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Stryze Group Marken werden zunehmend zum virtuellen Immobilienvermögen

Viel Venture Capital fließt derzeit in den Markt für E-Commerce. Der Grund: E-Commerce-Marken werden zunehmend als eine Art neue Assetklasse gesehen.

Das Berliner Direct-to-Consumer (D2C) Markenhaus Stryze Group ist ein führendes E-Commerce Unternehmen in diesem Wachstumsmarkt. Wir sprachen mit dem Mitgründer sowie CIO und CFO von Stryze, Dr. Taro Niggemann, über diese Entwicklungen.

Herr Niggemann, verraten Sie unseren Lesern doch zunächst für was die Stryze Group steht und worin ihr Geschäftsmodell besteht.

Wir sind ein internationales E-Commerce Unternehmen mit einem wachsenden Portfolio von spannenden Direct-to-Consumer (D2C) Marken, mit denen sowohl auf Pull-E-Commerce Plattformen (Amazon und ähnliche) als auch auf Push-E-Commerce Plattformen (Social Media) qualitativ hochwertige Produkte angeboten werden. Diese Marken und die dazugehörigen Produkte entwickeln wir einerseits selbst, also organisch, andererseits kaufen wir aber auch anderen Unternehmern vielversprechende Marken ab und entwickeln diese bei uns weiter. Das Geschäftsmodell basiert auf unserer zehnjährigen E-Commerce- und Handelserfahrung über die gesamte Produktions- und Wertschöpfungskette hinweg (von der Produktentwicklung über die Produktion, Transport und Logistik bis hin zu Marketing und Platzierung auf den unterschiedlichen Plattformen). Als Händler übernehmen wir dabei Verantwortung für Produktqualität und das kaufmännische Risiko, das mit dem Einkaufen, der Lagerung und Auslieferung von Produkten einhergeht.

Unklar ist vielen immer noch, um welche Form von Unternehmen es sich bei den stark finanzierten Holdings handelt: sind sie E-Commerce oder Investor?

Wir sind ein E-Commerce Unternehmen und damit ein strategischer Investor und kein Finanzinvestor. Dabei sehen wir den Wert, der in etablierten D2C Marken und den Positionierungen selbiger auf den E-Commerce Plattformen steckt. Wichtig ist uns dabei die richtige Balance aus organischem Wachstum und unseren Akquisen. Jede Akquisitionsentscheidung basiert auf unserer jahrelangen E-Commerce Erfahrung und dem Wissen die Brands strategisch und gewinnoptimiert weiterentwickeln zu können. Entscheidend ist die Erfahrung im Handel vor allem, um Trends vorab absehen und erkennen zu können und nicht nur bestehenden Entwicklungen hinterherzulaufen und erst dann zu investieren. Wir integrieren die akquirierten Geschäfte auch voll in unsere Organisation, sind also keine Finanzholding.

Sie haben wenige Monate nach Gründung eine beachtliche Summe von 100 Millionen Euro einsammeln können - zugleich haben auch ihre Mitbewerber enorme Summen an Wagniskapital eingesammelt. Was sind die Gründe für diese Entwicklung?

Es gibt einige Faktoren für diese Entwicklung. Zentral ist die zunehmende Onlinepenetration des Einzelhandels und die steigende Technologiesierung des E-Commerce. Investoren weltweit sehen den E-Commerce zunehmend als skalierbaren Business Case, bei dem man mit Einsatz von Daten, Technologie und branchen-spezifischer Expertise (Einkauf, Logistik, Plattformkompetenz) nachhaltige Gewinne erzielen kann. So sind auch neue Technologiegeschäftsmodelle im Umfeld des E-Commerce entstanden. Dazu gehören zum Beispiel, die auch von uns genutzten Anbieter von Marktdaten wie Xapix oder technologisierte Steuerdienstleister wie CountX.

Zudem gibt es allgemein sehr viel Kapital im Markt und E-Commerce-Marken werden von manchen Investoren als eine Art neue Assetklasse gesehen. Eine Marke und die ihr zugehörigen Produktlistings auf einer Plattform wie Amazon gelten da als virtuelle Ladenzeile. Es geht hier also um virtuelles Immobilienvermögen, bei dem eine Brücke geschlagen wird zwischen immateriellen und materiellen Vermögensgegenständen. Den Wert dieser Listings erkennen wir daran, dass sich auch nach längerer unfreiwilliger Verkaufspause (zum Beispiel durch unzureichende Lagerverfügbarkeit), bei Wiedereintreffen des jeweiligen Produktes schnell wieder an alte Umsätze anknüpfen lässt – das liegt rein an der Historie und Positionierung der jeweiligen Produktlistings. Ein Geschäft am Kurfürstendamm in Berlin darf sich auch nach temporärer Schließung aufgrund von Renovierung wieder über eine bestimmte Anzahl an Kunden freuen, rein aufgrund der Lage in der Stadt.  

Das Geschäft auf Handelsplattformen selbst und hier speziell auf Amazon bleibt aber herausfordernd und es sind regelmässige Instandsetzungsarbeiten notwendig, um den Wert des virtuellen Immobilienvermögens zu erhalten und auszubauen. Dazu kommen noch die aktuellen globalen Lieferketten-Probleme, deren Auswirkungen in den USA aber auch hier in Europa zunehmend zu spüren sind. Viele Lieferketten und Transportwege müssen gerade neu konfiguriert werden, neue Partner müssen gefunden, neue Modelle für die Zwischenlagerung und den Endversand an die Konsumenten etabliert werden.  Das schafft eine große Dynamik in vielen Produktmärkten – eine Herausforderung für den E-Commerce, aber auch eine Chance.

Werden die Finanzierungsrunden auch in der Zukunft solche Ausmaße nehmen? Wenn ja, warum?

Der E-Commerce Markt ist aktuell im Wandel aber wächst insgesamt stark, was einen direkten Einfluss auf Finanzierungsrunden und Kapitalgeber hat.

Die Stärkung der Plattformmodelle sowie die steigende Komplexität in der Aussteuerung der Produkte (Compliance, Logistik, Umsatzsteuern etc.) und der Aufwand als kleiner Händler relevante Margen zu generieren, sind zudem Faktoren, die unser Geschäftsmodell stärken und zusätzlichen Antrieb verleihen. Amazon fragt aktuell täglich nach Zertifizierungen, Qualitätsbescheinigungen, rechtlichen Dokumenten, Steuerunterlagen etc. – ein großer Aufwand für Amazon selbst und für die Händler, der aber letztlich ein valides Ziel hat: fairen Wettbewerb, ein gutes Einkauferlebnis für die Kunden und ein regelkonformes Verhalten aller Beteiligten. Größe und Professionalisierung entlang der kompletten Wertschöpfungskette gewinnen entsprechend an Bedeutung und werden aus Sicht der Investoren am Ende den Unterschied machen bei der langfristigen Profitabilität im E-Commerce.

Nach welchen Kriterien kaufen Sie bestehende Marken auf

Wir schauen sehr genau auf die sogenannten Produktlistings, analysieren Chancen und Entwicklungspotentiale der einzelnen Marktnischen. Dazu gehört u.a. die Analyse des Stichwortsuchvolumens, also der Nachfrage nach bestimmten Produkten. Zudem gucken wir uns die Marke genau an. Eine gute Marke muss sich weiterentwickeln und skalieren lassen.

Man zahlt für ein entsprechendes Geschäft einen Preis in der Größenordnung des drei- bis fünffachen Jahresgewinns. Die Multiplikatoren sind im Vergleich zu etablierten Branchen hierbei relativ niedrig, was wiederum den Einsatz von Fremdkapital erleichtert.

Das hat zum einen mit der Abhängigkeit von Amazon zu tun, zum anderen aber auch mit der Größe und der Abhängigkeit vom Gründer. Denn im Segment von einer bis zehn Millionen Euro Kaufpreis, in dem wir uns vor allem bewegen, gibt es neben dem Gründer häufig kein Team. Das sind keine Geschäfte, die ein Private-Equity-Fonds kaufen könnte, dafür braucht man Expertise und ein starkes Team, das die gesamte Wertschöpfungskette des Geschäftsmodells abdecken kann.

Kritiker des Geschäftsmodells befürchten eine neue Blase. Wie ist Ihre Perspektive?

Die Erwartung im Markt ist die, dass auch zwischen Aggregatoren Zusammenschlüsse stattfinden werden. 2021 ist das Jahr, in dem viele neue Spieler damit begonnen haben, M&A-Teams aufzubauen und erste Akquisitionen durchzuführen, mehr Kapital aufzunehmen und ihr Geschäftsmodell aufzubauen. 2022 könnte das Jahr werden, in dem die Konsolidierung unter den Konsolidierern beginnt. Erste Anzeichen dafür haben wir schon gesehen wie den Zusammenschluss zwischen Berlin Brands Group und Orange Brands.

Eine Blase befürchten wir aber nur dann, wenn Player den Markt beherrschen, die sich lediglich auf M&A fokussieren und dabei den E-Commerce Kern sowie die Marken selbst außen vor lassen.

Wo wir selbst am Ende des Konsolidierungsspiels stehen werden, kann man jetzt noch nicht absehen. Unser Fokus ist, ein funktionierendes Unternehmen aufzubauen. Dabei setzen wir sowohl auf weiteres organisches Wachstum als auch auf M&A. Wir sind kein Start-up, das, so schnell wie möglich und egal auf welchem Weg, auf die Milliardenbewertung losrennt. Wir gehen das etwas nachhaltiger an, auch was den Anspruch an die Reputation der eigenen Marke betrifft.

Zum Schluss: Welche Pläne verfolgen sie die nächsten Monate?

Zunächst steht die nächste Finanzierungsrunde an. Bis Jahresende sollen etwa 30 Millionen bis 50 Millionen Euro Eigenkapital und im Anschluss 150 bis 200 Millionen Euro Fremdkapital für weitere Akquisitionen und den Ausbau der Gruppe hinzukommen. Dabei wollen wir auch neue Investoren an Bord nehmen. Zudem sind wir verstärkt auf der Suche nach neuen Mitarbeitern in fast allen Geschäftsfeldern, die mit uns die akquirierten Marken entwickeln und aufbauen. Auch das ist, gerade in Zeiten von Fachkräftemangel, eine wichtige Investition in die Zukunft unseres Unternehmens.

 



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Gastautor: Seyit Binbir
22.10.2021, 11:04  |  3215   |   |   

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