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WDH/ROUNDUP 'Lasst euch nicht erwischen!'/Betrugsprozess um VW-Diesel gestartet

Nachrichtenagentur: dpa-AFX
16.09.2021, 17:26  |  118   |   |   

(Präzisierung zur Schätzung des Gesamtschadens)

BRAUNSCHWEIG (dpa-AFX) - Die eigentliche Hauptperson fehlte - aber auch ohne den früheren VW -Konzernchef Martin Winterkorn ist der große Diesel-Betrugsprozess angelaufen. Nach jahrelangen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft und zwei Corona-Verschiebungen eröffnete das Landgericht Braunschweig am Donnerstag die Hauptverhandlung gegen zunächst vier weitere Ex-Führungskräfte des Wolfsburger Autobauers.

Zum Auftakt trugen die Strafverfolger eine mit deutlichen Vorwürfen gespickte Anklage vor. Demnach sollen die Ingenieure und Manager tief in die Entwicklung und den Einsatz der Manipulations-Software in Millionen Fahrzeugen verstrickt gewesen sein. Doch auch in Richtung Winterkorn wurden schon Anschuldigungen formuliert, obwohl dessen Prozessteil wegen gesundheitlicher Probleme vertagt war.

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Wer wusste wann was über das geheime Programm ("defeat device"), das Deutschlands größtes Unternehmen bisher mehr als 32 Milliarden Euro an juristischen Ausgaben kostete und das Verbrauchervertrauen in die Autobranche weltweit beschädigte? Eine lange Auseinandersetzung hat begonnen, 133 Verhandlungstage bis in den Sommer 2023 sind geplant.

Das Gericht hatte die Stadthalle gemietet, um Platz für alle Zeugen, Zuhörer und Journalisten zu haben. Die Angeklagten - äußerlich unbewegt - erschienen mit jeweils drei Anwälten pro Person, schauten unsicher durch den Raum oder blickten betrübt auf ihre Unterlagen.

Oberstaatsanwältin Elke Hoppenworth ist überzeugt, dass auch der damalige oberste Chef eine wesentliche Verantwortung trägt. Den Ermittlungen zufolge soll Winterkorn spätestens im Mai 2014 vom Einsatz einer illegalen Software in den USA gewusst haben: "Er stoppte bewusst pflichtwidrig die weitere Vermarktung nicht. Die Angeklagten wollten damit dem Unternehmen möglichst hohe Gewinne verschaffen." Denn der Einbau besserer Abgastechnik, der eine Einhaltung der scharfen US-Emissionsregeln auch ohne schmutzige Tricks erlaubt hätte, wäre wahrscheinlich deutlich teurer gewesen.

Erst Ende September 2015 gab VW zu, dass ein Softwarecode über Jahre bei als "sauber" beworbenen Dieseln erkannte, ob der Wagen in einer Testsituation war. Nur dann war die Stickoxid-Reinigung ganz aktiviert, während auf der Straße ein Vielfaches an Schadstoffen in die Luft geblasen wurde. In der Rekonstruktion der Geschehnisse zeigt sich aus Sicht der Ankläger eine Strategie der gezielten Vertuschung.


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