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Funktioniert der soziale Aufstieg heute nicht mehr?

Einer der am häufigsten vorgetragenen Kritikpunkte am modernen Kapitalismus lautet, dass das Aufstiegsversprechen heute nicht mehr funktioniere. Was ist dran an der Kritik?

Immer wieder hört man, dass die soziale Mobilität nicht mehr richtig funktioniere, also das Aufstiegsversprechen, wonach es die Kinder einmal besser haben als man selbst. In Deutschland beispielsweise hat sich die Meinung verfestigt, dass der soziale Aufstieg früher funktionierte, heute jedoch nicht mehr.

Die Zahlen geben das jedoch nicht wieder. Im „6. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung“ (2021) heißt es: „Im Hinblick auf den beruflichen Status steigen weiter mehr Menschen im Vergleich zu ihrem Vater auf, Abstieg oder auch der Verbleib gleichauf mit der Stellung des Vaters sind jeweils seltener.“

Gleichwohl soll die Situation nicht beschönigt werden. Die Aufstiegschancen könnten besser sein und die Wahrnehmung, dass es hiermit im Argen liege, ist eine Quelle für berechtigte Unzufriedenheit vieler Menschen in westlichen Ländern. Wenn heute sozialer Aufstieg in Ländern wie USA nicht mehr so einfach ist, liegt das nicht am Kapitalismus, sondern am Staat:

1. Das Bildungssystem in vielen westlichen Ländern ist schlecht. Unter den Top-Ten bei den PISA-Studien finden wir asiatische Länder wie China, Singapur, Taiwan und Südkorea, aber Länder wie Deutschland und die USA kommen dort gar nicht mehr vor.

2. Das Staatsversagen bei der Bildung ist aber das nicht die einzige Behinderung für den Aufstieg. So wichtig die Bildung ist, so ist sie doch nur ein möglicher Weg dafür, sozial aufzusteigen und mehr zu verdienen. Ein anderer Weg sind Selbstständigkeit und Unternehmertum. Aber auch hier sieht es schlecht aus für Länder wie Deutschland und die USA, wo eine ausufernde Staatsbürokratie und Steuern Existenzgründern im Wege stehen. Es ist doch absurd, wenn in dem Ranking, wo man am einfachsten eine neue Firma gründen kann, die USA erst auf Platz 15 und Deutschland auf Platz 17 kommen. Die ersten sechs Plätze in diesem Ranking werden von asiatischen Ländern belegt.

3. Der Wohlfahrtsstaat in den westlichen Ländern nimmt den Menschen die Eigenverantwortung ab. Sahen sich früher Amerikaner als Meister des eigenen Lebensschicksals, so entwickelten in den letzten Jahrzehnten viele – wie auch in Europa – eine Anspruchshaltung gegenüber dem Staat, den man jetzt als zuständig dafür betrachtet, dass es einem gut geht. Das führt zu einer Lähmung der Eigeninitiative.

Der Staat ist in vielen Ländern dort viel zu stark, wo er schwach sein sollte – also im Bereich der Wirtschaft. Und der Staat ist dort sehr schwach, wo er stark sein sollte. In der Bildung könnten sich viele Länder ein Beispiel an Südkorea nehmen, wo nicht nur die staatlichen Ausgaben für die Bildung sehr hoch sind, sondern die Menschen auch privat ganz erhebliche Summen in die Bildung investieren. Wenn Antikapitalisten den Kapitalismus statt den Staat dafür verantwortlich machen, dass das Aufstiegsversprechen oft nicht mehr so funktioniert, wie es funktionieren sollte, erinnert an den Dieb, der ruft „Haltet den Dieb“!

Dr. Dr. Rainer Zitelmann ist Autor des Buches: "Kapitalismus ist nicht das Problem, sondern die Lösung"



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Nachrichtenquelle: Rainer Zitelmann
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