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Subsidiarität – oder: Warum soll ich dem anderen mehr zutrauen als mir

Dr. Markus Krall hat in seinem jüngsten Buch „Freiheit oder Untergang“ das sogenannte Subsidiaritätsprinzip stark betont (z.B. S. 227ff), weshalb ich es in diesem Beitrag eigens aufgreifen will. 

Ideengeschichtliche Entwicklung 

Ausgehend vom griechischen Philosophen Aristoteles und in der mittelalterlichen Scholastik namentlich vom großen Philosophen und Theologen Thomas von Aquin aufgenommen und weiterentwickelt, hat das Subsidiaritätsprinzip auch in der Neuzeit seine Spuren in der Ideengeschichte hinterlassen, etwa ganz zu Beginn des 17. Jahrhunderts bei Johannes Althusius innerhalb des politischen Calvinismus (Jean Calvin, 1509-64, war Gründer eines Hauptzweiges der protestantischen Reformation). Im 19. Jahrhundert wird der Subsidiaritätsgedanke vor allem im Liberalismus und in der katholischen Soziallehre ausgeprägt. Letztere entwickelt sich insbesondere auch im Spannungsfeld der sozialen Frage, der Arbeiterfrage. 

Zum praktisch-politischen Erfahrungshintergrund, der dazu beigetragen hat, dass man sich innerhalb der katholischen Geisteswelt dieses wichtigen Prinzips eines christlichen Menschenbildes bewußter geworden ist und ein entsprechendes Konzept fortschreitend ausformulierte, gehörte nicht zuletzt auch die gesellschaftliche und politische Situation in den deutschsprachigen Ländern nach Gründung des Deutschen Kaiserreiches 1871. Obschon durch die Reichsgründung unter preußischer Führung der katholische Bevölkerungsteil in eine gewisse Minderheitenposition geriet und insbesondere im akademischen Bereich auf längere Zeit hin unterrepräsentiert blieb, so zeigte sich trotz Bismarcks anti-katholischer Politik (Stichwort: Kulturkampf) und eines säkularen Zeitgeistes die katholische Welt doch vital. So nahm etwa die Zahl der katholischen Vereinsgründungen zu (darunter die Gesellenvereine von Adolph Kolping, 1813–1865). Zusammen mit vielen anderen Vereinen, wohltätigen Stiftungen und sozialen Einrichtungen konfessioneller und nichtkonfessioneller Ausrichtung wuchs das für das Kaiserreich typische „staatsferne“ Vereinsmilieu heran (s. wikipedia, Subsidiarität, v.1.10.21), das Deutschland bis in unsere Tage hinein prägt und wodurch Subsidiarität auch praktisch gelebt wird. 

Was die Ausformulierung der Soziallehre angeht, so ist hier namentlich zu nennen Wilhelm Emmanuel Freiherr von Ketteler (1811-1877), Bischof von Mainz, der aufgrund seines hohen Engagements in der sozialen Frage anerkennend auch Arbeiterbischof genannt wurde und die Gründung von Kath. Arbeitervereinen unterstützte. Auch der Kapuziner-Orden hat in Theorie und Praxis seinen Beitrag geleistet. 

Seinen Niederschlag und weltkirchliche Geltung gefunden hat diese theoretische und praktische Arbeit vor allem aus dem deutschsprachigen Raum in mehreren päpstlichen Enzykliken: 1891 die Enzyklika „Rerum Novarum“ von Papst Leo XIII.; 1931 die Sozialenzyklika „Quadragesimo anno“ von Papst Pius XI. „über die gesellschaftliche Ordnung“ (maßgeblich mitformuliert von den dt. Jesuiten Gustav Gundlach SJ und Oswald von Nell-Breuning SJ). Papst Pius XI. „entwarf unter dem Eindruck zunehmender zentralistischer und totalitärer staatlicher Tendenzen einen Gesellschaftsansatz, der das Individuum im Rahmen seiner individuellen Leistungsfähigkeit zum Maßstab und zur Begrenzung überindividuellen Handelns machte“ (wikipedia, Subsidiarität, v.1.10.21).
Gerade in letzterer findet sich eine klassische Formel des Subsidiaritätsprinzips: „Wie dasjenige, was der Einzelmensch aus eigener Initiative und mit seinen eigenen Kräften leisten kann, ihm nicht entzogen und der Gesellschaftstätigkeit zugewiesen werden darf, so verstößt es gegen die Gerechtigkeit, das, was die kleineren und untergeordneten Gemeinwesen leisten und zum guten Ende führen können, für die weitere und übergeordnete Gemeinschaft in Anspruch zu nehmen. Jedwede Gesellschaftstätigkeit ist ja ihrem Wesen und Begriff nach subsidiär; sie soll die Glieder des Sozialkörpers unterstützen, darf sie aber niemals zerschlagen oder aufsaugen.“ (Papst Pius XI., Enzyklika Quadragesimo anno, Nr. 79) 

Fragestellung und Kontext 

Viele sehnen sich nach einer heilen Welt, im persönlichen, familiären, beruflichen, gemeinschaftlichen, ökologischen Umfeld - und zugleich machen wir seit Jahrtausenden die Erfahrung, dass wir diese heile Welt nicht selbst aufbauen können! So manche Weltverbesserer und Menschheitsbeglücker schlagen ihre Lösungen nicht nur vor, sondern versuchen sie auch mit unlauteren Mitteln durchzusetzen, die im Extremfall auch vor physischer oder geistiger Gewalt nicht zurückschrecken. Nicht nur im letzten Jahrhundert sind diese Versuche krachend gescheitert und haben das menschliche Leid nur vermehrt. 
Daraus sollten wir lernen und uns nüchtern der Realität stellen, uns der Realität weder verweigern noch sie leugnen: wir werden aus dieser Welt das Unheil (Not, Leid, Tod, Ungerechtigkeit etc) nicht verbannen können; wir werden auch nicht den neuen, idealen (heute: transhumanen) Menschen bauen oder erziehen können! 
Wer das Paradies aus eigener Vollmacht wiedererrichten will, bereitet die Hölle. - Das Paradies war ein Geschenk! 

Andererseits wollen wir uns von Kindesbeinen an mit Ungerechtigkeit, Not, Leid, Tod nicht abfinden. Die Menschheitsgeschichte ist also zu jeder Zeit durchzogen von der Frage: Wie schaut - unter den Bedingungen der bestehenden conditio humana - eine einigermaßen gerechte Gesellschaftsordnung aus? Was müssen die grundlegenden und die konkreteren Prinzipien sein, die (bei allen Mängeln, Schuld und Grenzen) ein individuelles und gemeinschaftliches Leben gewährleisten, das dem Menschen einigermaßen gerecht wird und Schlimmeres vermeidet (und mit deren Hilfe wir falsche Versprechungen besser unterscheiden können)? 

Das ist der Horizont, vor dem auch die Arbeit und das Engagement der Atlas-Initiative steht! 
Die zentrale Grundfrage lautet darum (vgl. Immanuel Kant): Wer ist der Mensch? Was soll er tun? Was kann er wissen? 

Diese Frage beschäftigt die Menschheit immer, zumal aber in Krisenzeiten. Wir leben in einer epochalen Krisenzeit und müssen diese großen, grundlegenden Fragen stellen und (im Kontext der großen europäischen Geistesgeschichte und der heutigen Zeit) durchdenken und schließlich uns auch für bestimmte Lösungen begründet entscheiden. 
Wir dürfen Antwort und Umsetzung darauf nicht lethargisch anderen überlassen! 
Die Antwort auf die oben gestellte Frage hängt wesentlich ab vom Menschen- und Weltbild, bzw. es spiegeln sich in einer Antwort auf diese Frage Anthropologie, Metaphysik und Geschichtsphilosophie des Denkers (mag ihm das bewußt sein oder nicht)! 

[In christlicher Perspektive, die das Abendland doch bis weit in die Aufklärung maßgeblich geprägt hat, ist zu fragen:  Welches sind die Fundamente und Grundprinzipien einer Gesellschaftsordnung, die dem Menschen in einer Welt nach dem Sündenfall entspricht. Die christliche Antwort wird insbesondere das Herrenwort bedenken, das dem Schächer verheißt: „Noch heute wirst du mit mir im Paradiese sein!“, was bedeutet: a) Jedes innerweltliche Versprechen (also eines Menschen oder einer Menschengruppe) einer gerechten Welt in dieser Erdenzeit, eines „Paradieses auf Erden“, ist ein falsches, irreführendes und unheilschwangeres Versprechen; es würde bedeuten, der Mensch könnte sich selber, aus eigenem Können erlösen. Und es heißt b): Das Paradies, die heile Welt war und wird sein ein Geschenk Gottes. Genau darum übrigens können wir Menschen es nicht machen; könnten wir es, hätten wir genau das Entscheidende verloren: sein Gegeben-Sein! Natürlich kann ich mir selber Blumen pflücken; aber geschenkt … - „Tra un fiore colto e l'altro donato / l'inesprimibile nulla.“ (Giuseppe Ungaretti) Zwischen einer gepflückten Blume und einer andern geschenkten / das unausdrückbare Nichts! Der entscheidende Unterschied! - Soweit zum ideologiekritischen Potential und antitotalitären Charakter des katholischen Glaubens.]]. 

Wir dürfen von keiner menschlichen Ordnung schlechthinnige Gerechtigkeit erwarten. … Wohl aber gibt es bessere und schlechtere Entwürfe, angemessenere und unangemessene. Es geht um die richtigen Grundlagen und Prinzipien, um in einer gefährdeten Welt, die sich in Schieflage befindet (der Handlungsträger, die menschliche Person, ist Sünder), Wohlergehen zu ermöglichen. Aber keine äußere Ordnung, möge sie auch „perfekt“ sein, kann den Menschen, der innerlich in Unordnung geraten ist (was jeder sehen kann, wenn er sich seiner eigenen Wahrheit stellt), ausschalten. 
Nachdem die Zeit nicht dafür reicht, von den Fehlformen her eine wirklichkeitsnahe Anthropologie zu entwerfen, gehe ich den umgekehrten Weg und zeichne einige Grundzüge. 

Anthropologie: Der Mensch ist Person

Der Mensch existiert in mehreren verschiedenartigen Spannungsbögen, die keine goldene Mitte kennen, vielmehr lebt er diese Polaritäten in verschiedener Weise (wichtig ist nur, den Spannungsbogen zu halten und nicht in Einseitigkeiten, in -ismen, gar Extreme abzurutschen, weil dann der eine wie der andere Pol sich auflöst und der Mensch auch praktisch in Inhumanität abgleitet): Geist - Leib, Mann - Frau, Individuum - Gemeinschaft. (In jeweils verschiedener Weise ! existieren die Pole einerseits eigenständig, sind aber andererseits wesensmäßig aufeinander bezogen!) 

Der Mensch existiert als Individuum (Person), dies aber als Gemeinschaftswesen. Das Ich erwacht am Du, ohne vom Du konstituiert zu werden.  Zur Zeugung des Kindes braucht es Mann und Frau (zwei Menschen), es entspringt einer Gemeinschaft. … Der einzelne Mensch existiert von vornherein als Mit-Seiender. Person (als Träger von Vernunft, freiem Willen und Gewissen) verwirklicht sich im Mitsein. Das zeigt sich auch im Wesen der Sprache: sie ist nicht zuallererst Begriff und Informationsweitergabe (hier verliert sie an Präzision), sondern Name und An-Sprache (hier ist sie exakt treffend, das andere bildet sich als ihr Hof drumherum). 

Damit ist in Leben und Lehre ein eigentlicher Individualismus als auch Kollektivismus ausgeschlossen! 

Auch eine einseitige Überbetonung etwa der Selbstbestimmung entlarvt sich so als Ideologie (Verabsolutierung eines einzelnen Aspektes). Eben weil der Mensch wie alles Geschöpfliche nicht absolut ist, vollzieht sich sein Sein auch wesentlich als von anderen bestimmt: er tritt nicht aus eigenem Willen ins Dasein; sein Name wird ihm zugesprochen [er ist ein Wesen der Ansprache]; er lächelt zurück, angesprochen beginnt er zu sprechen [und seine Muttersprache kann er sich nicht aussuchen; dass er aber sprechen kann, ist ihm mitgegeben], usw.  Mit anderen Worten: der Mensch ist Geschenk. Sein ist (Vor-)Gabe. Er hat sich nicht gemacht und er kann sich nicht machen. Was zugleich auch heißt: Geschöpflichkeit (und mit ihr Endlichkeit und Grenze) ist gut! 

Alle modernen Ideologien beruhen auf einer Leugnung der Realität, auf einer Weigerung, die Wirklichkeit als vorgegebene anzunehmen: vom (nationalen oder internationalen) Sozialismus und Kommunismus bis zum Transhumanismus, von der Gender-Theorie bis hin zur Modern Monetary Theory, usw. 

Sozialethik: zum Subsidiaritätsprinzip

Sozialethisch bedeutet das Personprinzip, dass der (einzelne) „Mensch der Träger, Schöpfer und das Ziel aller gesellschaftlichen Einrichtungen“ (Papst Johannes XXIII., Enzykl. Mater et Magistra, n.219) ist. Grund und Ausgangspunkt, sinngebende Mitte und Ziel der rechten Ordnung des gesellschaftlichen Ganzen ist die Person. 
Dieses Fundament wird sozialethisch abgesichert durch das Subsidiaritäts- und das Solidaritätsprinzip. Das Wort Subsidiarität ist abgeleitet vom lateinischen subsidium, was ‚Hilfe‘, ‚Reserve‘ bedeutet. 

Seine klassische Formulierung fand das Subsidiaritätsprinzip, wie gesagt, 1931 in der Sozialenzyklika Quadragesimo anno von Papst Pius XI.: „Wie dasjenige, was der Einzelmensch aus eigener Initiative und mit seinen eigenen Kräften leisten kann, ihm nicht entzogen und der Gesellschaftstätigkeit zugewiesen werden darf, so verstößt es gegen die Gerechtigkeit, das, was die kleineren und untergeordneten Gemeinwesen leisten und zum guten Ende führen können, für die weitere und übergeordnete Gemeinschaft in Anspruch zu nehmen; jedwede Gesellschaftstätigkeit ist ja ihrem Wesen und Begriff nach subsidiär; sie soll die Glieder des Sozialkörpers unterstützen, darf sie aber niemals zerschlagen oder aufsaugen.“ 

Was also zunächst vom Einzelnen in seinem Verhältnis zur Gemeinschaft gilt, läßt sich auch anwenden auf das Verhältnis zwischen unterschiedlichen gesellschaftlichen und staatlichen Ebenen. Was die kleineren und untergeordneten Gemeinwesen leisten können, das sollen übergeordnete Gemeinschaftsinstitutionen nicht für sich in Anspruch nehmen. 
Weil Gemeinschaft keinen Selbstand in sich hat, sondern das Gefüge von selbständigen Personen ist, betont das Subsidiaritätsprinzip als Funktions- oder Zuständigkeitsprinzip immer die Eigen- bzw. Selbstverantwortung und den Vorrang der „unteren“, basalen Einheit (Individuum, Familie, … Gemeinde, …) gegenüber den nächst-„höheren“. 
Freilich soll aber die nächsthöhere Einheit tätig werden, wo und wenn die Möglichkeiten des Einzelnen, einer kleineren Gruppe oder niedrigeren Hierarchie-Ebene allein nicht ausreichen, eine bestimmte Aufgabe zu lösen. Politisch bildet sich dieses Sozialprinzip etwa auch im Föderalismus ab, wirtschaftlich in der Marktwirtschaft (entgegen einer Planwirtschaft). 
So erklärt sich die Subsidiarität als sozialethisches Prinzip: Der einzelne Mensch soll „jede an ihn herantretende Aufgabe selbst“ erfüllen, soweit er dazu fähig ist; andere bzw. die Gemeinschaft greift subsidiär (helfend) ein, d.h. sie leistet „Hilfe zur Selbsthilfe“, „welche die Initiative und Eigenkräfte des einzelnen weckt und fördert, nicht aber sie überspringt und ertötet. Allerdings muß die Gemeinschaft Daseinsvorsorge leisten und die Bedingungen schaffen, die dem einzelnen eine sinnvolle Betätigung seiner Kräfte überhaupt erst ermöglichen. Sie muß ihm also die ‚Grundchance‘ der Persönlichkeitsentfaltung sichern.“  „Das bedeutet: Zunächst muß die Gemeinschaft bereit und in der Lage sein, für die Entfaltung personalen Lebens die physischen und geistigen Bedingungen zu schaffen, die der einzelne sich selbst nicht geben kann. Erst dann kann die Forderung des Subsidiaritätsprinzips wirksam werden …“ (Lexikon für Theologie und Kirche, Ausgabe 2, Band 9, F.Klüber in: Soziallehre, Spalte 918f.) 

Vergleicht man diese anthropologische und sozialethische Konzeption mit unserer gesellschaftlichen wie wirtschaftlichen Wirklichkeit, erkennt man unschwer die gravierende Differenz zwischen Sein und Sollen und bemerkt, welcher Reformstau sich aufgehäuft hat. Mit Entschiedenheit sind auf diesem Hintergrund auch staatliche Übergriffigkeiten vielfältiger Art zurückzuweisen und totalitäre Anwandlungen mit wachsamem Auge aufzudecken. Insbesondere sind die Politiker und Staatsorgane an ihr Wesen und ihre Aufgabe und vor allem an ihre Grenzen eindringlich zu erinnern. 

Abschließend könnte man angesichts einer häufig anzutreffenden Mentalität den einzelnen Bürger auch fragen: Warum traue ich eigentlich einem anderen mehr (an Verantwortlichkeit, Kompetenz usw. zu) als mir? 

Autor: Ernst Kögler (Atlas Initiative für Recht und Freiheit e.V.)

 

******

Zusammenfassung: 

•    Fundament ist die menschliche Person, die im Spannungsbogen von Individuum und Gemeinschaft lebt. Von ihr her („von unten“) bauen sich die sozialen Einheiten auf. Die unteren, basalen Einheiten sind von den oberen zu achten und zu bewahren. 
•    Dem metaphysischen Selbstand der Person entspricht ihre Selbstzwecklichkeit. Ein Kollektiv (als Gemeinschaft von Personen) hat als solches keinen Selbstand,  ihm eignet also auch keine Selbstzwecklichkeit! [„Keine Sozietät kann für sich eine letzte Selbstzwecklichkeit beanspruchen.“ (LThK_3, Bd.9 Sp.1076)]
Konkret heißt das z.B.: Der Staat ist kein Zweck an sich, sondern hat seinen Sinn darin, subsidiär Aufgaben für die einzelnen Personen zu übernehmen. 
(Allerdings weise ich nochmals auf die Bipolarität des Spannungsbogens Individuum-Gemeinschaft hin, der nicht auf den einen oder anderen Pol hin aufgelöst werden kann, ohne dass beide in ihrem Selbstsein leiden.) 
•    Wenn das Handeln der nächsthöheren, übergeordneten Einheit erforderlich scheint, besteht eine „Option für die jeweils schonendere Form des Eingriffs, die zunächst nicht auf die Übernahme von Kompetenzen abzielt, sondern darauf, durch Hilfestellung (lat. subsidium) die Funktionsfähigkeit der kleineren Lebenskreise zu stärken und wiederherzustellen.“ (LThK_3, Bd.9 Sp.1076)
•    Es besteht also eine Präferenz für die kleineren Einheiten
•    „Jedwede Gesellschaftstätigkeit ist ihrem Wesen und Begriff nach subsidiär.“ (Enz. Quadragesimo anno n.79). Ihre ethische Legitimation erhält sie, insofern sie als Medium personaler Entfaltung des Menschen dient. 
•    „Als sozialethisches Struktur- und Verfahrensprinzip wurde Subsidiarität zunächst im Blick auf das Verhältnis von Staat und Gesellschaft formuliert, mit der kritischen Absicht, einer totalitär oder auch versorgungsstaatlich begründeten ausufernden Staatstätigkeit und Staatszuständigkeit zugunsten intermediärer Gesellschaftsformen gegenzusteuern.“ (LThK_3, Bd.9 Sp.1076f)

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5 Kommentare
23.11.2021, 15:09  |  4408   |   |   

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Kommentare

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26.11.21 14:52:24
3500 Aufrufe, 4 Kommentare. Von den 3500 Aufrufen haben 3450 noch vor Ende des ersten Absatzes weggeklickt. Kein normaler Berufstätiger, Familienvater (mutter) die im Leben stehen, ein Einkommen erwirtschaften müssen, die Kinder Homeschoolen, die Eltern pflegen und Abends todmüde auf der Couch absinkt, liest sich so einen verkopften Quatsch durch.
Sorry Herr Kögler, Thema verfehlt, 6, setzen.
Auf die Art erreicht die AI niemanden.
Und da hilft es auch nicht, wenn sich hier vier AI Mitglieder gegenseitig bestätigen wie toll der Artikel ist und das man damals im Philosophie Grundkurs aufgepasst hat.
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25.11.21 21:36:27
Sehr profunder Artickel.
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25.11.21 12:02:25
Seit der Einführung der Sozialsysteme in Europa, wurde die Eigenverantwortung ad absurdum geführt und heute für gewisse Personengruppen gänzlich abgeschafft. Je unselbständiger jemand ist, desto mehr Leistungen erhalten sie ohne die Mündigkeit und Handlungsfähigkeit dieser Personen zu hinterfragen. 18 Jahre alt genügt, egal ob IQ60, Analphabet, der Sprache nicht mächtig, etc. Das Zuständigkeitsprinzip aller Lebensfragen ist auf den Staat abgewälzt worden mit der Beibehaltung des Rechts auf individuelle Selbstbestimmung und Persönlichkeitsrecht. Die Konsequenzen der egoistischer Handlungen der Selbstbestimmung werden auf die Gesellschaft, resp. den Steuerzahler, abgewälzt, und sie gleich für die Verantwortung in Sippenhaft genommen. "Wir (die Eigenverantwortlichen) sind schuld" Kinder in die Welt stellen resultiert in lebenslange Ferien mit Narrenfreiheit. Die Voraussetzungen damit ein Kind in fruchtbare Verhältnisse unbekümmert und in Freiheit aufwachsen darf werden von der Politik nicht gefordert. Die Verweigerung von Bildung und Arbeit werden heute mit Narrenfreiheit belohnt, Teilhabe wird nur monetär bemessen und beinhaltet nur Fun und Konsum. Freiwillige Vereinsarbeit ist weitgehend am aussterben. Die Wahl eines Berufes nur individuell betrachtet, egal ob es nach der Ausbildung überhaupt eine Arbeit hat. Eine Recherche zu den Ausbildungen und Arbeit der Friday for Future Kids wäre aufschlussreich.
Jede Gemeinde muss selbst bestimmen können wen sie in ihre Gemeinde aufnimmt, auf Grund ihrer Fähigkeiten und ihrem Willen der Gemeinschaft in der sie leben konstruktiv teilzuhaben. Heute sind die Gemeinden gezwungen alle aufzunehmen die an ihre Türe klopfen resp. es werden Menschen zwangsweise den Gemeinden zugeteilt.
Das Steuerprinzip muss umgekehrt werden. Es darf nicht sein, dass von oben herab befohlen wird wie viel Steuergeld zur Verfügung stehen muss, sondern es sollten die Steuern die aus den Gemeinden übrigbleiben nach oben verteilt werden. M.E. sollten nur der Ressourcenverbrauch (Produktion) und der Konsum besteuert werden. Dies würde dazu führen, dass die Produkte endlich einen effektiven Preis erhalten. Die Herstellung, Lieferung und Entsorgung eines Plastik-Gadgets aus China würde ein mehrfaches kosten. Eine saisongerechte Erdbeere aus der Region einen Bruchteil von einer aus Südeuropa, etc.
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25.11.21 09:37:12
Sehr gelungener Artikel. Ich wüsste nicht, wann ich jemals einen so interessanten und kompakten Artikel über das Subsidiaritätsprinzip gelesen habe. Ich freue mich schon auf weitere Artikel von Ernst Kögler, bzw. der Atlas Initiative. Diesen Artikel verstehe ich als Kieselstein in der "Gebetsmühle" der Neosozialisten. Lasst uns daraus einen Kieslaster machen, der das Wahrnehmungsgerüst zum einstürzen bringt.
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25.11.21 08:27:13
Sehr Interessanter Artikel. Die Zusammenhänge habe ich so vorher noch nicht gesehen.

Disclaimer

Subsidiarität – oder: Warum soll ich dem anderen mehr zutrauen als mir Dr. Markus Krall hat in seinem jüngsten Buch „Freiheit oder Untergang“ das sogenannte Subsidiaritätsprinzip stark betont (z.B. S. 227ff), weshalb ich es in diesem Beitrag eigens aufgreifen will.