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Über die hohe Kunst, an der Börse gegen den Strom zu schwimmen

Nachrichtenquelle: The Motley Fool
16.05.2021, 09:00  |  367   |   |   

Erfolgreich gegen den Trend wetten ist vielleicht die höchste Kunst an der Börse. Denn MIT dem Trend gehen, das kann jeder. Es ist viel beliebter, auf einen fahrenden Zug aufzuspringen und dann zu hoffen, dass er noch eine möglichst lange Strecke zu fahren hat. Im Gegensatz dazu erfordert es Mut, auf eine Aktie, eine Branche oder gar eine ganze Anlageklasse zu setzen, die auf den Börsenportalen kaum eine Rolle spielen.

Ähnlich sieht es aus bei Themen, wo Bedenkenträger die Diskussion dominieren. Doch wer wünschte im Rückblick nicht, die Streaming-Revolution, das Hype-Potenzial von Bitcoin oder die Entwicklung der Wasserstoffwirtschaft frühzeitig erkannt zu haben, als viele noch zweifelten? Auch heute kann man versuchen, das nächste große Thema vorherzusehen.

Oder aber man hält abseits der modischen Segmente wie Cloud, Elektromobilität und E-Commerce nach Anlagechancen Ausschau, die den Eindruck einer günstigen Bewertung machen.

Allerdings ist ein optisch günstiges Erscheinungsbild bei Weitem keine Garantie für eine überdurchschnittliche Rendite. Das Risiko ist nämlich, dass das Mauerblümchen noch sehr lange ein Mauerblümchen bleibt. Wer zum Beispiel im September 2011 dachte, dass Stahl-Champion ArcelorMittal eine wunderbare antizyklische Wette sei, der hat bis heute keine Rendite gemacht.

Oder wer ganz visionär schon Ende 2009 den Durchmarsch der Brennstoffzelle vorhergesehen hatte und auf Ballard Power setzte, der musste fast zehn Jahre warten, um auf seine Kosten zu kommen. An einer Aktie festzuhalten, die nicht so richtig in die Wachstumsspur kommen will, fällt schwer. Die meisten dürften zwischenzeitlich entnervt aufgegeben oder spätestens bei der ersten Verdopplung verkauft haben — und verpassten daher trotz ihrer Weitsicht das Beste.

Was es beim Gegen-den-Strom-Schwimmen sonst noch zu beachten gibt

Damit kommen wir zur wichtigen Frage der konkreten Umsetzung. Es ist leicht, etwas Geld in die Hand zu nehmen, um auf eine solche Chance zu setzen. Viel schwieriger ist die Frage, wann man aufgeben oder Gewinne realisieren sollte.

So könnte man auf die Idee kommen, regelmäßig seine am besten gelaufenen Aktien zu verkaufen, um mit den Erlösen auf die nächste antizyklische Chance zu wetten. Das Problem dabei ist, dass deine Investitionsthesen gar nicht die notwendige Zeit bekommen, um sich zu entfalten. Am Schluss bleibst du wahrscheinlich mit einem Depot voller Durchhänger zurück.

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