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Wie der Staat die Aktien-Rente fördern könnte

Aktienanlage willkommen, wenn der Staat bei der Risikoüberwindung hilft

Die Aktienmärkte haussieren seit über einem Jahr. Der DAX hat seit dem Tiefpunkt im März 2020 über 90% auf 15.500 Punkte 90% zugelegt. Die meisten Deutschen sind wieder nicht dabei. Geld ist wie gewöhnlich da, die Angst aber auch. Andererseits scheint die Mauer der Irrationalität (Bitcoin- und Immobilienblasen) in der Nation unbezwingbar zu sein. Kann der Staat bei der Überwindung der Angst vor Aktien helfen?

Warum hat bislang die Förderung der privaten Altersvorsorge versagt

An staatlichen Versuchen die private Altersvorsorge zu fördern mangelte es nicht. Seit Willy Brand Kanzler wurde, heißt es der finanziell gesicherte Lebensabend des Bürgers habe hohe Priorität. Vermögenswirksame Leistungen, Sparerfreibeträge, Arbeitnehmersparzulage, Riester-Förderung, Altersvorsorgesparen sind die bekannten Stichworte. Auf der Seite des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales vom Januar 2021 ist Aktuelles nachzulesen https://www.bmas.de/DE/Soziales/Rente-und-Altersvorsorge/Zusaetzliche- ...

Leider blieben die wechselnden, intransparenten und oft phantasielosen Bemühungen unwirksam. Einerseits wollte der Souverän nicht richtig Geld in die Hand nehmen, andererseits bevorzugten die Bürger renditeschwachen Anlagen. Vom „Teufelszeug“ Aktien wollte keiner hören. Den beratenden Banken und Fonds genügten die satten Gebühren und der Staat vertrat die bequeme Ansicht die Wahl der Anlageform obliege der souveränen Entscheidung des Bürgers. So weit, so gut.

Staatliche Kurssicherung für eine Aktien-Rente ist überfällig

Das Versagen des Staates lag also letztendlich darin, dass ihm nicht gelang, aus den Michels ein Volk von Aktionären zu machen. Die Erfahrung zeigt, die Deutschen „machen mit“, nicht allein wenn der Staat etwas „schenkt“, sondern wenn „kein Risiko“ besteht. Eine risikoloste Anlage ist bekanntlich ein Wunschtraum, es gibt aber Versicherungsinstrumente die die Schwankungen ausgleichen.  Es wäre die Aufgabe des Staates gewesen, eine intelligente kursgesicherte Aktien-Kultur aufzubauen.  Der private Vermögensaufbau als Zusatz zur mickrigen Grundrente hätte nicht in Form von Zulagen und Steuervergünstigungen, sondern durch Börsengewinne aufgebaut werden müssen. Dazu ist es immer noch nicht zu spät.

Wie könnte eine staatlich kursmitversicherte Aktien-Rente funktionieren?

Um den alten Kardinalfehler in Zukunft zu vermeiden, sollte der Staat die langfristigen Trends des Aktienmarktes nutzen und das langfristige Kursrisiko einer Aktien-Rente (sprich der Rente aus dem Aktienvermögen) übernehmen. Ein darauf basierendes System auf folgenden Prinzipien aufbauen:

1.    Es wäre eine Mindestverzinsung von 3% zu garantieren, die der jährlichen Steigerung der Gesetzlichen Rente entspricht. Würde sich herumsprechen, der "Staat übernehme das Börsenrisiko", könnte der Angstsparer vielleicht endlich aus der Reserve gelockt werden. 
2.    Die Umstellung brächte ein signifikanter Schub für den Aktienmarkt. Verdoppelt sich die Aktienquote durch Umschichtung aus renditeschwachen Anlagen, flössen 520 Mrd. € frisches Geld in den deutschen Aktienmarkt und würden den Markt dauerhaft stabilisieren. https://www.dasinvestment.com/deutsche-geldvermoegen-wachsen-auf-71-billionen-euro/
3.    Der Staat übernimmt die Rolle des Aktieninvestors. Er geht dabei langfristig keine Kursrisiken ein, da diese temporär sind, was lange Zeitreihen belegen. Baisseperioden ("Durststrecken") dauern nicht länger als fünf Jahre, bevor sich der Markt sich erholt und neue Höchststände erreicht. Anderenfalls wäre eine DAX-Rendite von 8% seit 1987 nicht möglich. Für Anleger, die nicht warten können, entsteht immer ein Zeitrisiko, das ihnen dieses Mal der Staat abnimmt. Durch Zuwarten kamen auch die deutschen Lebensversicherungen 2004 aus der Verlustzone heraus, wo sie doch 2002 (Krise Neuer Markt) Insolvenz anzumelden hätten. 
4.    Für die Kursgarantie erhebt der Staat eine Garantiegebühr von 1% bis 2%, weil er sich selbst rückversichert. Oder er bildet in Notzeiten aufzulösenden Reserven auf Kosten der Rendite, die dann immer noch 6% nach Kosten und Risikoprämie beträgt. Sollten die Reserven im Jahr XYZ nicht ausreichen, springt der Bund vorübergehend ein. Haushaltsrisiken gibt es in einem steigenden Markt nicht.
5.    Strenge Anlageregeln wie ausschließlich Blue Chips-Engagements (ETFs), keine vorzeitige Kündigung, Auszahlung erst zu Beginn des Rentenalters, fünf Jahren Mindestanlagezeit, minimale Umschichtungen, Begrenzung der Berechtigten auf Rente-Sparer sind einfach, transparent und als konstant zu formulieren.
6.    Die Mitwirkung der Banken ist aus Kostengründen so klein wie möglich zu halten. Hohe Kosten entstehen, wenn zu viel Beratung, zu viel Umschichtung, zu viel Akquisition und zu bunte Produktvielfalt vorliegt. Davon leben die Institute und die Fondsgesellschaften. Bei einer zu Staatlichen Aktien-Rente würden diese Malus-Faktoren weitgehend entfallen. 

Wenn bei den Fonds und den Lebensversicherungen (investieren zu 80% in Anleihen!) die Aktienanlage wie oben beschrieben bis dato nur bedingt funktionierte, so liegt das am Profitcenter-Charakter der gewerblichen Finanzdienstleister, den vielen Anlageexperimenten, dem Tarifdschungel oder dem ständigem Performance- und Anlagedruck wie z.B. der Orientierung an den angelsächsischen Renditen, die eine andere Anlagehistorie aufweisen. Die staatliche Aktien-Rente-Anstalt ARA hätte demgegenüber eine ganz andere Kostenstrukturn aufweisen, z.B. niedrige Vertriebskosten und keine langfristigen Abschreibungen auf Kapitalanlagen. 

Kritiker des Konzeptes werden die Schwächen der kapitalanlagebasierten Rente anführen, wie die fehlende Umstellungszeit. Hierzu zur Klärung: Es wären in die staatliche Aktien-Rente zunächst die renditelos vagabundieren Gelder anzulegen von denen lediglich die privaten Dienstleister profitieren (vgl. Riester-Desaster). https://versicherungswirtschaft-heute.de/maerkte-und-vertrieb/2021-05- ...

Jeder Umstellungszeitpunkt ist günstig.

Der Zeitpunkt für den Sparbeginn für die Aktien-Rente ist in einem langfristigen Aufwärtstrend immer günstig. Gewöhnlich vergehen Jahre, bis ein solches Konzept jedoch in Gesetzesform vorliegt. Irgendwann muss aber angefangen werden. Der Gesetzgeber muss nicht warten und könnte es in kurzer Zeit beschließen und 2022 schon anfangen. Die ersten Auszahlungen sollten ohnehin erst nach einer angemessenen Laufzeit vorgenommen werden, nicht vor 2027. Ein "Weiter so!" mit immer neuen Förderideen macht keinen Sinn! 

Autor: Dr. Viktor Heese – Finanzbuchautor und Analyst, betreibt die Blogs www.prawda24.com und www.finanzer.eu





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1 Kommentare
Gastautor: Dr. Viktor Heese
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Kommentare

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23.07.21 12:29:39
Das ist alles Firlefanz.
Einfach den Kpitalerträge-Freibetrag rauf auf sagen wir 10.000 p.a., ansammelbar,
und die Neidsteuer runter auf 10% oder besser null.
Der Anleger hat mit der Inflation genug zu tragen.

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Wie der Staat die Aktien-Rente fördern könnte Aktienanlage willkommen, wenn der Staat bei der Risikoüberwindung hilft