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Aktien-Strategie Hat es Warren Buffett noch drauf? – Gründe für die Ladehemmung des Altmeisters

Wieder einmal kommt Warren Buffett nicht in die Puschen. Er hortet lieber Cash-Berge statt mehr in Aktien zu investieren. Was soll das? Erklärungsversuche von Top-Kapitalmarktexperten.

Aus den letzten meldepflichtigen Unterlagen, die Warren Buffetts Berkshire Hathaway einreichen musste, geht hervor, dass der Godfather of Investment nur kleinere Aktienpakete von Royalty Pharma und Floor & Decor erwarb und eine Beteiligung an Chevron aufstockte.

Er reduzierte bei Abbvie, Bristol-Myers Squibb, Visa, Mastercard, Merck, Organon & Co und Liberty Global. Aber unterm Strich wenig Veränderung in Buffetts Portfolio: Der Großteil seines Aktien-Portfolios steckt in Apple, Bank of America, Coca-Cola und American Express.

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Über einen Zeitraum von nunmehr einem Jahr hat die Investorenlegende mehr Aktien verkauft als neue hinzugeordert. Währenddessen kauft er in großem Umfang Berkshire Hathaway-Aktien zurück.

„Wie interpretieren Sie Warren Buffetts derzeitige Zurückhaltung bei Aktien-Investments? Inwieweit können sich Aktien-Anleger noch an Buffetts Investment-Strategien orientieren? Pulver trocken halten, bis der erste Rücksetzer kommt, um auf moderatem Bewertungsniveau wieder einzusteigen? Oder voll rein in die Hausse, aufstocken und Gewinn mitnehmen, wo es geht?“, wollten wir von erfahrenen Kapitalmarkt-Kapitänen wissen.

DekaBank

Joachim Schallmayer, Leiter Kapitalmärkte und Strategie bei der DekaBank, beschreibt zuerst das aktuelle Marktumfeld und wagt dann eine Deutung, warum Warren Buffett sich derzeit so defensiv gibt: „Liegt der Fokus auf US-Aktien, dann wird es tatsächlich zunehmend schwierig, günstig bewertete Aktientitel zu finden. Die Kurse in den USA sind deutlich stärker als die Unternehmensgewinne angestiegen, dementsprechend haben sich die Bewertungen ausgeweitet. Besonders stark ist dies in den Wachstumssegmenten des Aktienmarktes zu beobachten. Dennoch lassen sich auch in den USA günstig bewertete Aktientitel selektieren, die gleichzeitig vielversprechende Wachstumsaussichten haben“, so Schallmayer.

Der DekaBank-Stratege erklärt sich die „Hemmung“ des erfolgreichsten Aktien-Investors der Welt wie folgt: „Für Warren Buffett dürften die hohen, anzulegenden Geldbeträge ein Hemmnis darstellen und die Zurückhaltung zumindest zu einem Teil erklären, da sich die Anlagestrategie vor allem auf die hochkapitalisierten Bereiche des Aktienmarktes einengt.“

Und was heißt das jetzt für uns Anleger? Wer dem Investmentansatz des Warren Buffett folge, sollte „vor allem auch in andere Regionen der Welt blicken, denn hier haben sich die Bewertungsrelationen im Vergleich zu vor der Krise nicht ausgeweitet und befinden sich für die großen Indizes in Deutschland, Europa oder den Schwellenländern auf vollkommen unauffälligen Niveaus“, argumentiert Joachim Schallmayer.

Platow

Ehrfürchtig äußert sich Klaus Brune, Leiter des Börsenressorts beim Platow Verlag: „Ich würde mich nie trauen, die Anlagestrategie von Warren Buffett infrage zu stellen. Dafür hat der Altmeister mit seinen 91 Jahren eine zu große Lebensleistung hingelegt. Wer sich zudem seine wichtigsten Beteiligungen ansieht, erkennt schnell die Klasse seiner Diversifikation: Apple für Growth und Technologie, Coca-Cola als langfristigen Value-Titel und dazu einen Schuss Finanztitel (Bank of America, American Express), was in den USA (anders als bei uns) großen Sinn macht“, führt Brune aus.

Aber hat Warren Buffett jetzt seinen „magischen Touch“ verloren? „Nein, er bleibt sich einfach treu. Zwei Grundsätze bestimmen seine Aktienphilosophie: 1. Kaufe nur Aktien, die Du im Idealfall für immer halten willst. 2. Kaufe unterbewertete Aktien, um langfristig zu verdienen“, so Klaus Brune.

Und weiter: „Punkt 1 ließe sich auch heute sicherlich noch problemlos erfüllen. Die Schwierigkeiten fangen an, wenn man beginnt, auf die Suche nach ‚unterbewerteten‘ Aktien zu gehen, die gleichzeitig lebenslang im Portfolio bleiben sollen. Aktuell sind solche Qualitätsaktien einfach nicht billig zu haben. Dafür gibt es genügend Gründe (die Zentralbanken, die Geldschwemme, die Preisverderber von Private Equity)“, weiß der erfahrene Aktienanalyst.

Kursraketen?

Das Platow-Team sei aber der Auffassung, dass echte Qualität durchaus ihren Preis haben könne und trotzdem für Anleger interessant sei. „Wir wollen nicht ‚billig‘ kaufen, sondern ‚werthaltig.‘“

Die Frage bleibt, welche Aktien jetzt Sinn machen. „Es gibt auch aktuell durchaus noch interessante Titel, auch wenn sie nicht leicht zu entdecken sind und sich kurzfristig nicht als Kursraketen herausstellen. Bei vielen Titeln hatten wir Ende September ein schönes Kauffenster. Ich könnte mir gut vorstellen, dass vor der tatsächlichen Jahresendrally (das Kursfeuerwerk Anfang November war nur ein Zwischengestöber) noch einmal ein solches Fenster aufgeht. Und da gilt es dann, mit klaren Kriterien eine gute Auswahl an Titeln parat zu haben. Wir achten dabei auf hohe Kapitalrenditen, einen klaren, beständigen Wachstumskurs und eine gesunde Bilanz“, rät Klaus Brune von PLATOW und kommt noch einmal auf Warren Buffett zurück: „Zur Verteidigung von Warren Buffett sei eines noch gesagt: Wir haben auch nicht das Problem, 143 Mrd. US-Dollar allokieren zu müssen. Mit kleineren Volumina lässt sich am Markt wesentlich unbemerkter eine gute Position aufbauen“, schließt der Analyst.

Flossbach von Storch

„Leider kann ich Ihnen nicht sagen, was Buffett gegenwärtig umtreibt“, beginnt Thomas Mayer, Gründungsdirektor des Flossbach von Storch Research Institute. Er vermutet aber, dass Warren Buffett seiner Linie treu bleibe: „Ich weiß nur, dass er aus der Sicht eines Unternehmers anlegt und sich nicht vor der Konzentration seines Portfolios auf eine überschaubare Zahl an Beteiligungen scheut. So gesehen könnte man aus seinem gegenwärtigen Portfolio schließen, dass er den darin enthaltenen Unternehmen ein besonders gutes Gewinnwachstum zutraut und darüber hinaus wenig weitere Unternehmen sieht, deren intrinsischer Wert über dem Aktienpreis liegt“, meint Mayer.

Unternehmerisch denken

Privatanleger könnten jetzt von Buffett lernen, ebenso unternehmerisch zu denken wie er und die Aktienanlage als langfristige Beziehung zu einem Unternehmen zu betrachten, rät der renommierte Kapitalmarktexperte. „Diesen Ansatz können sie selbst umsetzen oder, wenn sie Buffett direkt folgen wollen, mit einer Aktienanlage in Berkshire Hathaway einkaufen. Anleger im Euroraum sollten aber bedenken, dass es in den USA wieder positive Zinsen auf kurzlaufende Geldanlagen gibt. Buffett kostet eine erhöhte Kassenhaltung also weit weniger als einen Euroanleger“, so Mayer.

Autor Christoph Morisse, wallstreet:online Zentralredaktion


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18.11.2021, 15:56  |  20826   |   |   

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Kommentare

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18.11.21 22:33:32
Bild: 1213_20211118223156_brk

Berkshire Hathaway Class B versus S&P 500 INDEX
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18.11.21 22:31:39
der Altmeister muss nur warten.

ist ja nichts Neues und kam schon ab und zu vor.

Disclaimer

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