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Ist der Kapitalismus verantwortlich für Hunger und Armut?

Bevor der Kapitalismus entstand lebten die meisten Menschen auf der Welt in extremer Armut – 1820 betrug die Quote noch 90 Prozent. Heute ist sie auf zehn Prozent gesunken.

Das Bemerkenswerte: In den letzten Jahrzehnten, seit dem Ende Kommunismus in China und anderen Ländern hat sich der Rückgang der Armut so stark beschleunigt wie in keiner Phase der Menschheitsgeschichte zuvor.

Viele Menschen, die glauben, der Kapitalismus habe zu Hunger und Armut in der Welt geführt, stellen sich die vorkapitalistische Zeit völlig unrealistisch vor. Johan Norberg, der Verfasser des Buches „Fortschritt“ war in seiner Jugend selbst ein Antikapitalist. Er räumt jedoch ein, er habe nie darüber nachgedacht, wie die Leute wohl vor der industriellen Revolution gelebt hätten. Er habe sich diese Epoche der Menschheit im Grunde genommen vorgestellt wie einen Ausflug aufs Land. Sahra Wagenknecht schreibt in ihrem Buch „Die Selbstgerechten“, vor dem Kapitalismus hätten die Menschen zwar in „sicherlich entbehrungsreichen“ Verhältnissen gelebt, aber sie verklärt das „viel ruhigere, naturverbundene, in verlässliche Gemeinschaften integrierte Leben“, das im Vergleich zum Kapitalismus „geradezu eine Idylle“ gewesen sei.

Fernand Braudel, der berühmte französische Historiker hat ein Standardwerk über die Sozialgeschichte des 15. bis 18. Jahrhunderts geschrieben. Die Volksnahrung, so erfährt man da, bestand aus Brei, Suppe oder Brot aus minderen Mehlen, das nur in ein- bis zweimonatigem Abstand gebacken wurde und fast immer schimmelig und so hart war, dass es mancherorts mit der Axt zerteilt werden musste. Die meisten Menschen, auch in den Städten, mussten mit 2000 Kalorien am Tag zurecht kommen, wobei der Anteil der Kohlenhydrate weit über 60 Prozent der Gesamtkalorienmenge ausmachte. Oft war Essen gleichbedeutend mit dem lebenslangen Verzehr von Brot und nochmals Brot oder von Mus und Brei. Die Menschen damals waren mager und kleinwüchsig – die gesamte Geschichte hindurch hat sich der menschliche Körper an unzureichende Kalorienzufuhr angepasst.

Manche Menschen schwärmen von den harmonischen vorkapitalistischen Zuständen, in der alles so schon „entschleunigt“ war, aber diese Langsamkeit war meist ein Ergebnis physischer Schwäche infolge von dauerhafter Mangelernährung. Man schätzt, dass vor 200 Jahren ungefähr 20 Prozent der Einwohner von England und Frankreich gar nicht arbeitsfähig waren. Sie hatten höchstens genug Kraft, um jeden Tag ein paar Stunden langsam zu gehen, wodurch sie Zeit ihres Lebens zum Betteln verurteilt waren. Der „Besitz“ der Menschen beschränkte sich auf einige wenige Dinge, so wie man sie auf zeitgenössischen Bildern sieht: ein paar Hocker, eine Bank und als Tisch ein Fass. All diese Schilderungen beziehen sich wohlgemerkt auf Westeuropa, also jene Länder, in denen es damals den Menschen noch am besten ging.

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Nachrichtenquelle: Rainer Zitelmann
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