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Die Siegermächte siegen erneut

Gastautor: Bernd Niquet
17.04.2021, 08:00  |  962   |   |   

Man ist heutzutage zwangsläufig in irgendeiner Weise mit dem Krieg konfrontiert, oder?

Wir führen derzeit ja auch einen Krieg, erst einmal gegen das Virus und dann auch noch gegen uns selbst.

 

Allerdings sind alle Kriegs-Parallelen sehr weit hergeholt. Es gibt auch nicht mehr viele Menschen, die den Zweiten Weltkrieg noch in einem reflektionsfähigen Alter miterlebt haben.

 

Zum Glück haben wir die Geschichtsschreibung sowie die aufgezeichneten Berichte von Zeitzeugen. Und manchmal ergibt sich dabei so etwas wie etwas wie ein Muster

 

Seit dieser Woche existiert in Großbritannien rechnerisch die sogenannte Herdenimmunität. Sein Bier darf man bereits jetzt vor dem Pub trinken und wohl bald auch drinnen. Die letzten Spieltage der Premier League im Fußball sollen bereits wieder mit Zuschauern stattfinden, und für den Sommer sind jede Menge Konzerte und Popfestivals angekündigt.

 

Erinnert sich noch jemand, wie die Briten in diese Pandemie gestartet sind? Es war ein Desaster. Es war ein Desaster wie damals, als auf die britischen Städte Bomben fielen. Und dennoch haben die Briten den Krieg gewonnen. Sie werden auch diesen Krieg wieder gewinnen.

 

Szenewechsel. Ein Interview mit dem Börsenaltmeister André Kostolany, geboren 1906 (und gestorben 1999). Er erzählt, wie er den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs in New York erlebt hat. Und mit was für vermeintlich läppischen Maßnahmen die USA darauf reagiert haben.

 

Man war nämlich fortan unter anderem aufgerufen, Stoff zu sparen. Aber nicht den Stoff zum Saufen oder zum Fahren, sondern den Stoff für die Kleidung. Hosenumschläge waren damals ab sofort verboten. Heute würde sich die Welt totlachen darüber.

 

Doch es dauerte nicht lange, dann hatten die USA eine schlagkräftige Armee und ausreichend Waffen zur Verfügung. Und sie haben den Krieg gewonnen. Sie werden auch diesen Krieg wieder gewinnen.

 

Kostolany hat ja stets von der Fähigkeit der USA gesprochen, auch in den größten Krisen adäquat zu reagieren und gestärkt daraus hervorzugehen. Ich sehe hier große Ähnlichkeiten zwischen den Briten und den USA.

 

Die anglo-amerikanische Welt scheint mir ähnliche Charaktereigenschaften zu besitzen, die immer wieder unterschätzt werden. Da zieht zuerst ein gewisser Schlendrian ein, doch wenn es dann ums Ganze geht, sind sie voll da.

 

In Großbritannien und den USA hat es und wird es keine Diktatur geben, davon bin ich überzeugt. Selbst einen Trump hat man überstanden und einen Johnson auf Linie gebracht. Da werden keine Grünen und keine anderen Verrückten an die Macht kommen, die die Welt retten wollen.

 

Bei uns bin ich mir da allerdings nicht so sicher.

 

Und bei uns scheint auch vieles genau andersherum zu laufen. Bei uns war alles immer so ordentlich und so perfekt, doch jetzt sieht man, dass vieles davon nur Fassade ist.

 

Doch letztlich ist noch nichts entschieden, und geschichtliche Prozesse dauern auch weit länger als man gemeinhin erwartet. Der Untergang des Römischen Reiches hat Jahrhunderte gedauert.

 

Dennoch habe ich in dieser Woche die Euros von meinem Konto geräumt mir Staatsanleihen in US-Dollar und Pfund-Sterling gekauft. Denn ich liebe die Romantik und schwöre darauf, in Gelddingen emotional zu handeln.

 

 

Bernd Niquet

 

berndniquet@t-online.de

 

 




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Die Siegermächte siegen erneut Bei uns ist alles hingegen Fassade ...