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Fakt ist, die Notenbanken haben den Point of no Return erreicht

Gastautor: Robert Halver
13.10.2021, 10:01  |  5268   |   |   

Fakt ist, die Notenbanken haben den Point of no Return erreicht

Mit ihren beispiellosen Liquiditätsspritzen haben die Notenbanken Konjunktur und Finanzwelt inflationär gerettet, gleichzeitig aber auch drogenabhängig gemacht. Angesichts des galoppierenden Inflationsdrucks müsste jetzt stabilitätstheoretisch die Entwöhnung folgen. Müsste, doch schrecken Fed und EZB vor dem kalten Entzug mit schweren (finanz-)wirtschaftlichen Stimmungseinbrüchen zurück. Grundsätzlich werden sie abseits kosmetischer Änderungen am berauschenden Zustand festhalten.

Hinter der Schuldenblase können sich alle bislang bekannten Blasen mühelos verstecken

Alle schuldenfinanzierten Rettungsaktionen ließen sich über planwirtschaftliche Zinsdrückungen und Anleiheaufkäufe reibungslos stemmen. Dass dabei auch noch die letzten europäischen Stabilitätskriterien in den Mörser gerieten, war alternativlos. Ein bisschen „Verlust“ ist in der Politik ja immer. Mittlerweile hat sich die globale Gesamtverschuldung auf ca. 300 Billionen US-Dollar aufgetürmt. Und mit gigantischen Infrastruktur- und Klimaschutzausgaben geht es munter weiter.

Da diese Schulden ebenso Vermögen sind, haben wir es mit der Mutter aller Anlageblasen zu tun. Blasen auch, da sie unmöglich zurückgezahlt werden können und es trotzdem keine Entschädigung für schlechte Bonität gibt.

Würden die Notenbanken den Zinsmärkten ihre marktwirtschaftliche Freiheit zurückgeben, öffneten sie die Büchse der Pandora. Die ohnehin nur künstliche Schuldentragfähigkeit vieler Schuldnerländer würde zerrinnen wie Sand zwischen den Fingern. Große Kapitalsammelbecken würden panisch verkaufen und damit die Zinsen wie Raketen an Sylvester aufsteigen lassen. Die nächste Finanzkrise wäre so wenig aufzuhalten wie ein Stier, der rot sieht. Werden die Notenbanken diesen vermutlich finalen Systemcrash riskieren? Natürlich nicht!

Der Kapitalismus ohne Zins hat weitere Blasen hervorgerufen. Gegenüber den heutigen Hauspreisen hatten die Preise in der früheren Immobilienblase fast Schnäppchencharakter. Was wäre aber, wenn die Bauzinsen im Zuge geldpolitischen Umkehrschubs markant anstiegen? Die Immobilienwerte fielen wie Blätter im Herbst von den Bäumen. Ein Überangebot an notleidenden Objekten käme auf den Markt und würde den Wertverfall noch beschleunigen. Die Finanzwelt erlebte Lehman 2.0, allerdings mit „Mehrwert“. Ein hoher sozialer Preis wäre die Folge, der sogar demokratieschädlich wirkt. Wird die Geldpolitik diese Sklerose in Kauf nehmen? Natürlich nicht!

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