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Per Mantel an die Börse Aus Diesel- werden Wasserstoff-LKW – Clean Logistics-CEO:„Nachfrage bis 2025“

Clean Logistics rüstet Diesel-Busse und -LKW auf Wasserstoff um. An die Uckermärkische Verkehrsgesellschaft wurde schon ein Bus ausgeliefert. Nun der IPO durch die Hintertür. Clean Logistics-CEO Dirk Graszt im Interview:

wallstreet:online: Herr Graszt, Ihr Unternehmen Clean Logistics rüstet Diesel-LKW und -Busse auf Wasserstoffantrieb um. Was kostet die Umrüstung eines 40-Tonners?

Dirk Graszt: Die Kosten einer Umrüstung werden insgesamt von drei Blöcken bestimmt. Da ist zum einen das Dieselfahrzeug mit seinem Wert. Je nach bisheriger Laufleistung liegt dieser in der Regel zwischen 30.000 und 60.000 Euro. Die Komplettumrüstung, die aus einer Brennstoffzelle, einer Batterie, Wasserstofftanks, einer neuartigen und eigenentwickelten Antriebsachse und der entsprechenden Steuerungselektronik besteht, schlägt mit rund 500.000 Euro zu Buche. Davon werden 80 Prozent gefördert und die restlichen rund 140.000 sind Eigenanteil des Spediteurs.

Aktuell stehen im Rahmen eines Förderprogramms des Bundesverkehrsministeriums für die Umrüstung auf alternative Antriebe für Nutzfahrzeuge 1,6 Milliarden Euro bis 2024 bereit. Mit dem Umbau eines jeden 40-Tonners werden ca. 75 Tonnen CO2 pro Jahr eingespart. Und das ist auch dringend nötig. Denn um die Klimaziele und die angepeilte CO2-Reduzierung zu erreichen, müssen von den aktuell in Deutschland zugelassenen rund 340.000 LKW ab 7,5 Tonnen ca. 250.000 bis 2030 klimaneutral betrieben werden. Die Zahl ist deshalb so hoch, weil laut den marktüblichen Prognosen der Güterverkehr auf unseren Straßen weiter Jahr für Jahr wachsen wird.

wallstreet:online: Wie sehen ihre Auftragsbücher derzeit aus?

Dirk Graszt: Zusammen mit Reservierungsanfragen liegen uns verbindliche Buchungen für Bauplatzreservierungen im hohen dreistelligen Bereich vor. Dabei ist schon unser geplanter Ausbau von Konvertierungsbauplätzen berücksichtigt. Schon jetzt reicht die Nachfrage bis ins Jahr
2025.

wallstreet:online: Clean Logistics ist erst kürzlich in den Börsenmantel der Sendr SE geschlüpft. Warum haben Sie sich gegen einen klassischen Börsengang entschieden?

Dirk Graszt: Für uns war es wichtig, zügig an den Kapitalmarkt zu kommen. Hier stehen uns alle Arten der Finanzierung offen. In einen börsennotierten Mantel zu schlüpfen, war darüber hinaus eine günstige Alternative.

wallstreet:online: Nach dem Börsendebakel rund um den Wasserstoff-LKW-Hersteller Nikola sind viele Anleger verständlicherweise bei Wasserstoff-Aktien vorsichtig. Das gilt besonders für Börsengänge durch die Hintertür (SPACs/Börsenmäntel). Warum ist Clean Logistics keine neue Wasserstoff-Luftnummer?

Dirk Graszt: Clean Logistics ist kein Konzept-IPO oder eine nette Idee, die man antriebslos den Berg herunterrollen lässt. Der erste auf Wasserstoffbetrieb konvertierte ÖPNV-Bus wurde am 29. Juli 2021 an die Uckermärkische Verkehrsgesellschaft (UVG) ausgeliefert. Beim HyBatt-Bus handelt es sich um den europaweit ersten konvertierten Bus mit Brennstoffzellen-Wasserstoff-Antrieb im ÖPNV. Das umgerüstete Fahrzeug des Typs Mercedes-Benz Citaro verfügt über ein leistungsfähiges völlig emissionsfreies Energiesystem mit einer Reichweite von über 300 Kilometern. Damit hat Clean Logistics als Pionier der Konvertierung von dieselbetriebenen Fahrzeugen begonnen, den Personen- und Schwerlasttransportsektor in Deutschland in eine klimaneutrale Zukunft zu führen. Noch im vierten Quartal 2021 wird der zweite HyBatt-Bus an die UVG übergeben. Gleichzeitig wird nach unseren Planungen in diesem Jahr der erste Prototyp des HyBatt-Trucks in den Testbetrieb gehen. 2022 beginnt dann die Produktion für unsere Kunden.

wallstreet:online: Hält ihr Unternehmen Patente im Bereich der Umrüstung von Dieselfahrzeugen auf Wasserstoffantrieb?

Dirk Graszt: Einen Patentschutz wird es für den Umbau eines Fahrzeuges nie geben und ist auch nicht sinnvoll, da sonst nötige Entwicklungen gehemmt würden. Nichtsdestotrotz gibt es Elemente, die sich nicht so einfach kopieren lassen. Zum einen ist es die Komponentenbeschaffung und das dazugehörige Know-how. Das ist schon sehr komplex. Wichtiger aber sind die auf einer Eigenentwicklung aufbauende Achstechnologie und Softwaresteuerung. Das Herzstück ist HYBOSS – unsere intelligente Betriebssoftware zur Steuerung aller Antriebselemente. HYBOSS steuert die Fahrsituationen, ist unser Betriebsstrategiemanagement- und Telematik-System in einem. Darüber hinaus ist die Steuerungseinheit OTA-fähig. Das heißt, Softwareupdates können ohne Besuch in der Werkstatt aufgespielt werden. So wie man das auch vom Betriebssystem des Handys gewohnt ist.

wallstreet:online: Tesla will auch bei Sattelschleppern auf den batterieelektrischen Antrieb setzen. Warum setzten Sie auf den Wasserstoff-Antrieb?

Dirk Graszt: Grundsätzlich setzen wir ja auch auf die Verbindung von Brennstoffzelle und Batterie. Die Frage ist nur, ob es clever ist, schwere Batterien mitzuschleppen und so auf etliche Tonnen Zuladungsgewicht zu verzichten. Beim PKW mag das akzeptabel sein. Bei einem Sattelschlepper der gleich mehrere Tonnen Nutzlastverzicht durch die schweren Batterien hat, macht das wirtschaftlich wenig Sinn. Auch zu bedenken sind lange Standzeiten während des Ladens. Ganz zu schweigen, wie man mehrere 40-Tonner an einem Autohof gleichzeitig laden will. Da werden in der Nachbarschaft sprichwörtlich die Lichter ausgehen.

wallstreet:online: Welche strategisch wichtigen Ziele wollen Sie mit Ihrem Unternehmen in den nächsten fünf Jahren erreichen?

Dirk Graszt: Unser Ziel ist es, einen signifikanten Beitrag zu Dekarbonisierung des Transportsektors und des öffentlichen Nahverkehrs durch die massenhafte und standardisierte Konvertierung von Bestandsfahrzeugen zu erreichen. Wir haben keine Zeit auf die großen Hersteller zu warten und noch die stark verschmutzenden Bestandsfahrzeuge einfach weiterfahren zu lassen, bis sie altersschwach aus dem Verkehr gezogen werden. Die Konvertierung bietet die Möglichkeit, jetzt, auf der Stelle starke Verschmutzer in einen emissionsfreien Betrieb zu überführen – und das auch noch ressourcenschonend, ohne abzuwracken. Wir wollen in fünf Jahren Dank der Serienkonvertierung ein wichtiger Spieler im emissionsfreien Schwerlastverkehr sein, der pro Jahr Fahrzeuge im vierstelligen Bereich auf die Straße bringt.

Das Interview führte Ferdinand Hammer, stellv. Chefredakteur wallstreet:online Zentralredaktion.




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