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Grün-Rot-Rot und Sozialneid Jetzt auswandern aus Deutschland?

Gastautor: Rainer Zitelmann
02.05.2021, 17:18  |  31540   |   |   

Ein junger Mann (22) aus meinem Bekanntenkreis verdient seit er 15 Jahre alt ist unternehmerisch Geld. Statt zu studieren, hat er eine erfolgreiche Firma gegründet. Jetzt will er auswandern.

„In Deutschland bekommt man mehr Neid als Anerkennung, ich werde auswandern“, sagte er mir zur Begründung. Er ist sehr erfolgreich im Social Media-Bereich und hat viele Länder kennen gelernt. Einige seiner Freunde sind schon nach Dubai ausgewandert und er überlegt jetzt, ob er auch nach Dubai oder lieber nach Singapur gehen soll. Ein anderer befreundeter Unternehmer, er hat acht Firmen gegründet und viele Arbeitsplätze geschaffen: „Wenn Rot-Rot-Grün kommt, wandere ich definitiv aus.“ Als ich das neulich auf Facebook postete, bekam ich in wenigen Stunden über 1000 Likes für diesen Post und über 400 Kommentare.

In meinem Bekanntenkreis ist fast keiner, der sich nicht solche Gedanken macht. Ein weiterer Freund, ein erfolgreicher Anwalt, hat sich vorsichtshalber schon mal ein Haus in Thailand gekauft und überlegt ebenfalls, auszuwandern. Einer hat die Koffer bereits gepackt und ist nach Italien gezogen, das Vermögende mit einer Pauschalsteuer von 100.000 Euro im Jahr lockt.

Ich habe mich schon vor mehreren Jahren darüber informiert und eine Wohnung in Manhattan gekauft. Aber ich habe auch schon mal darüber nachgedacht, nach London, Singapur oder in die Schweiz zu gehen - oder sogar nach Vietnam. Denn obwohl sich Vietnam kommunistisch nennt, ist dort die Staatsquote (29%) niedriger als in den USA (35%) und Deutschland (45%) und für Erfolgreiche hat man dort mehr Bewunderung als Neid. Aber ich liebe mein Land – trotz allem, was es zu kritisieren gibt. Deshalb bin ich noch hier. Wenn jedoch am 26. September meine Landsleute eine Grün-Rot-Rote Regierung wählen würden, dann wäre auch für mich eine rote Linie überschritten.

Es geht nicht nur um Steuern

Dass viele über Auswanderung nachdenken, hat natürlich auch mit den befürchteten Steuererhöhungen für Besserverdiener und Vermögende im Fall eines Grün-Rot-Roten Wahlsieges zu tun. Denn SPD, Grüne und Linke kündigen ja ganz offen an, dass sie die Vermögensteuer wieder einführen und die Einkommensteuer deutlich erhöhen wollen. Dazu soll noch eine einmalige Vermögensabgabe kommen. Aber denen, mit denen ich spreche, geht es nicht nur um Steuern. Die Stimmung ähnelt der bei vielen Unternehmern in Schweden in den 70er Jahren: Der Schriftsteller Hans Magnus Enzensberger schrieb damals über Schweden: „In einer solchen Gesellschaft haben die Reichen, so scheint es, wenig zu lachen. Ja, wenn es nur die Steuern wären! Die wollen sie, als anständige Staatsbürger, wenn auch ungern, so doch pünktlich bezahlen. Was sie viel mehr kränkt, ist der Umstand, dass niemand Verständnis für ihr Los aufbringt.“ Schweden habe sich zu einem Land entwickelt, in dem sich die Reichen „überflüssig, missachtet und ausgeschlossen“ fühlten, so Enzensberger. Damals haben viele Vermögende Schweden verlassen – der Ikea-Gründer Ingvar Kamprad ist nur ein Beispiel. Und so geht es heute vielen Unternehmern und Vermögenden in Deutschland. Es ist nicht nur ein subjektives Empfinden. Mit den Instituten Allensbach und Ipsos MORI habe ich eine internationale Befragung durchgeführt: Zuerst in Deutschland, den USA, Frankreich und Großbritannien. Inzwischen auch in Schweden, Italien und Spanien. Das Ergebnis, das ich im Juni in einer britischen ökonomischen Fachzeitschrift veröffentlichen werde: Nur in Frankreich ist der Sozialneid noch stärker ausgeprägt als in Deutschland.

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1 Kommentare

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Kommentare

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03.05.21 08:19:29
Lieber Herr Zitelmann

Sehr treffend Ihre Analyse! Herzlichen Dank dafür.

Ich bin schon vor vielen Jahren ausgewandert, besitze aber noch den Deutschen Pass - und eine Firma in Deutschland. Ich werde mir nach diesem Text die Staatsbürgerschaft sehr genau überlegen und schauen, was sich tut. Weil ich mittlerweile Doppelbürger bin und mich in meiner neuen Heimat sehr viel wohler fühle als seinerzeit in Deutschland, wäre es ein emotionsarmer Akt, den Pass bei der Botschaft zurückzugeben.

Ob ich meine Firma in Deutschland aufrechterhalten werde, weiss ich im Moment noch nicht. Da kann es sein, dass wir ganz schnell die Jurisdiktion verlassen, wenn es in die von Ihnen beschriebene Richtung gehen sollte.

Herzlichen Dank für Ihre Arbeit. Machen Sie weiter so!

Disclaimer

Grün-Rot-Rot und Sozialneid Jetzt auswandern aus Deutschland? Ein junger Mann (22) aus meinem Bekanntenkreis verdient seit er 15 Jahre alt ist unternehmerisch Geld. Statt zu studieren, hat er eine erfolgreiche Firma gegründet. Jetzt will er auswandern.



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