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Solar, LNG, Wasserstoff Ukraine-Krieg pusht Energieunternehmen

Deutschlands Abhängigkeit von russischem Gas legt grobe Versäumnisse der Politik offen. Die Suche nach Alternativen läuft auf Hochtouren. Diese Unternehmen könnten profitieren.

Robert Habeck, der grüne Bundesminister für Wirtschaft und Energie, wirkt wie ein Getriebener, seit die Gaslieferungen aus Russland zu versiegen drohen. Die jüngste Provokation Putins, sich in Rubel bezahlen zu lassen, zeigt einmal mehr, wie gefährlich es ist, mit Despoten Geschäfte zu machen.

Dass Deutschland überhaupt so abhängig von russischer Energie ist, mache viele ausländische Beobachter geradezu fassungslos, schreibt das Handelsblatt. In den USA etwa wundere man sich über die Ankündigung Habecks, dass man den Gasverbrauch künftig möglicherweise rationieren könnte – und das in einer so wichtigen Volkswirtschaft. "Es hätte nie so weit kommen dürfen", zitiert das Handelsblatt aus einer Kolumne des Nobelpreisträgers Paul Krugman für die New York Times.

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Jetzt sind dringend Alternativen gefragt

Die schiere Not macht plötzlich den Weg für Entscheidungen frei, die vor dem Ukraine-Krieg nicht denkbar gewesen wären. Etwa, dass die Bundesregierung eine Energiepartnerschaft mit Katar vereinbart – immerhin ein Land, das wegen seines Umgangs mit Menschenrechten seit Vergabe der Fußball-WM im Fokus steht.

Ein weiteres Thema, das hierzulande jahrelang aus Umweltschutzgründen verboten war, könnte überdies ebenfalls eine Wiederbelebung erfahren: Fracking. Hierbei werden unter Einsatz von Wasser, Sand und Chemikalien Erdgas und Erdöl aus tiefliegenden Gesteinsschichten gefördert.

Diskutiert wurde zudem, ob man die noch verbliebenden Atommeiler in Deutschland länger laufen lassen sollte – abgesehen von immensen Kosten würde dies den propagierten Atomausstieg ad absurdum führen.

Die Stunde der erneuerbaren Energien

Nicht zuletzt aus Gründen des Klimaschutzes könnte die Energiekrise den Ausbau der erneuerbaren Energien fördern. Beispiel Photovoltaik: Laut Statista wurden im vergangenen Jahr 8,8 Prozent des erzeugten Stroms durch Solarenergie erzeugt. Seit 2003 verzeichnet das Statistikportal eine kontinuierliche Steigerung des Anteils von Solarenergie am Energiemix.

Ein Unternehmen, das davon profitieren könnte, ist die SMA Solar Technology AG. Das Unternehmen aus dem nordhessischen Niestetal gilt als einer der weltweit umsatzstärksten Hersteller von Wechselrichtern für Photovoltaik-Anlagen. Nach Angaben der Gesellschaft lag der Umsatz im Geschäftsjahr 2021 bei 984 Millionen Euro (2020: 1.027 Millionen Euro). 2021 wurden 13,6 GW Wechselrichter-Leistung verkauft (2020: 14,4 GW).

"Der insbesondere im zweiten Halbjahr noch einmal deutlich verschärfte Chipmangel hat die Geschäftsentwicklung der SMA 2021 erheblich beeinträchtigt. Als europäischer Hersteller waren wir hier besonders betroffen, da die Zulieferer der elektronischen Bauteile größtenteils in den USA sitzen und in China fertigen lassen. Dementsprechend werden die Kunden in diesen Regionen bevorzugt beliefert", erklärt SMA-Vorstandssprecher Jürgen Reinert den Rückgang gegenüber dem Vorjahresergebnis.

Das Unternehmen sieht sich allerdings gut aufgestellt: "Unsere Tochtergesellschaft coneva hat unter anderem den Paketdienstleister DHL mit einer innovativen Lösung zur optimierten, automatisch gesteuerten Beladung von Elektrofahrzeugen beliefert. Im Speicherbereich wurden wir mit der Belieferung des weltweit größten netzbildenden Speicherkraftwerks im australischen Torrens Island beauftragt, und im Geschäftsfeld der grünen Wasserstofferzeugung sind Projekte mit SMA Systemtechnik zur Aufbereitung von Gleichstrom für die Elektrolyse in den USA, Europa, Asien und Australien in Betrieb gegangen", führt Reinert weiter aus.

Flüssigerdgas LNG stark gefragt

Um sich aus der Abhängigkeit von russischem Gas zu lösen, wird auch ein verstärkter Einsatz von Flüssigerdgas diskutiert. Bloß: In Deutschland fehlt es bislang an der erforderlichen Infrastruktur, damit die Tanker anlegen können. Für den Kauf von LNG hat die Bundesregierung bereits 1,5 Milliarden Euro bereitgestellt. Zudem sollen LNG-Terminals zügig gebaut werden, damit das Flüssiggas künftig direkt in Deutschland angeliefert werden kann.

Ein wichtiger Player in diesem Sektor ist der US-amerikanische Konzern Cheniere Energy. Der Energieriese betreibt das Flüssigerdgasterminal Sabine Pass zwischen Texas und Louisiana. Die Gesellschaft profitiert seit Wochen von den Bestrebungen zahlreicher Staaten, sich von russischem Gas unabhängiger zu machen. Cheniere Energy gilt derzeit als der weltgrößte LNG-Exporteur. In diesem Jahr dürfte laut Morningstar-Aktienanalyst Stephen Ellis ein Mehrgewinn von bis zu 1,8 Milliarden US-Dollar drin sein, schreibt die Finanzzeitschrift Capital. Entsprechend dieser Aussichten kletterte der Aktienkurs zuletzt steil nach oben.

Wasserstoff als Langfristperspektive

Köln, Wuppertal, Weimar – einige regionale Verkehrsbetriebe setzen bereits auf Wasserstoffbusse, oft gefördert durch EU-Mittel und bezuschusst von Bund und Ländern. Denn Wasserstoff gilt als Zukunftsenergie, die eben in der aktuellen Lage auch unabhängiger von russischen Energieimporten machen könnte.

Derzeit plant der Energiekonzern Eon zusammen mit dem australischen Unternehmen Fortescue Future Industries (FFI) die Einfuhr großer Mengen grünen Wasserstoffs nach Deutschland und Europa. Bis 2030 sollen bis zu fünf Millionen Tonnen des begehrten Antriebstoffs pro Jahr importiert werden können. Diese Partnerschaft unterstreiche das gemeinsame Ziel von Eon und FFI, die Dekarbonisierung Europas voranzutreiben und die Sicherheit der Versorgung mit grüner Energie in einer Zeit zu stärken, in der Europa seine Energieabhängigkeit von Russland so schnell wie möglich verringern müsse, heißt es in einer Mitteilung der beiden Unternehmen. Fünf Millionen Tonnen pro Jahr an erneuerbarem Wasserstoff entsprächen etwa einem Drittel der Heizenergie, die Deutschland aus Russland importiere, rechnet Eon vor.

Wasserstoff ist ein wichtiges Standbein des Industriegase-Produzenten Linde. Wie das Unternehmen mitteilt, soll die Quartalsdividende um zehn Prozent gegenüber dem Vorquartal auf 1,17 US-Dollar je Aktie ansteigen. Außerdem beschloss der Gasekonzern ein weiteres Aktienrückkauf-Programm von bis zu zehn Milliarden US-Dollar. Damit soll das Grundkapital reduziert werden. Bis Juli 2024 will das Unternehmen eigene Aktien zurückkaufen und überschüssiges Geld an die Aktionäre auskehren. Das vorherige Rückkauf-Programm in Höhe von fünf Milliarden US-Dollar ist bereits abgeschlossen.

Fazit: Die Suche nach Wegen, um die Abhängigkeit von Russland zu reduzieren, eröffnet auch für Anleger spannende Chancen im Energiesektor. Versorger-Aktien gelten gemeinhin als vergleichsweise konjunkturresistent. Dennoch sollten entsprechende Titel immer nur als Beimischungen in einem nach Assetklassen, Branchen und Anlageregionen breit diversifizierten Depot verstanden werden. Bis LNG oder Wasserstoff beispielsweise flächendeckend für die Industrie nutzbar gemacht werden können, muss noch die Infrastruktur geschaffen werden. Im Solarbereich bremsen dagegen Lieferengpässe die Produktion. Spannendes Potenzial verspricht der Umbau der Energieversorgung aber allemal.

Autorin: KS, Redaktion smartbroker.de




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