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Phänomene des Marktes Spekulation mit Nahrungsmitteln - Das sagt die Wissenschaft

Spekulation und Manipulation sind zwei Begriffe, die oft verwechselt werden. Speku­lation meint mehr oder weniger riskante Geschäfte an den Märkten, während Manipulation ein betrügerisches, unethisches Verhalten...

...impliziert, das großen wirtschaftlichen Schaden anrichten kann. Wie lässt sich Manipulation also effektiv ­vermeiden? Am besten, indem zahlreiche ­­Spekulanten am Markt versammelt werden: Dann können einzelne Akteure große ­Manipulationen schwer umsetzen. Mehr Spekulation ­sollte demnach ein Vorteil sein. Mangelnde Liqui­dität und dünner Handel können ­dagegen größere Schwankungen und Manipulatio­nen ermöglichen, da einzelne Marktteilnehmer dann mehr Einfluss haben.

Die Frage ist allerdings, ob Spekulation auch überhandnehmen kann. Wie Global Agri­culture auf seiner Website berichtete, ­wur­de an der Terminbörse Chicago Board of Trade (CBoT) im Jahr 2011 das 73-Fache der US-Weizenernte gehandelt, was zu den damals starken Schwankungen beigetragen haben soll. Zudem wurde vermutet, dass die Zunahme von Indexinvestments den Auftrieb der Preise befeuert. Doch der Roh­stoffboom ebbte ab. Trotzdem zogen sich im Jahr 2013 viele europäische Banken aus dem Handel mit Agrarrohstoffen zurück. Das könnte politisch bedingt ge­wesen sein, aber auch darauf hindeuten, dass an der Kritik zur Spekulation etwas dran ist. Darauf wies damals ein interner ­Bericht der Weltbank hin. Demnach waren die Speku­lation mit Agrarfutures und die Produktion von Biokraftstoffen die ­Hauptgründe des Anstiegs der Lebensmittelpreise im Jahr 2008. Auch die Studie „Food Commo­dities Speculation and Food Price Crises“ kam zu dem Schluss, dass ­erhebliche ­Teile des damaligen Preisanstiegs und der Volatilität bei Nahrungsmitteln nur durch eine Spekulationsblase zu erklären waren.

Aber kann das wirklich stimmen? An den Warenterminbörsen werden seit jeher Kontrakte über zukünftige Lieferungen zu vorher vereinbarten Preisen geschlossen. Das ermöglicht es den Produzenten, die in der Regel „netto Short“ positioniert sind, schon beim Eingehen des Kontrakts mit dem künf­tigen Verkaufspreis zu kalkulieren und sich so gegen starke Preisbewegungen abzusichern. Spekulanten, die über Longpositio­nen als Gegenpartei auftreten, gleichen den Absicherungsdruck aus, was zu einer effizienteren Risikoteilung führt. Dabei wird angenommen, dass sich die Schwankungen der Preise verringern, weil die Spekulanten kaufen, wenn der Preis niedrig ist, und verkaufen, wenn er hoch ist.

Das Momentumproblem

Allerdings existieren noch andere, prozykli­sche Formen von Spekulation: ­Trendfolge bzw. Momentum. Diese können destabili­sie­rend wirken, wenn viele ­Marktteilnehmer kollektiv darauf setzen. So sieht es die Studie „Food Price Volatility and Financial Speculation“: Die Märkte spiegeln zwar oft wirtschaftliche Realitäten wider, aber sie können umgekehrt auch dazu beitragen, eine Realität überhaupt erst zu erschaffen. Kollektives Momentumdenken könnte ­also dazu führen, dass die Preise überschießen. Allerdings sollte das nur kurzzeitig gelten, da überzogene Preise wiederum attraktiv für Produzenten sind, um sich (noch) stärker abzusichern.

Solange Momentumtrader also keine ­permanente Mehrheit darstellen, sollten sich die Preiseffekte in Grenzen halten. Doch im Gegensatz zu früheren Zeiten haben sich die Märkte strukturell verändert. Insbesondere nahm das in Index­produkten verwaltete Vermögen deutlich zu. Dabei wird das Exposure über Longpositionen in Futures abgebildet, die regelmäßig in jeweils neuere Kontrakte gerollt werden. Der bekannte Hedgefonds­manager Michael Masters vermutete, dass der Kaufdruck der Indexanleger den Verkaufsdruck der Produ­zenten übertrifft und zu starken Kursanstie­gen führen kann (Masters-Hypothese).

Ob das wirklich der Fall ist, wurde u.a. in der Studie „Effects of Index-Fund Investing on Commodity Futures Prices“ untersucht. Im Einklang mit dem größten Teil der Lite­ratur kam man hier zu dem Ergebnis, dass Indexanleger die Futurespreise kaum beeinflussen. Konkret heißt es: „Wir ­finden keine Belege dafür, dass Positionen von Händlern in Agrar-Futures, die von der CFTC als Indexanleger identifiziert ­wurden, zur Vorhersage von Renditen in den nächstfälligen Futures beitragen.“ Übrigens: Selbst wenn Indexanleger die Futures ­systematisch beeinflussten, wäre noch zu klären, ob das auch einen dauerhaften Anstieg der Spotpreise bewirken kann.

Kausalität

Die entscheidende Frage ist letztlich, ob Spekulanten kausal für ­über­zogene Preisbewegungen verantwortlich gemacht ­werden ­können.

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