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Zahlt Warren Buffett nur 0,1% Steuern?

„ProPublica“ veröffentlichte vertrauliche Steuerdaten von Superreichen, die beweisen sollen, dass diese fast keine Steuern bezahlen.

Die unglaubliche Zahl: Die 25 reichsten Amerikaner zahlten nur 3,4 Prozent Steuern – dies sei „true tax rate“. Diese Zahl ging um die ganze Welt. Und man kann sicher sein: Wenn es darum geht zu entlarven, dass die Superreichen zu wenig Steuern zahlen, fühlen sich alle in ihren Vorurteilen bestärkt. Kritische Fragen von Journalisten sind kaum zu befürchten. Aber wie kommt die Zahl zustande:

„Um die finanzielle Realität der reichsten Amerikaner zu erfassen, hat ProRepublica eine Analyse durchgeführt, die es so noch nie gegeben hat. Wir verglichen, wie viel Steuern die 25 reichsten Amerikaner jedes Jahr gezahlt haben, mit dem von Forbes geschätzten Wachstum ihres Vermögens im gleichen Zeitraum. Wir nennen das ihren wahren Steuersatz. Die Ergebnisse sind krass. Laut Forbes stieg bei diesen 25 Personen zusammengenommen das Vermögen von 2014 bis 2018 um 401 Milliarden Dollar. Sie zahlten in diesen fünf Jahren insgesamt 13,6 Milliarden Dollar an Bundeseinkommenssteuern, wie die IRS-Daten zeigen. Das ist eine schwindelerregende Summe, aber sie entspricht einem wahren Steuersatz von nur 3,4 %."

Für Warren Buffett, der sich immer wieder für Steuererhöhungen für Reiche eingesetzt hat, wurde sogar eine “true tax rate” von 0,1% berechnet.

Verglichen wurde das mit einem amerikanischen Haushalt, der im Median 70.000 Dollar im Jahr verdiente und 14 Prozent federal taxes zahlte.

Die Botschaft: So „ungerecht“ ist das Steuersystem. Für Reiche gelten andere Gesetze als für andere Menschen. Ist das wirklich so? Nehmen wir an, Sie besitzen ein Haus, das innerhalb von vier Jahren im Wert von 1 Million auf 1,5 Million Euro steigt. Wie viel Steuern müssen Sie darauf zahlen? In Deutschland jedenfalls Null Steuern. Und so ist es in den meisten Ländern. Einkommensteuern müssen sie nicht auf Buchgewinne zahlen, sondern auf realisierte Gewinne. Und so ist es auch bei Aktien: Wenn die Aktienkurse gestiegen sind, Sie aber die Aktien nicht verkaufen, müssen Sie keine Steuern zahlen. Steuern zahlen Sie dann, wenn Sie Ihre Aktien oder Ihr Haus verkaufen, also aus den Buchgewinnen wirkliche Gewinne werden. Umgekehrt gilt: Wenn Sie Buchverluste machen, also ihr Haus im Wert verliert, bekommen Sie deshalb ja auch kein Geld vom Finanzamt erstattet, d.h. Sie können diese Buchverluste, die nur auf dem Papier entstehen, nicht steuerlich geltend machen.

ProRepublica hat Äpfel mit Birnen verglichen: Die von Forbes geschätzte Vermögenszunahme entsteht bei den Superreichen vor allem dadurch, dass der Wert ihrer Aktien steigt. Bei Jeff Bezos kommen sie beispielsweise von einer Steigerung des Kurswertes der Amazon-Aktie oder bei Warren Buffett von einer Steigerung des Aktienkurses seines Unternehmens Berkshire Hathaway. ProRepublica hat die Vermögenszunahme, die primär auf (nicht realisierte) Kursgewinne zurückkehrt verglichen mit den Einkommensteuern, die aber auf einer ganz anderen Bemessungsgrundlage erhoben werden. Und zwar nicht nur bei den Superreichen, sondern bei jedem. Oder wann haben Sie das letzte Mal Einkommensteuern gezahlt, weil Ihr Haus auf dem Papier mehr wert war, als es vor einem Jahr war? Für ProRepublica ist die von sogenannte „true tax rate“ ein Beweis für „loopholes“ für Superreiche.

Was wäre, wenn Sie, ich oder die Superreichen künftig Einkommensteuern auf nicht realisierte Wertgewinne bezahlen müssten? Was wäre dann im Jahr 2001 oder 2008/2009 passiert, als die Aktienkurse massiv einbrachen? Der Staat hätte dann konsequenterweise für die erheblichen Kursverluste Steuern zurückerstatten müssen. Diese kritischen Fragen haben die meisten Journalisten nicht gestellt, weil die Fake-Zahlen zu ihren Vorurteilen über Reiche passen.

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Nachrichtenquelle: Rainer Zitelmann
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