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Insolvenzverfahren Wirecard: Rückzahlung der Dividende? Kein Grund zur Panik!

Wirecard-Insolvenzverwalter Jaffé fordert von den Aktionären die Dividende zurück. Betroffen sein könnten jene Aktionäre, die Schadensersatz fordern. Bei näherer Betrachtung ist das jedoch kein Grund zur Panik.

Der neue Sachstandsbericht des Insolvenzverwalters der Wirecard AG, Michael Jaffé, hält eine böse Überraschung für langjährige Aktionäre bereit. Sie sollen die Dividenden zurückbezahlen, die sie für die Geschäftsjahre 2017 und 2018 erhalten haben. Das klingt zunächst wie der blanke Hohn für all jene, die durch den Betrug des Wirecard-Managements ohnehin schon den größten Teil ihres Geldes verloren haben.

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Doch wie dramatisch ist die Lage wirklich? Machen wir den Fakten-Check! Zunächst einmal handelt Jaffé korrekt. Es ist seine Aufgabe als Insolvenzverwalter, möglichst viel Geld für die Insolvenzmasse zu besorgen. Dazu gehört auch, Ausschüttungen zurückzufordern, die auf Basis falscher Informationen vorgenommen worden sind.

Daher hat er beim LG München eine Klage eingereicht, mit der er die Jahresabschlüsse 2017 und 2018 für nicht erklären lassen will. Die Gewinne, die Wirecard in diesen Jahren ausgewiesen hat, basierten bereits wesentlich auf manipulierten Erträgen. Frühere Dividenden sind verjährt, später gab es keine Dividenden mehr.

Nach Ansicht unserer juristischen Experten hat Jaffé gute Chancen, diese Klage zu gewinnen. Dann jedoch steht er vor dem entscheidenden Problem. Er muss die Aktionäre identifizieren, die die Dividenden für diese beiden Geschäftsjahre kassiert haben. Gebündelt liegen die Informationen eigentlich nur bei der Abwicklungsgesellschaft Clearstream vor, einer Tochter der Deutschen Börse.

Doch Clearstream wird Jaffé nach unserer Einschätzung abblitzen lassen, sich auf Geheimhaltung berufen und die Daten der Aktionäre nicht herausrücken. Bleiben Jaffé noch die Daten jener Aktionäre, die sich bereits mit dem Anspruch auf Schadensersatz an ihn gewandt haben. Nicht auszuschließen, dass er versuchen wird, auf diesem Weg Ansprüche geltend zu machen.

Doch lassen wir die Kirche im Dorf. Wer die Wirecard-Aktie tatsächlich schon seit Anfang 2018 (oder noch früher) besaß, hat insgesamt nur 0,38 Euro je Aktie an fraglichen Dividende kassiert – nämlich 18 Cent in 2018 (für das Geschäftsjahr 2017) und 20 Cent in 2019 (für 2018). Wer die Aktie schon so lange im Depot hat, der hat im Gegenzug aber auch einen Schaden, der in Richtung 100 Euro je Aktie oder sogar darüber gehen dürfte. Anfang 2018 notierte die Wirecard-Aktie bei rund 100 Euro und stieg danach im Jahresverlauf bis auf knapp 200 Euro.

Wenn man nun davon ausgeht, dass Aktionäre im Rahmen des Insolvenzverfahrens Anspruch auf eine Quote von geschätzten zehn Prozent ihres Schadens haben könnten, dann wäre das bei einem Verlust von 100 Euro ein Anspruch von 10 Euro. Selbst wenn Jaffé dann die gezahlte Dividende von 0,38 Euro wieder zurückverlangen würde, wäre das kein Grund zur Panik.

So ärgerlich eine mögliche Rückzahlung der erhaltenen Dividenden auch sein sollte – im Vergleich zu den Aussichten auf Schadensersatz sind die Beträge vernachlässigbar. Zumal wir es für Unsinn halten, wenn einige Medien nun schreiben, dass die zurückgeforderten Dividenden vorrangig den Kreditgebern zufließen würden.

Denn wie schon häufiger an dieser Stelle ausgeführt, gehen wir davon aus, dass geschädigte Anleger gleichrangig mit den anderen Gläubigern behandelt werden müssen, da es sich um einen Betrugsfall und nicht um eine „normale“ Insolvenz handelt. Wichtig wird jedoch sein, dass geschädigte Anleger ihre Ansprüche fachgerecht durch einen Anwalt anmelden lassen.

Denn bereits jetzt schreibt Jaffé in seinem Sachstandsbericht, dass bei ihm 40.000 Forderungsanmeldungen eingegangen sind, von denen viele in unstrukturierter und nicht dokumentierter Form vorliegen. Dabei dürfte es sich in den meisten Fällen um Aktionäre handeln, die versuchen, ihre Forderungen auf eigene Faust durchzusetzen. Solche Anmeldungen wird Jaffé garantiert zurückweisen.

Hier könnte sich falscher Geiz von geschädigten Anlegern nun doppelt rächen: Denn wenn es dumm läuft, führt eine laienhafte Anmeldung dazu, dass einerseits die Forderung abgelehnt wird trotzdem die erhaltenen Dividenden zurückgefordert werden.

Geschädigte Wirecard-Anleger können bei der Interessengemeinschaft Widerruf kostenlos und unverbindlich prüfen lassen, welches Vorgehen in Sachen Schadensersatz und Insolvenzanmeldung für Sie am günstigsten ist.



Wertpapier



3 Kommentare
Gastautor: Roland Klaus
25.05.2021, 09:08  |  13226   |   |   

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Kommentare

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25.05.21 11:24:18
Jeder Aktionär kann ganz einfach beweisen, dass er in gutem Glauben war: hätte ich über die Bilanzfälschung bescheid gewusst, hätte ich ja nicht diese Aktien gehalten!
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25.05.21 11:22:24
Zitat: weltirol 21.5.21, reddit:

"Im Grunde war es verbotene Einlagenrückgewähr - grdsl. hat der Aktionär nur Anspruch auf eine Dividende aus dem festgestellten Jahresabschluss.

Bei den meisten Aktionären wird es aber wohl sehr schwer einen Rückzahlungsanspruch tatsächlich geltend zu machen, da der Bezug von "falschen Dividenden" legal ist so lange der Aktionär diese im guten Glauben als "echte Dividende" bezogen hat.

Edit: Außer natürlich man könnte nachweisen, dass der Aktionär über die falschen Bilanzen Bescheid wusste, dann ist die Sache klar.

Und klar, 6€ wird wohl niemand einklagen.

Könnte mir aber vorstellen, dass es bei größeren Aktionären evtl. klappen könnte, da diese dann evtl. im Einzelfall auch eine höhere Nachforschungsobliegenheit bzw. vl. ein Verschulden bei der Wahl des Aufsichtsrats, der immerhin die 1. Prüfinstanz einer AG darstellt (insbesondere nach den publik gemachten Vorwürfen) und dadurch der gute Glaube zerstört wurde ... aber wird wohl eher unwahrscheinlich sein."
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25.05.21 10:44:23
Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) versuchte, die Wogen mit dem Hinweis auf das Aktiengesetz zu glätten. Denn dort ist geregelt, dass Aktionäre Gewinnanteile nur dann zurückzahlen müssen, „wenn sie wussten oder infolge von Fahrlässigkeit nicht wussten, dass sie zum Bezug nicht berechtigt waren“. „Deshalb … bitte Ruhe bewahren“, schrieb DSW-Hauptgeschäftsführer Marc Tüngler auf Twitter.

Disclaimer

Insolvenzverfahren Wirecard: Rückzahlung der Dividende? Kein Grund zur Panik! Wirecard-Insolvenzverwalter Jaffé fordert von den Aktionären die Dividende zurück. Betroffen sein könnten ausgerechnet jene Aktionäre, die Schadensersatz fordern. Bei näherer Betrachtung ist das jedoch kein Grund zur Panik.

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