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Vorstandsinterview Traumhaus: „Das Potenzial in der Aktie ist noch immer hoch“

Bei Traumhaus hat man sich sehr gut auf die Materialknappheit sowie auf die Sondersituation rund um die Pandemie eingestellt. Verzögerungen gebe es kaum, so Vorstand Otfried Sinner gegenüber unserer Redaktion.

Entsprechend zufrieden zeigt sich Sinner im Interview mit der aktuellen Situation. Er sieht sein Unternehmen als gut aufgestellt an. Große Erwartungen hat Sinner hinsichtlich eines neues Werks in Kruft, das ab 2022 Steine für die Baustellen von Traumhaus liefern soll. Nicht nur an diesem Werk macht er zugleich deutlich, wie wichtig das Thema ESG bei Traumhaus ist. Weitere Themen im Gespräch mit Sinner sind die Steigerung des Streubesitzes sowie die Identifikation der Mitarbeiter mit der Gesellschaft.

Herr Sinner, wie laufen aktuell die Geschäfte?

Sinner: Wir sind sehr zufrieden. Gerade haben wir unsere Halbjahreszahlen veröffentlicht. Die Traumhaus AG hat im in der ersten Jahreshälfte 2021 ihre Umsatzerlöse mit 27,3 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr fast vervierfacht. Auch die Gesamtleistung konnten wir um 79 Prozent auf 29,5 Millionen Euro steigern. Die Grundstücks- und Hausübergaben haben sich gegenüber dem Vorjahreszeitraum mehr als verdreifacht.

Im Juli haben wir sehr erfolgreich eine Kapitalerhöhung als öffentliches Angebot durch die Ausgabe von neuen Aktien abgeschlossen. Mit dem öffentlichen Angebot hat sich die Traumhaus bewusst an Privatanleger gewandt, um den Streubesitz zu erhöhen. Insbesondere verfolgen wir mit solchen Maßnahmen das Ziel, das tägliche Handelsvolumen kontinuierlich zu verbessern. Nach der Kapitalerhöhung liegt der Streubesitz bei mehr als 20 Prozent.

In der Immobilienbranche steigen die Preise für Häuser teils deutlich an. Können Sie davon auch profitieren?

Sinner: Die Nachfrage nach preiswertem Wohnraum im Grünen und gleichzeitig im Umkreis von Metropolen ist ungebrochen. Grundstücke und Rohstoffe haben sich in den letzten Jahren immer weiter verteuert. Es liegt auf der Hand, dass wir diese Verteuerungen zwangsläufig auch an unsere Kunden weitergeben müssen. Die DNA der Traumhaus, das serielle Bauen, gibt uns aber weiterhin die Möglichkeit, Qualität, zu einem überschaubaren Preis anzubieten.

Sie haben in Ihrer Hauptversammlung im August ein Aktien-Optionsprogramm aufgesetzt. Warum?

Sinner: Zum einen möchten wir die Mitarbeiter noch stärker direkt am Erfolg des Unternehmens teilhaben lassen. Zum anderen halten wir die Identifikation unserer Mitarbeiter mit der Traumhaus AG für enorm wichtig. Für mich persönlich ist es darüber hinaus ein wichtiges Anliegen, die Aktienkultur in Deutschland zu fördern.

Wir erleben gerade, wie sich die Meinung der Deutschen zu Aktien und damit letztlich auch zur Teilhabe an mittelständischen Unternehmen zum Positiven verändert - nicht zuletzt aufgrund der vielen Neobroker und Apps, mit denen man sehr unkompliziert Aktien kaufen und verkaufen kann. Zusätzlich zum Aktien-Optionsprogramm finanzieren wir jedem Mitarbeiter anlassbezogen den Kauf von Aktien an der Traumhaus AG im Rahmen eines Bonus‘. Es darf sich ruhig lohnen, Mitarbeiter eines börsennotierten Unternehmens zu sein.

Für das Gesamtjahr peilen Sie eine EBITDA-Marge von mehr als 10 Prozent an. Ist das auch der künftige Richtwert?

Sinner: Wir gehen für die Zukunft von einer möglichst gleichbleibenden EBITDA-Marge um ca. 11 Prozent aus. Die mittlerweile große Anzahl paralleler Projekte ermöglicht uns zunehmend, eine gleichmäßige Marge zu generieren. Der Umsatzmix spielt dabei eine große Rolle. Die Bauumsätze sind weniger margenreich als jene aus der Projektentwicklung, also den Grundstücksverkäufen.

Da die Grundstücksumsätze den Umsätzen aus der Bautätigkeit immer um 1 bis 1,5 Jahre vorausgehen, kommt es zu einer Umsatzentwicklung, die immer abwechselnd nach oben und unten ausschlägt. Das einzige Mittel, das zu einer Glättung der Ausschläge führt, ist eine hohe Anzahl gleichzeitig bearbeiteter Projekte. In der Traumhaus-Gruppe sind das momentan 48.

Wie sehr setzen Sie in Zukunft auf ESG?

Sinner: Environmental, Social and Corporate Governance ist eine Bewertung des kollektiven Bewusstseins eines Unternehmens für soziale und ökologische Faktoren. ESG ist für jedes Unternehmen eine ernstzunehmende Herausforderung. Bei Environment ist die Traumhaus mit dem Wandfertigungswerk in Kruft gut aufgestellt.

Der neue Mauerstein, mit dem die Wände vorgefertigt werden, ist zunächst schon einmal in der Produktion umweltfreundlicher, da er nicht gebrannt werden muss. Konkret heißt das, dass wir deutlich weniger Energie aufwenden müssen, als bei konventioneller Bauweise aufgebracht wird. Die Struktur des Materials hat die Natur bereits selbst vorbereitet. Da es sich bei dem Stein um einen Monolithen handelt, ist die Dämmung in Kammern im Stein enthalten und muss nicht außen aufgebracht werden.

Die im Bau derzeit noch üblichen außen aufgebrachten Wärmedämmverbundsysteme sind styroporähnlich und auch im Brandfall nicht optimal. Wir können bei den Wänden, die aus unserem Werk in Kruft kommen, bei 100 Quadratmetern ca. 20 Kubikmeter Dämmmaterial sparen – nicht nur durch die wegfallende Produktion, sondern auch durch die später nicht notwendige, aufwendige Entsorgung.

Damit verringert der Traumhaus-Konzern seinen CO2-Footprint. Zu Social und Governance zählen wir das vorher erwähnte Aktien-Programm, mit dem die Traumhaus ihre Mitarbeiter am Erfolg des Unternehmens teilhaben lassen möchte. Zudem arbeiten wir konsequent an der strukturellen Professionalisierung des Unternehmens.

Wann wird die sich aktuell noch im Bau befindliche Wandfertigungsfabrik mit der neuen Produktionsstraße fertig sein und was wird sich dadurch für Traumhaus ändern?

Sinner: Der Bau an sich ist abgeschlossen. Seit September arbeiten wir in Kruft daran, die Maschinen aufzubauen, gut 60 Prozent davon sind schon installiert. Bis Ende des Jahres wird der Aufbau weitgehend abgeschlossen sein. Dann könnte es eigentlich losgehen, aber dieses Mal sind wir von Materialverzögerungen betroffen. Da unsere Wandfertigungsfabrik in unmittelbarer Nähe zum Ahrtal liegt, wird dort immer noch mit Priorität ausgeliefert.

Konservativ kalkuliert rechnen wir aber trotzdem mit der Auslieferung der ersten Wände im 1. Quartal 2022. Traumhaus wird durch das Fertigteilewerk noch bessere Qualität liefern. In einem Radius von 250 rund um Kruft/Andernach beliefern wir unsere Baustellen. Wir werden unabhängiger, sind noch effizienter und produzieren umweltfreundlicher. Für uns ist das ein wichtiger Schritt in die Zukunft, wie schon in der Antwort zu ESG ausführlich beschrieben.

Bei Ihren Halbjahreszahlen fallen die massiven Steigerungen beim Umsatz und der Gesamtleistung auf. Das ist vor allem mit den schwachen Zahlen aus dem Coronajahr 2020 zu begründen?

Sinner: Der erste Lockdown von Mitte März bis Mitte Mai 2020 hat als exogener Schock das gesamte öffentliche Leben getroffen. Unternehmen, Institutionen wie auch Mitarbeiter waren auf eine solche Situation nicht vorbereitet. Home-Office, Kontaktsperren und Ausgangsverbote waren dem Geschäftsleben nicht zuträglich.

Wir sollten aber nicht übersehen, dass in diesem Jahr der Lockdown noch einmal deutlich länger war, nämlich von Januar bis Mitte Mai. Die Steigerungen beim Umsatz und der Gesamtleistung sind also keine reinen Nachholeffekte, sondern zeigen letztendlich, wie gut Traumhaus sich organisatorisch auf die Sondersituation eingestellt hat und es kaum Verzögerungen gibt.

Kann man jetzt schon etwas zum Ausblick auf 2022 sagen?

Sinner: Wir sehen positive Indikationen für das Geschäftsjahr 2022. Wir verfügen über eine hohe Umsatz-Projekt-Pipeline von rund 500 Millionen Euro. Diese sichert uns für die nächsten Jahre ein durchschnittliches Umsatzwachstum von mindestens 15 bis 20 Prozent. Konkrete Prognosen für das kommende Geschäftsjahr können wir zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht abgeben. Es muss auch berücksichtigt werden, dass wir gerade erneut rapide steigende Zahlen von Corona-Infektionen sehen und die Politik einen Maßnahmenkatalog zur Eindämmung erstellt, der hoffentlich nicht erneut die Geschäftssituation einschränkt.

Viele Rohstoffe und Materialien sind zuletzt teurer geworden, zudem sind viele Baustoffe knapp. Bei Traumhaus machen sich diese Probleme jedoch kaum bemerkbar. Warum?

Sinner: Langjährige Geschäftsbeziehungen und unsere Flexibilität in Arbeits- und Geschäftsprozessen zahlen sich aus. Unsere Jahreskontingente an Materialien waren bereits geordert, als sich die Verteuerung einstellte. Neue Vertriebsprojekte wurden preislich angepasst. Daher hat die Rohstoff- und Materialverknappung die Traumhaus nur geringfügig betroffen.

Preiserhöhungen, Lieferfristen und Inflation sind Themen, die wir auf dem Markt auch weiterhin genau beobachten, um uns adäquat und noch flexibler auf die aktuellen und ständig wechselnden Situationen einzustellen. Insgesamt spüren wir schon eine Entspannung am Rohstoffmarkt. Wir bezweifeln allerdings, ob dort jemals wieder zu den Ursprungspreisen eingekauft werden kann.

Auch Ihre Lieferanten scheinen in dieser Hinsicht gut aufgestellt zu sein. Wie kommt das?

Sinner: Der Ausbruch der Corona-Pandemie hat für die globale Arbeitsteilung erhebliche Auswirkungen. Vor allem die Lieferung von aus dem Ausland stammenden Rohstoffen oder Vorleistungen ist nicht mehr gewährleistet. Traumhaus arbeitet seit Jahren mit Lieferanten zusammen, die ihre Rohstoffe aus dem regionalen Umfeld beziehen, so dass sie und somit in der Folge auch Traumhaus nicht so stark vom Abreißen der globalen Lieferketten betroffen sind.

Können Sie Preiserhöhungen beispielsweise für Holz oder Stahl weitergeben?

Sinner: Wie oben schon erwähnt, haben wir unsere Preise - auch für Holz und Stahl - für den Verkauf aller Projekte, die noch nicht im Vertrieb waren, angepasst.

Würden Sie steigende Zinsen treffen?

Sinner: Die EZB wird mittelfristig nicht die Zinsen erhöhen und hat jetzt schon angekündigt, dass es 2022 keine Zinserhöhung geben wird, selbst wenn noch bis in den Sommer 2022 eine hohe Inflation in Europa prognostiziert wird. Die Volkswirte der EZB rechnen mit einer durchschnittlichen Inflation im Jahr 2022 von 2,2 Prozent – also im angestrebten Zielkorridor von etwas über 2 Prozent und sehen dementsprechend keinen Handlungsbedarf.

Aufgrund unserer sehr ausgefeilten und günstigen Verkaufspreise dürften die Auswirkungen einer Zinssteigerung bei unserem Geschäftsmodell auch geringer als beim Wettbewerb ausfallen. Unser Geschäft hat auch schon vor dem historischen Niedrigzins sehr gut funktioniert.

Wird es bald weitere geographische Schwerpunkte oder die Eröffnung neuer Büros bei Traumhaus geben?

Sinner: Traumhaus hat bei einer Investorenkonferenz Anfang des Jahres angekündigt, dass Bayern für die Eröffnung neuer Büros interessant ist. Zum Beispiel gibt es in den Randlagen der Metropolregionen von Augsburg oder Nürnberg gute Möglichkeiten, um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen.

Bei Alster Research liegt das Kursziel für die Traumhaus-Aktie bei 26,00 Euro. Davon sind Sie rund 10 Euro entfernt. Straft der Markt Sie wegen der Lage einiger Bauunternehmen aus dem In- und Ausland, die gerade in massiven Schwierigkeiten stecken, mit ab?

Sinner: In der Tat ist die Traumhaus-Aktie vom Kursziel von 26 Euro bei Alster Research noch entfernt. Das heißt, das Potenzial in der Traumhaus-Aktie ist noch immer hoch. Leider wird derzeit noch zu wenig differenziert über die Immobilien- und Baubranche berichtet.

Die Assetklassen Wohnen, Büro und Gewerbe sowie Bestand und Entwicklung werden in der Berichterstattung häufig miteinander vermischt. Das Kerngeschäft der Traumhaus AG ist das serielle Bauen mit Fokus auf bezahlbaren Wohnraum. Damit bewegen wir uns in einem der zukunftsträchtigsten Märkte in Deutschland. Darüber hinaus bilanzieren wir gemäß HGB zum strengen Niederwertprinzip, also ausgesprochen konservativ.

Ich würde mich freuen, wenn der Markt dies auch differenzierter bewerten würde. Außerdem wird auch zu generell über die Rohstoffverknappung und -verteuerung berichtet. Aufgrund der guten und langjährigen Verbindung zu unseren Lieferanten und deren regionalen Bezugsquellen ist Traumhaus auch hier sehr gut aufgestellt. Wir gehen davon aus, dass durch die Berichterstattung über die gute strategische Aufstellung der Traumhaus noch mehr Investoren angesprochen werden und sich damit der Aktienkurs in Richtung 26 Euro bewegt.

Dieses Interview ist eine Kooperation von wallstreet:online mit der Redaktion von www.4investors.de.





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Nachrichtenquelle: 4investors
11.11.2021, 08:44  |  1072   |   |   

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