekontakt:

Dr. Bettina Musiolek, 0176 - 577 13 247,
mailto:bettina.musiolek@einewelt-sachsen.de

Weiteres Material: http://presseportal.de/pm/77911/4883646
OTS: Clean Clothes Campaign - Kampagne für Saubere Kleidung


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