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Aktien – Starke Nerven sind gefragt

Börse_München_SchriftzugCorona-Einbruch am Black Friday: Die deutschen Aktienmärkte haben in der vergangenen Woche erhebliche Verluste verzeichnet. Bereits in der ersten Wochenhälfte war es abwärts gegangen, vor allem steigenden Inflations- und Corona-Infektionszahlen verdarben den Anlegern die Laune. Der gut aufgenommene Koalitionsvertrag der künftigen Bundesregierung sorgte dann für zwischenzeitlichen Auftrieb, bevor es am Freitag, dem als „Schnäppchentag“ geltenden sogenannten Black Friday, wieder steil abwärts ging. Verantwortlich für die Kursverluste waren Nachrichten zu einer neuen Corona-Virus-Variante, über die noch wenig bekannt ist. Wissenschaftler mutmaßten allerdings, dass sie ansteckender als die bislang bekannten Varianten und der Impfschutz gegen sie weniger effektiv sein könnte, was die ohnehin gestiegenen Ängste vor neuen Anti-Pandemie-Maßnahmen weiter befeuerte. Wir stellen die Einschätzung von Robert Ertl, Börse München, vor. 

Kurseinbruch bei der DAX-Familie

Der Deutsche Aktienindex (Dax), der allein am vergangenen Freitag rund 4,2 Prozent verlor, sackte im Wochenvergleich um 5,6 Prozent auf 15.257,04 Punkte ab. Der MDax brach um 5,7 Prozent auf 33.849,95 Zähler ein. Der TecDax gab 4,1 Prozent auf 3.821,83 Punkte ab. Beim m:access All-Share betrug das Minus 4,1 Prozent auf 2.764,48 Zähler.
Zu den großen Verlierern im Dax gehörten in der vergangenen Woche Automobilwerte, die Titel vom Volkswagen büßten auf Wochensicht 8,9 Prozent, die von Daimler 8,6 Prozent und die von BMW 7,8 Prozent ein. Der Kurs von Airbus litt ebenfalls unter den neuen Pandemie-Sorgen, hier ging es um 8,8 Prozent nach unten. Aber auch beim bisherigen Corona-Gewinner Delivery Hero stand ein Wochenminus von 8,6 Prozent zu Buche, hier belasteten allerdings vor allem Gewinnmitnahmen und die Ausgabe von neuen Aktien für ein Belegschaftsaktienprogramm in der ersten Wochenhälfte. Gegen den Trend zulegen konnten die Titel von RWE, die auf Wochensicht um 3,2 Prozent stiegen. Der Energiekonzern profitierte vor allem vom Koalitionsvertrag der künftigen Bundesregierung.
Nach Gewinnern im DAX musste man vergangene Woche suchen, RWE zählte dazu, ein Ergebnis des Koalistionsvertrages.

Anleihen: Viel Bewegung und wenig Veränderung

Die Kurse an den deutschen Anleihemärkten haben sich in der vergangenen Woche nach einem merklichen Ab und Auf letztlich wenig verändert. In den ersten Tagen setzte die Aussicht auf eine zweite Amtszeit von Jerome Powell als Chef der US-Notenbank und kritischere Äußerungen zur Inflation aus den Reihen der Europäischen Zentralbank die Bundespapiere unter Druck. Beides gab Spekulationen über eine straffere Geldpolitik Auftrieb. Mit den Nachrichten über die neue Corona-Variante und den damit einhergehenden Sorgen stieg die Beliebtheit der als sicher geltenden deutschen Anleihen allerdings wieder sprunghaft an. Letztlich rückte die Rendite der marktbestimmenden zehnjährigen Bundesanleihe im Wochenvergleich von -0,35 auf -0,34 Prozent vor. Die Umlaufrendite erhöhte sich leicht von -0,43 auf -0,42 Prozent.

USA: Deutliche Einbußen

Die US-Börsen haben in der vergangenen Woche deutlich nachgegeben. Die neue Corona-Variante sorgte auch hier für spürbare Verluste zu Ende der Handelswoche, und dies, obwohl am vergangenen Donnerstag wegen des Feiertags Thanksgiving gar nicht und am Freitag nur verkürzt gehandelt wurde. Im Wochenvergleich verlor der Dow-Jones-Index 2,0 Prozent auf 34.899,34 Punkte. Der breiter gefasste S&P-500-Index gab um 2,2 Prozent nach auf 4.594,62 Zähler. Der technologielastige Nasdaq-100-Index rutschte um 3,3 Prozent auf 16.025,58 Punkte ab.

Ausblick: Konsolidierung oder Stabilisierung?

Die aktuelle Woche könnte die Anleger an den deutschen Aktienbörsen nervlich erneut auf die Probe stellen. Einerseits dürfte die Unsicherheit in Bezug auf die weiteren Entwicklungen in der Corona-Pandemie, hier insbesondere auch in Hinblick auf die neue, Omikron genannte Virus-Variante, anhalten. Dabei dürften die Marktteilnehmer unverändert auf Infektionszahlen und neue Beschränkungen achten und dabei immer auch über mögliche zusätzliche staatliche Gegenmaßnahmen und deren Einfluss auf die Wirtschaft spekulieren. Andererseits gibt es professionelle Beobachter, die darauf hinweisen, dass in der jüngeren Vergangenheit Kursrücksetzer vielfach als Einstieg genutzt worden waren.Weitere Konsolidierung also oder Stabilisierung auf aktuellem Niveau, das ist die Frage, die sich viele Analysten derzeit stellen. Wohin es in den kommenden Tagen letztlich gehen wird, dürfte zum einen wenig überraschend stark von den kommenden Corona-Nachrichten abhängen.

Eine Flut von Konjunkturdaten

Daneben steht aber auch eine Flut von Konjunkturdaten auf der Agenda. Die nach allgemeiner Auffassung wichtigste Veröffentlichung erfolgt dabei am Freitag mit dem offiziellen US-Arbeitsmarktbericht. Dieser dürfte wie gehabt in Hinblick auf die aktuelle Verfassung der US-Wirtschaft hin analysiert werden, daneben aber auch auf seine möglichen Auswirkungen auf die Geldpolitik der US-Notenbank. In Bezug auf Letztere dürfte auch das Beige Book der Fed interessieren. Daneben dürften die Anleger aus den USA besonders die Einkaufsmanagerindizes und die Werkaufträge beachten. Mit Blick auf die Eurozone dürften die Einkaufsmanagerindizes, die Einzelhandelsumsätze sowie die Arbeitsmarktdaten für Aufmerksamkeit sorgen. Daneben dürfte der Blick der Marktteilnehmer den Inflationszahlen aus der Eurozone gelten, auch hier sind Mutmaßungen über die weitere Geldpolitik wahrscheinlich.
Ausgewählte wichtige Termine der Woche
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Gastautor: Daniel Saurenz
29.11.2021, 12:25  |  436   |   |   

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