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Forex-Report Fundamentales Bild aufgehellter – EU nähert sich “IT-Airbus“

Gastautor: Folker Hellmeyer
30.04.2021, 10:13  |  354   |   |   

Der Euro eröffnet heute gegenüber dem USD bei 1,2118 (06:18 Uhr), nachdem der Tiefstkurs der letzten 24 Handelsstunden bei 1,2103 im europäischen Geschäft markiert wurde. Der USD stellt sich gegenüber dem JPY auf 108,84.

In der Folge notiert EUR-JPY bei 131,88. EUR-CHF oszilliert bei 1,1015.

Die globalen Finanzmärkte mäandern:

Aktienmärkte zeigten ein uneinheitliches Bild. Während in den USA neue historische Höchstmarken generiert wurden, stand Europas Aktienmarkt unter Abgabedruck. Am Kapitalmarkt kam es zu Versteifungen. Zinsen legten leicht zu. Der USD zeigte in den letzten 24 Handelsstunden wenig Dynamik gegenüber den Hauptwährungen. Das erhöhte Niveau des Euros blieb gewährleistet. Aber edle Metalle standen gegenüber dem USD unter Druck.

Die Verbalakrobatik aus der EZB unterstrich nur das, was ohnehin bekannt ist. EZB-Chefvolkswirt Lane erwartet eine deutlich steigende Wirtschaftsdynamik in den kommenden Monaten und für das restliche Jahr. Hinsichtlich der aktuell verfügbaren Daten kommt man um dieses Urteil nicht herum. Wir begrüßen Herrn Lane in dem Club „Late Arrival“.

Damit kommen wir zu den neuen Erkenntnissen der letzten 24 Stunden. Die Quartalsberichte der Unternehmen setzen nahezu durchgängig unerwartet positive Akzente. Gleiches gilt für die Konjunkturdaten. Gestern sorgte der Economic Sentiment Index der Eurozone mit einem unerwarteten dynamischen Anstieg auf den höchsten Stand seit September 2018 für Furore. Heute früh war es die Veröffentlichung des BIPs Frankreichs, das viel stärker als erwartet ausfiel (siehe Datenpotpourri).

Dass diese unerwartet positiven Daten zu Abverkäufen an europäischen Aktienmärkten führen, zeigt dass es keine Euphorie gibt, ganz im Gegenteil!

EU auf dem Weg zum „IT-Airbus“

Die EU hegt Insidern zufolge Pläne für eine europäische Chip-Allianz mit den europäischen Branchengrößen STMicroelectronics, NXP, Infineon und ASML, um die Abhängigkeit von ausländischen Herstellern zu reduzieren.

EU-Kommissar Breton verfolgt das Ziel, den Anteil der EU am globalen Halbleiter-Markt bis 2030 auf 20% zu verdoppeln. Breton sagte, dass die Industrie in der EU bei digitalen Technologien wie Halbleitern, der Cloud, Quantentechnologie und Batterien schnell und ambitioniert handeln müsse, um nicht hinterherzulaufen.

Dieser Politikansatz ist zu begrüßen und deckt sich mit meinen Forderungen nach dem europäischen IT-Airbus (seit 2015!). Es gibt Wirtschaftssektoren, die existentiell sind. Der IT-Sektor gehört für jede moderne Volkswirtschaft dazu!

Sehr geehrter Herr Breton, ich sehe mich zu einer Klarstellung verpflichtet. Wir laufen in den von Ihnen genannten Bereichen der Halbleiter, der Cloud, der Quantentechnologie und der Batterien seit Jahren hinterher. Die US-Regierung hat bewiesen, dass sie ihre Macht über Schlüsseltechnologien losgelöst vom internationalen Recht missbraucht (z.B. China, auch Biden). Ergo ist Tempo bei hoher qualitativer Quantität zwingend erforderlich.

EU-Binnenmarkt-Kommissar Breton traf sich gestern in Berlin mit Bundeswirtschaftsminister Altmaier. Breton will die neue EU-Industriestrategie, die sich vor allem mit Chips befassen soll, am 5. Mai zusammen mit Digital-Kommissarin Vestager vorstellen. Ich bin gespannt!

Zur Situation:

Die Chip-Industrie war auch aus Kostengründen größtenteils nach Asien abgewandert. Die daraus resultierende Abhängigkeit spüren die Autobauer und andere Industrien hinsichtlich der Halbleiter-Knappheit, die den Aufschwung belastet.

Mit einer europäischen Allianz ließe sich das künftig zu größten Teilen verhindern. Das Vorhaben könnte zum EU-Förderprojekt (IPCEI) erklärt werden, so dass staatliche Zuschüsse und Vergünstigungen erleichtert und eine Zusammenarbeit mehrerer Unternehmen ohne Kartellprüfung ermöglicht würden. Die Pläne seien aber noch in einem frühen Stadium. In der Tat sind diese Pläne zu forcieren!

Die EU erwägt auch außereuropäische IT-Riesen zu inkludieren, die hier Produktionsstätten etablieren könnten. Diesbezüglich trifft sich Breton trifft heute mit Intel-Chef und tauscht sich in einer Videokonferenz mit der Europa-Chefin der taiwanischen TSMC aus. In EU-Kreisen stößt die Idee einer Halbleiter-Fabrik in Händen eines amerikanischen oder asiatischen Konzerns auf Skepsis.

Diese Skepsis teile ich aus zwei Gründen. Dieser Ansatz schafft keine Autarkie. Die USA haben bewiesen, dass sie Schlüsseltechnologien als Druckmittel losgelöst vom internationalen Recht missbrauchen. Es geht genau darum, dieses Risiko zu neutralisieren. Zweitens wirkte ein solches Engagement gegen die wirtschaftlichen Interessen der jetzt ins Auge gefassten europäischen Allianz.

Herr Breton, ich bin dankbar, dass Sie handeln. Es fällt auf, dass die Rolle, die Paris spielt, Europa voranzubringen, weit ausgeprägter als die Berlins ist. „Merci!“

Datenpotpourri der letzten 24 Handelsstunden:

Eurozone: Economic Sentiment und Frankreichs BIP top!

Der Economic Sentiment Index nahm per April von zuvor 100,9 (revidiert von 101,0) auf 110,3 Zähler zu (Prognose 102,2, Höchstwert seit 09/2018).

Die Geldmenge M-3 stieg per März im Jahresvergleich um 10,1% (Prognose 10,2%) nach zuvor 13,3%. Die Kreditvergabe an private Haushalte legte um 3,3% nach zuvor 3,0% zu. Die Kreditvergabe an Unternehmen verzeichnete einen Anstieg um 5,3% nach zuvor 7,1% (Basiseffekte wesentlicher Hintergrund).

Die saisonal bereinigte Arbeitslosenquote Deutschlands verharrte per April bei 6,0%.

Laut vorläufigen Berechnungen legte die deutschen Verbraucherpreise per April im Monatsvergleich um 0,7% (Prognose 0,5%, Vormonat 0,5%) und im Jahresvergleich um 2,0% (Prognose 1,9%, Vormonat 1,7%) zu.

In den Niederlanden stiegen die Einzelhandelsumsätze per März im Jahresvergleich um 8,2% nach zuvor -5,8%.

Frankreichs BIP legte per 1. Quartal laut vorläufiger Berechnung im Quartalsverglich um 0,4% (Prognose 0,1%) nach zuvor -1,4% zu. Im Jahresvergleich kam es zu einem Anstieg um 1,5% nach zuvor -4,8% (revidiert von -4,9%).

China: Dynamikverluste von hohem Niveau (u.a. Lieferengpässe)

Die von NBS (staatlich) ermittelten Einkaufsmanagerindices fielen per April etwas schwächer aus. Der Composite Index sank von 55,3 auf 53,8 Punkte. Der Index für das Verarbeitende Gewerbe fiel von 51,9 auf 51,1 Zähler, während der Dienstleistungsindex von 56,3 auf 54,9 Punkte nachgab.

Der von Caixin (privat) berechnete PMI für das Verarbeitende Gewerbe legte dagegen von 50,6 auf 51,9 Zähler zu (Prognose 50,8).

USA: Starkes Wachstum dank „Helikoptergeld“

Das BIP stieg per 1. Quartal 2021 gemäß vorläufiger Berechnungen in der auf das Jahr hochgerechneten Fassung um 6,4% (Prognose 6,1%) nach zuvor 4,3%.

Die Arbeitslosenerstanträge stellten sich per 24. April auf 553.000 (Prognose 549.000) nach zuvor 566.000 (revidiert von 547.000).

Der Index anhängiger Hausverkäufe nahm per März im Monatsvergleich um 1,9% (Prognose 5,0%) nach zuvor -11,5% (revidiert von -10,6%) zu.

Japan: Starker Datensatz

Die Arbeitslosenrate sank per März von zuvor 2,9% auf 2,6% (Prognose 2,9%).

Der Jibun Bank Manufacturing Index stieg per April von zuvor 53,3 auf 53,6 Punkte.

Die Industrieproduktion (J) legte per März um 2,0% nach zuvor -3,1% zu.

Der Index des Verbrauchervertrauens sank per April von 36,1 auf 34,7 Punkte.

Neubaubeginne stiegen per März im Jahresvergleich um 1,5% (Prognose -7,4%).

Russland: Reserven steigen

Die Devisenreserven stiegen in der Berichtswoche per 23. April von zuvor 583,7 auf 589,5 Mrd. USD.

Zusammenfassend ergibt sich ein Szenario, das den Euro gegenüber dem USD favorisiert. Ein Unterschreiten der Unterstützungszone im Währungspaar EUR/USD bei 1.1690 – 1.1720 neutralisiert den positiven Bias des USD.

Viel Erfolg!

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