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Interview ProCredit: Gute Zahlen unterstreichen das nachhaltige Geschäftsmodell

ProCredit Holding erntet 2021 die Früchte der bisherigen Arbeit. Dazu zählt eine starke Eigenkapitalrendite von 10,1 Prozent. Vorstand Gabriel Schor erläutert, wie die weiteren Pläne der Bank aussehen.

Im Gespräch mit unserer Redaktion machen Vorstand Schor und IR-Chef Christian Dagrosa klar, dass man sehr gute Wachstumsaussichten habe. Sie berichten über eine hohe Portfolioqualität und über niedrige Ausfallraten bei Krediten. Verstärkt werden von Kunden grüne Kredite nachgefragt, das Thema ESG stößt in Südosteuropa langsam immer mehr auf Interesse. Attraktiv ist bei ProCredit die Dividendenpolitik, die die Manager unterstreichen. Im Dezember können sich Anleger auf eine neue Ausschüttung freuen.

Ihr Fokus liegt auf der Finanzierung kleiner und mittlerer Unternehmen in Osteuropa. Wie gut sind diese Gesellschaften durch die Krise gekommen?

Schor: Unser Kundenfokus liegt auf kleinen und mittleren Unternehmen, da diese in unseren Kernmärkten in Osteuropa eine substanzielle Bedeutung für die nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung der Volkswirtschaften haben. Die ProCredit Gruppe verfügt dabei als verlässlicher Bankpartner in der Region über langjährig gewachsene Kenntnisse zu den Geschäftsmodellen der KMU und über die auf gegenseitigem Vertrauen basierenden Kundenbeziehungen.

Hier sehen wir, dass die ost- und südosteuropäischen KMU im Allgemeinen bislang besser durch die COVID-19-Pandemie gekommen sind, als es ihnen vielleicht von manchem zugetraut wurde. Wir beobachten eine große Anpassungsfähigkeit bei unseren sorgfältig ausgewählten KMU-Kunden, sodass deren Geschäftsabläufe bislang weitestgehend auch unter erschwerten Rahmenbedingungen aufrechterhalten werden konnten. Trotz aller Schwierigkeiten bei der Bewältigung der aktuell steigenden Herausforderungen schauen viele unserer Kunden weiterhin positiv in die Zukunft, was wir an der hohen Nachfrage im Bereich von Investitionskrediten und grünen Krediten sehen.

In Bulgarien und Rumänien spitzt sich die Corona-Lage derzeit wieder zu. Merken Sie das aktuell in Ihren Geschäften?

Schor: Wir beobachten natürlich die Entwicklungen sorgfältig und sind in einem sehr engen Austausch mit unseren ProCredit Banken in Bulgarien und Rumänien. Das gilt aber auch für alle weiteren 10 Banken unserer Gruppe. Bisher wurden keine weitreichenden Lockdown-Maßnahmen getroffen, die die Marktbedingungen wesentlich beeinträchtigen würden. Aber Ungewissheit über die Entwicklung ist in den Märkten wahrnehmbar.

Für unsere eigenen Geschäftsabläufe sind wir jedoch aufgrund des hohen Digitalisierungsgrades sehr zuversichtlich, dass wir unsere Geschäftsprozesse bei eventuellen Lockdown-Maßnahmen wie im bisherigen Verlauf der Pandemie aufrechterhalten können. Darüber hinaus sind wir über die hohe Impfbereitschaft unserer Belegschaft erfreut, die in allen Banken zu einer Impfquote von nahezu 100 Prozent geführt hat. Es erleichtert uns sehr, dass unsere Kolleginnen und Kollegen somit weitgehend vor schweren Krankheitsverläufen geschützt sein sollten.

Das dritte Quartal hat an die positive Entwicklung des ersten Halbjahres angeschlossen. Wie fällt Ihre Bewertung aus?

Dagrosa: Über die ersten neun Monate 2021 zeigt die ProCredit Gruppe in der Tat eine sehr erfreuliche Geschäftsentwicklung. Wir sind voll auf Kurs, die ausgegebenen Jahresziele zu erreichen, die wir ja bereits im Verlauf des Jahres 2021 nach oben angepasst hatten. Bis Ende September ist das Kreditportfolio bereits um mehr als eine halbe Milliarde Euro und damit um gut 10 Prozent gewachsen.

Gleichzeitig konnten wir die Profitabilität deutlich steigern und liegen nun mit einer Eigenkapitalrendite von 10,1 Prozent in den ersten neun Monaten 2021 im Bereich unserer Mittelfristprognose von 10 Prozent. Im Jahr 2019 konnten wir unsere umfassende Gruppenrestrukturierung erfolgreich abschließen und wir sehen die Ergebnisse in 2021 auch als Ergebnis der Investitionen in den vergangenen Jahren. In dieser Phase haben wir signifikant in Digitalisierung investiert und gruppenweit unser Direktbankkonzept ProCredit Direct eingeführt.

Als Folge dieser Maßnahmen konnten wir die Anzahl an Filialen um mehr als 90 Prozent und die Mitarbeiterzahl um mehr als 70 Prozent reduzieren. Heute bedienen wir unsere Privatkunden ausschließlich über digitale Kanäle. Seit Abschluss dieser Maßnahmen verbessert sich die Kosteneffizienz unserer Gruppe stetig und unterstützt so die strukturelle Profitabilität. Für die nächsten Jahre sehen wir das Potenzial, unser Geschäft auf Basis unserer starken Kundenbeziehungen und hoch digitalisierten Strukturen weiter zu skalieren.

Bleibt es bei der bisher kommunizierten Prognose oder könnte es noch eine Überraschung geben?

Dagrosa: Unser Jahresergebnis wird sich aus heutiger Sicht im Bereich der im Juli angehobenen Prognose bewegen, die unter anderem ein währungsbereinigtes Portfoliowachstum um ca. 10 Prozent vorsieht. Bei der Eigenkapitalrendite gehen wir aus heutiger Sicht davon aus, dass sie zum Jahresende am oberen Ende des prognostizierten Korridors von 8,0 bis 9,5 Prozent liegen wird. Auch das Kosten-Ertrags-Verhältnis, für das wir einen Wert von ca. 65 Prozent prognostiziert hatten, wird voraussichtlich die 65 Prozentmarke nicht übersteigen.

Unsere außerordentliche Hauptversammlung am 8. Dezember 2021 wird über den bereits angekündigten Vorschlag einer weiteren Dividendenzahlung für das Geschäftsjahr 2020 in Höhe von 0,35 Euro je Stammaktie entscheiden. Auch hiermit würden wir somit unserer Prognose und Dividendenpolitik folgen, die eine Ausschüttung von einem Drittel unseres jeweiligen Jahresergebnisses an unsere Aktionäre vorsieht.

Wie sehr ist das Thema Risikovorsorge bei Ihnen auf der Agenda?

Dagrosa: Die Portfolioqualität auf einem hohen Niveau zu halten, ist ein wichtiger Bestandteil unseres Geschäftsmodells, wodurch wir nachhaltig geringe Risikokosten erzielen, die wiederum eine langfristig stabile Ertragslage unterstützen. Die Aufwendungen für Risikovorsorge sanken für die ersten neun Monate auf 3,2 Millionen Euro nach 21,1 Millionen Euro im Vorjahr und entsprechen einem Niveau von 8 Basispunkten relativ zu unserer Portfoliogröße.

Notleidende Kredite machten zum 30. September einen Anteil von nur 2,6 Prozent des gesamten Kreditportfolios aus. Die ProCredit Gruppe hebt sich mit dieser guten Portfolioqualität deutlich vom Wettbewerb in der Region Ost- und Südosteuropa ab. Die dortigen Bankensektoren weisen strukturell deutlich höhere Ausfallraten aus, auch weil dort das Geschäft mit unbesicherten Konsumentenkrediten stark verbreitet ist.

Unser Geschäft hingegen ist auf die Vergabe von Krediten an transparente, digitalisierte und innovative KMU ausgerichtet, wobei bei allen Kunden eine intensive und vollumfängliche Kreditanalyse betrieben wird, die weit über die oft eindimensionale Betrachtung von Finanzzahlen und anderen quantitativen Indikatoren hinausgeht. Der Kontakt zu allen unseren KMU Kunden ist im höchsten Maße personalisiert, wodurch Kreditrisiken früh erkannt und mitigiert werden können. Kredite an Privatkunden spielen eine untergeordnete Rolle und bestehen in aller Regel aus gut besicherten Eigenheimfinanzierungen.

Experten rechnen in den kommenden Jahren mit einem Wachstumsschub bei ProCredit. Was sind aus Ihrer Sicht die Hauptimpulsgeber?

Schor: Es ist zunächst hervorzuheben, dass unser Kreditportfolio in den letzten Jahren kontinuierlich um 10 Prozent pro Jahr gewachsen ist. Wir setzen dabei ausschließlich auf organisches Wachstum in den Ländern, in denen wir aktiv sind. Der wichtigste Wachstumstreiber ist unsere klar definierte Marktposition als spezialisierte KMU-Bank.

Unser Verständnis von verantwortungsbewusstem Bankgeschäft hat zudem dazu geführt, dass in unseren Märkten sehr deutlich wahrgenommen wurde, wie die ProCredit Banken auch in den herausfordernden Zeiten der COVID-19-Pandemie ihre Kunden konsequent bei ihren Investitionsprojekten unterstützt haben. Diese Positionierung als echte Hausbank und starker Partner für KMU -in guten wie in schlechten Zeiten- ist ein klarer Wettbewerbsvorteil und begründet unsere weiterhin guten Wachstumsaussichten.

Sie wollen mittelfristig einen ROE von 10 Prozent schaffen. Analysten halten dies teils für zu konservativ. Betreiben Sie Understatement?

Dagrosa: Die Eigenkapitalrendite von 10 Prozent war das mittelfristige Ziel, das zu Zeiten unseres Listings an der Frankfurter Börse Ende 2016 ausgegeben wurde. Diesen Zielwert haben wir nun zum 30. September dieses Jahres erreicht. Dieser Meilenstein verdeutlicht, dass in den ProCredit Banken in den letzten Jahren sehr erfolgreich Transformationsschritte zur Stärkung der Profitabilität umgesetzt wurden, wie zum Beispiel unser Wandel in Richtung eines Direktbankkonzepts.

In den Jahren 2022 und 2023 wollen wir uns darauf konzentrieren, unser Profitabilitätsniveau weiter zu festigen, in dem wir unser Geschäft weiter ausbauen und Kosten stabil halten. Ein nachhaltig höheres Profitabilitätsniveau wird vor allem davon abhängen, wie wir unser Geschäft auch nach 2023 skalieren können und wie sich die Inflation in unseren Ländern entwickelt. Generell würde unser Geschäft natürlich, wie das von den meisten anderen Banken auch, von höheren Leitzinsen profitieren. Wie jedes Jahr werden wir in unserem Jahresabschluss 2021, der Ende März 2022 erscheinen wird, detailliert über die kurz- und mittelfristigen Chancen unserer Gruppe berichten und in diesem Kontext auch unsere mittelfristige Prognose für die Eigenkapitalrendite erörtern.

Zuletzt wurden Sie bei der Dividende ausgebremst, jetzt dürfen Sie wieder eine Ausschüttung vornehmen. Wie sieht hier Ihre Politik aus?

Schor: Zur Positionierung der ProCredit Holding am Kapitalmarkt zählt, dass wir für jedes Geschäftsjahr ein Drittel des Konzernergebnisses als Dividende ausschütten wollen. 2020 sind wir den COVID-19-bedingten regulatorischen Vorgaben zur Dividendenausschüttung gefolgt. Der für Dezember anberaumten außerordentlichen Hauptversammlung schlagen wir vor, zusätzlich zu der bereits im Mai erfolgten Zahlung eine weitere Ausschüttung in Höhe von 0,35 Euro je Aktie zu beschließen. Damit würde im Sinne unserer Dividendenpolitik ein Auszahlungsniveau erreicht, das kumuliert für die Jahre 2019 und 2020 einer Dividendenzahlung in Höhe von einem Drittel des Konzernergebnisses entspricht. In Zukunft planen wir weiterhin ein Drittel der Konzerngewinne an unsere Aktionäre auszuschütten.

Vor wenigen Wochen haben Sie erstmals einen Kapitalmarkttag durchgeführt. Wird dies eine Tradition werden?

Schor: Mit dem Kapitalmarkttag und dem regen Interesse von Investoren- und Analystenseite waren wir sehr zufrieden. Auch das positive Feedback, das uns von mehreren Seiten erreicht, freut uns sehr. Die Liquidität unserer Aktie in den kommenden Jahren zu erhöhen, ist von strategischer Wichtigkeit für uns. Neben Konferenzteilnahmen und Roadshows sollen daher zukünftig auch Kapitalmarkttage Teil der Maßnahmen sein, mit denen wir unsere Präsenz am Kapitalmarkt kontinuierlich ausbauen wollen.

Auf diesem Kapitalmarkttag waren grüne Kredite ein Thema. Ist das ein Pfeiler für die Zukunft?

Schor: Die Vergabe von „grünen“ Krediten für Investitionen beispielsweise in erneuerbare Energien oder in energieeffiziente und ressourcenschonende Produktion ist für ProCredit kein neu auserkorenes Zukunftsthema, sondern bereits seit mehreren Jahren ein wichtiger Pfeiler der Strategie.

Diese Kredite sind einer der Wege, wie wir aus ökologischer und sozialer Perspektive einen positiven Beitrag zur Entwicklung der Volkswirtschaften und zum Erhalt einer lebenswerten Umwelt leisten wollen. Zum 30. September machte das grüne Portfolio mit rund 1,1 Milliarden Euro einen Anteil von ca. 20 Prozent am Gesamtportfolio aus und wir erwarten, dass es in Zukunft weiter stark wachsen wird.

Wie sehr spielt das Thema ESG in Osteuropa eine Rolle?

Schor: Das Bewusstsein für ESG-Themen ist in unseren Ländern noch nicht sehr ausgeprägt. Deshalb ist es eine große Herausforderung für diese Region, ökonomisches Wachstum zu generieren und dabei gleichzeitig die Umwelt- und Sozialstandards zu verbessern. Unsere gut ausgebildeten Mitarbeiter sind daher ständig im Dialog mit unseren KMU-Kunden, um gemeinsam mit ihnen zu erörtern, wie Investitionen in Hinblick auf Nachhaltigkeit oder Energieeffizienz weiter optimiert werden können. Das tun sie sehr erfolgreich, wie das Wachstum unseres grünen Portfolios zeigt.

Was sind die Themen, die die Unternehmen dort momentan vor allem beschäftigen?

Dagrosa: Die Themen sind vergleichbar zu den Herausforderungen, mit denen Unternehmen auch hierzulande konfrontiert sind. Aktuell gehören dazu zum Beispiel Engpässe in globalen Lieferketten, steigende Energiepreise oder die Bindung von qualifiziertem Personal. Für ProCredit sehen wir vor diesem Hintergrund viel Potenzial, um unsere Kunden unter anderem bei Investitionen in energieeffiziente Produktionsstätten oder in Anlagen zur Erzeugung von erneuerbaren Energien oder bei der Schaffung von attraktiven Arbeitsbedingungen zu unterstützen.

Ihr Kreditportfolio ist über die ersten drei Quartale um 10 Prozent gewachsen und damit bereits in etwa so stark wie im Gesamtjahr 2020. Wie hoch ist die Ausfallquote bei Krediten?

Dagrosa: Wir folgen bei der Neukundengewinnung sehr strengen Auswahlkriterien und arbeiten nur mit sorgfältig ausgewählten, soliden und transparenten KMU zusammen. Darüber hinaus beginnen wir Geschäftsbeziehungen nur selten unmittelbar mit einer Finanzierung, sondern lernen unsere Kunden zunächst über Konto- und Transaktionsdienstleistungen kennen. Diese Sorgfalt in der Kundenauswahl hat es uns ermöglicht, dass unsere Portfolioqualität auch bei starkem Portfoliowachstum nicht leidet. Der Anteil notleidender Kredite am Gesamtportfolio belief sich zum 30. September 2021 auf nur 2,6 Prozent.

Sie haben Ihr Filialnetz um rund 90 Prozent reduziert und die Digitalisierung vorangetrieben. Ist eine besondere Beziehung zum Kunden bei Ihren Zielgruppen nicht von besonderer Bedeutung?

Dagrosa: Die Digitalisierungsmaßnahmen betrafen vor allem den auf Einlagengeschäft konzentrierten Privatkundenbereich. Hier agiert ProCredit mittlerweile ausschließlich als Direktbank, weshalb Filialnetz und Personalstand in den letzten Jahren so stark reduziert wurden. Unser KMU Geschäft wird unverändert als “Relationship-Banking” ausgestaltet. KMU-Kunden treffen wir nach wie vor mehrmals im Jahr persönlich und wir pflegen sehr enge Beziehungen zu all unseren KMU Kunden, was ein zentrales Element unseres Hausbankkonzepts ist.

Sie wollen die führende KMU-Bank in Ihren ost- und südosteuropäischen Kernmärkten sein. Wie ist dort die Wettbewerbssituation?

Dagrosa: Im Segment Südosteuropa begegnen uns im Wettbewerb vor allem größere west- und mitteleuropäische Bankengruppen, die dort als Universalbanken auftreten. In den Segmenten Osteuropa und Südamerika sehen wir in erster Linie lokale Wettbewerber. In allen Märkten ist ProCredit entweder die einzige oder eine von nur wenigen spezialisierten KMU-Banken mit echtem Hausbankkonzept. Die Reputation, KMU als langfristiger Partner durch alle Konjunkturphasen hindurch zu begleiten, ist dabei für uns der wichtigste Wettbewerbsvorteil.

Dieses Interview ist eine Kooperation von wallstreet:online mit der Redaktion von www.4investors.de.







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Nachrichtenquelle: 4investors
12.11.2021, 08:01  |  818   |   |   

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