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Russland droht Ex-Sowjetrepublik Moldau mit Zudrehen des Gashahns
Foto: Pichit Boonhuad - 123rf Stockfoto

Russland droht Ex-Sowjetrepublik Moldau mit Zudrehen des Gashahns

MOSKAU (dpa-AFX) - Der russische Energiekonzern Gazprom droht der Ex-Sowjetrepublik Moldau wegen nicht bezahlter Rechnungen mit einem Zudrehen des Gashahns. Es seien Schulden von 433 Millionen US-Dollar (rund 372 Mio Euro) aufgelaufen; die Außenstände beliefen sich aber wegen Strafzahlungen für nicht bezahlte Rechnungen inzwischen auf 709 Millionen US-Dollar. Das teilte Gazprom-Sprecher Sergej Kuprijanow der Staatsagentur Tass zufolge am Samstag mit. "Dabei wollen die Vertreter Moldaus - warum auch immer - diese aufgelaufene Schuldensumme nicht anerkennen."

Die Regierung in dem völlig verarmten Nachbarland von EU-Mitglied Rumänien hat wegen eines Gas-Defizits den Notstand ausgerufen. Nach Darstellung des Gazprom-Sprechers erhält Moldau vom 1. Dezember an kein Gas mehr aus Russland, sollte bis dahin der im September ausgelaufene Vertrag nicht verlängert werden.

Der Gasriese will nach eigenen Angaben allerdings einer Bitte der moldauischen Regierung nachkommen, im Oktober und November die Lieferungen fortzusetzen. Im Gegenzug muss das Land die Rechnungen zunächst für September und Oktober bezahlen.

Voraussetzung für einen neuen Vertrag wiederum sei das Begleichen aller Schulden, sagte Kuprijanow. Hier gehe es nicht um Politik. Vielmehr könne sich die an internationalen Börsen notierte Aktiengesellschaft keine Verluste erlauben. Auch der russische Staatshaushalt rechne mit den Einnahmen. "Es gibt Grenzen der Geduld. Moldau provoziert die Krise selbst. Für eine erhaltene Ware muss man rechtzeitig bezahlen", sagte der Gazprom-Sprecher.

Moldau bezog voriges Jahr für 148,87 US-Dollar je 1000 Kubikmeter Gas von Russland - unter einer damals moskaufreundlichen Regierung. Aktuell muss das nach einem Machtwechsel nun prowestlich orientierte Land - vor allem wegen des Anstiegs der Energiepreise - 790 US-Dollar je 1000 Kubikmeter bezahlen.

Russland sieht sich immer wieder in der Kritik, Preise nach der politischen Ergebenheit eines Landes festzulegen. So hat etwa Belarus für 2022 gerade einen Freundschaftspreis von 128,5 US-Dollar je 1000 Kubikmeter ausgehandelt.

Moldau hatte Russland zuletzt um eine Preissenkung gebeten und hofft nun auf zwischen 200 bis 300 US-Dollar je 1000 Kubikmeter Gas. Im Gegenzug bot das Land nach russischen Angaben an, seine Schulden zu bezahlen und Einschränkungen für Investitionen von Gazprom aufzuheben. Die Ukraine hatte ihrem Nachbarland zuletzt Hilfe und zeitweilige kostenlose Gaslieferungen angeboten.

Der moldauische Vize-Regierungschef Andrei Spinu schrieb nach Verhandlungen mit Vertretern von Gazprom und der Kremlverwaltung in Moskau bei Facebook, dass sein Land die russischen Preisvorstellungen für überzogen halte. "Der Vorschlag, den Gazprom jetzt macht, ist für unsere Bürger ungünstig", meinte er. Die Moldauer haben demnach Angst, sie könnten ihre Gasrechnungen nicht bezahlen. "Die Republik Moldau kann keinen Preis bezahlen, der höher ist als der, den andere Staaten in der Region erhalten."

Wegen der Gaskrise in Moldau erlosch in der Hauptstadt Chisinau am Denkmal für die Opfer des Zweiten Weltkriegs und zur Erinnerung an den Sieg der Sowjetunion auch das Feuer der ewigen Flamme. Bürger brachten Kerzen zu der Stelle, wie Medien berichteten. Russland bot an, für die Gedenkstätte kostenlos Gas zur Verfügung zu stellen./mau/DP/nas


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Nachrichtenagentur: dpa-AFX
24.10.2021, 14:09  |  752   |   |   

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Kommentare

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25.10.21 09:54:28
Gut das du die Entsorgung ansprichst, denn die wird meistens bei der Kostenrechnung runtergespielt.
Rechnet man die korrekt ein kann man ganz grob von der Verdoppelung des nötigen Strompreises/invest ausgehen.

Die Krux bei deinem Vorschlag ist, das die gigantische Menge an WKA relativ gleichzeitig, bei kräftigem Wind, eine gigantische Menge an Strom produziert.

Problem: niemand braucht plötzlich die zigfache Menge an Strom
Ergebnis: der Strompreis (während der Windperiode) fällt nicht nur ins Bodenlose sondern er wird sogar negativ. Der WKA Betreiber ist also gezwungen die Anlage abzuschalten oder für die "Entsorgung" des Stromes draufzuzahlen.

Damit wird jede weitere WKA immer defizitärer.

Viel hilft also nicht viel. Ich vermute der gegenwärtige Bestand an WKA läßt sich, zusammen mit Solar, schnellregelnden Gaskraftwerken und Grundlastkraftwerken, gut und sinnvoll nutzen.

Da unsere weisen Führer die Grundlastkraftwerke aber nahezu alle abreißen wollen, wird der Strom verdammt teuer (siehe Gaspreisentwicklung).
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24.10.21 22:49:35
Kann mir jemand erklären, was eine Windkraftanlage:
kostet in der Herstellung, Betreibung und Entsorgung?
Ab wann rentiert sich so eine Anlage?
Müssten wir nicht unser ganzes Land zupflastern um die nötige Energie zu erzeugen?
Der Energiemix ist meiner Meinung nach die Lösung,
Grüsse
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24.10.21 15:09:41
Eindeutig eine politisch motivierte Meldung.

Wenn bei uns jemand seinen Strom nicht bezahlt, gibt es auch recht schnell eine Stromsperre, für welche der säumige Zahler dann auch noch einmal ordentlich zur Kasse gebeten wird. So ist es kürzlich einem Nachbarn (Rentner) von mir passiert. Und an diesem Anbieter ist sogar das Bundesland in dem ich lebe zu fast 50 % beteiligt.

PS: Gazprom muss ja auch seine knapp 500.000 Bedienstete bezahlen.

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