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    Marktkommentar  145  0 Kommentare Pascal Blanqué (Amundi): Investieren in einer fragmentierten Welt

    Der Weg zurück zu den Vorteilen der internationalen Diversifizierung.

    14.04.2022 - Wir leben in einer Zeit außergewöhnlicher Veränderungen. Durch den Rückzug des Welthandels wurde ein makrofinanzieller Regimewandel unterstützt. Die Inflation führte zu ungleichen Preisdynamiken in den einzelnen Ländern und förderte die Fragmentierung der Welt. Hinzu kam die Coronakrise mit der Folge der Deglobalisierung und den damit verbundenen Lieferengpässen.    

    Wir gehen nicht mehr von einem synchronen globalen Wirtschaftszyklus aus. Vielmehr beobachten wir regionale Zyklen. Mit einer geringeren länderübergreifenden Korrelation rücken die Vorteile der globalen Diversifizierung wieder in den Vordergrund.

    Für Anleger bedeutet dies:

    •  Sichere Anlagen können sich im neuen System als nicht so sicher erweisen. Die Kernallokation in Staatsanleihen sollte reduziert werden, und die Anleger sollten nach regionalen Vermögenswerten mit dem Potenzial, positive Realrenditen zu erzielen, sowie nach inflationsgebundenen Anleihen suchen.
    • Globale Aktien und Immobilien verdienen eine höhere Allokation und sollten von der internationalen Diversifizierung stärker profitieren. Die stärkere Fragmentierung des Konjunkturzyklus und die geopolitische Neuordnung werden die länderübergreifende Streuung der Renditen verstärken. In einer Welt niedriger realer Renditen für sichere Anlagen sollten Anleger daher ihre Allokation in risikoreiche Anlagen erhöhen, vorausgesetzt, sie erweitern ihre globale Perspektive – einschließlich der Schwellenländer – und berücksichtigen auch Sachanlagen.
    • Die Korrelation zwischen sicheren und risikobehafteten Vermögenswerten wendet sich ins Positive, da die Inflation beide Anlageklassen antreibt. Daher sollten Anleger eine stärkere Diversifizierung in Erwägung ziehen und sich mit Sachwerten, Gold, Währungen und Anlagestrategien befassen, die eine geringe Korrelation zu Aktien und Anleihen aufweisen.

      

    Anlageklassen im Detail:

    1. Sichere Anlagen sind teils nicht so sicher:

    Dies gilt vor allem in Ländern mit höherer Inflation; aber sie sind auch regional weniger korreliert. Reale Renditen von sicheren Vermögenswerten waren in der Historie sehr unbeständig. Während der Weltkriege und der Stagflation der 1970er Jahre lagen sie sehr niedrig oder sogar im negativen Bereich, ihren Höhepunkt erreichten sie zwischen den beiden Weltkriegen und Mitte der 1980er Jahre. In Friedenszeiten bewegten sich die sicheren realen Renditen in den meisten Ländern im Bereich von 1% bis 3%.

    Zudem haben sich die realen sicheren Renditen im Allgemeinen als niedriger erwiesen als das reale BIP-Wachstum, was für die Regierungen niedrige Finanzierungskosten mit sich brachte, die zum Abbau der Kriegsschulden beitrugen. Auch heute können negative reale Renditen bei Staatsanleihen dabei helfen, den Druck auf die Staatsfinanzen zu mindern.

    Die positive Korrelation realer sicherer Renditen mit der Inflation konnte die Anleger in der Vergangenheit nicht vollständig entschädigen. Die positive länderübergreifende Übereinstimmung der realen sicheren Renditen wird wahrscheinlich nicht fortbestehen. Verstärkt wurde diese durch ein homogenes Zentralbankmodell mit derselben Reaktionsfunktion. In Zukunft werden wir stattdessen eine Vielzahl von Reaktionen sehen, die das Referenzmodell der Zentralbank in Frage stellt.

    Insgesamt glauben wir, dass der Regimewandel niedrige / negative Realrenditen in sicheren Anlagen mit potenziell höherer Volatilität mit sich bringen wird, aber auch eine stärkere Diversifizierung der Realrenditen in Staatsanleihen über Regionen hinweg, in denen sich die Wirtschaftszyklen und geopolitischen Risiken unterscheiden. Dies erfordert bei den Anleihen die Beimischung von Schwellenländeranleihen, die in einigen Schwellenländern eine positive Realverzinsung bieten können, sowie von inflationsgebundenen Anleihen zum Inflationsschutz.

    2. Aktien und Immobilien:

    Die zunehmenden Diversifizierungsvorteile bedeuten, dass risikoreiche Allokationen erhöht werden können, da das Gesamtrisiko geringer sein dürfte.

    Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die weltweiten Aktien- und Immobilienrenditen unkorreliert. Gleichzeitig korrelierten die Aktienmärkte zunehmend länderübergreifend. Folglich war die länderspezifische Diversifizierung bei globalen Aktien nicht sehr vorteilhaft.  Dies könnte sich jedoch jetzt ändern, da die Entstehung von regional weniger synchronisierten Marktzyklen und regionalen geopolitischen Risikofaktoren die Marktbewegungen in unterschiedliche Richtungen lenken wird.

    Bei den realen risikobereinigten Renditen weisen Wohnimmobilien aufgrund ihrer geringeren Volatilität ein besseres Risiko-Rendite-Profil auf, während die Gesamtrenditen von Aktien und Wohnimmobilien vergleichbar sind. Anleger sollten jedoch auch bedenken, dass das Liquiditätsprofil von Wohnimmobilien und Aktien sehr unterschiedlich ist. Erstere weisen eine geringere Volatilität, aber auch eine geringere Liquidität auf, während letztere aufgrund ihrer hohen Liquidität volatiler sind. So sollten Anleger erwägen, in einem international diversifizierten Portfolio mehr Gewicht auf Immobilien und Aktien zu legen, um positive Realrenditen zu erzielen. Eine globale Mischung aus Aktien und Immobilien in der Risikoallokation dürfte nicht nur von der geringen Korrelation zwischen und innerhalb der beiden Anlageklassen profitieren, sondern könnte auch zu einem ausgewogeneren Liquiditäts-/Volatilitätsprofil beitragen.

    3.  Die Risikoprämie und risikoreiche versus sichere Allokationen:

    Die Risikoprämie könnte also volatiler werden. Die Gründe: volatilere sichere reale Renditen und der Wandel der traditionellen Korrelationsdynamik.

    Historisch gesehen hat sich die Risikoprämie als volatil erwiesen, was vor allem auf die sicheren Realverzinsungen zurückzuführen ist, die sehr volatil waren und sogar in den negativen Bereich gerutscht sind. Die risikobehafteten Verzinsungen hingegen waren hoch und stabil. Vor dem Ersten Weltkrieg war die Risikoprämie niedrig und lag stabil im Bereich von 3% bis 5%. Nach einem leichten Anstieg fiel sie in den 1930er Jahren auf ein Allzeittief von etwa 0%. Ihren Höchststand erreichte sie in den 1950er Jahren, bevor sie sich wieder auf ihren langfristigen Durchschnittswert einpendelte.

    In der Vergangenheit waren risikoreiche und sichere Renditen – betrachtete man Aktien versus Anleihen – korreliert, weshalb Anleger ihre strategische Asset Allocation traditionell auf eine Mischung aus Aktien und Staatsanleihen ausgerichtet haben. Diese Korrelation schwächte sich ab und wurde Ende der 1990er Jahre negativ. In jüngster Zeit hat sich dieser Trend umgekehrt, und die Korrelationen sind wieder positiv.

    Die Rückkehr der Inflation deutet auf eine positive Korrelation zwischen sicheren und risikoreichen Anlagen hin. Da die Inflation diese Korrelationsdynamik antreibt, sollten Anleger die Diversifizierung erhöhen, indem sie Sachwerte, Gold und Währungen beimischen und Anlagen, die eine geringe Korrelation mit Aktien und Anleihen aufweisen, berücksichtigen.

    Quelleninformationen und die vollständige Publikation „Shifts & Narratives #16 - Investing in a fragmented world“ finden Sie in der englischen Originalfassung im Amundi Research Center.


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    Rechtliche Hinweise:

    Sofern nicht anders angegeben, stammen alle Informationen in diesem Dokument von Amundi Asset Management und sind aktuell mit Stand 06.04.2022. Die in diesem Dokument vertretenen Einschätzungen der Entwicklung von Wirtschaft und Märkten sind die gegenwärtige Meinung von Amundi Asset Management. Diese Einschätzungen können sich jederzeit aufgrund von Marktentwicklungen oder anderer Faktoren ändern. Es ist nicht gewährleistet, dass sich Länder, Märkte oder Sektoren so entwickeln wie erwartet. Diese Einschätzungen sind nicht als Anlageberatung, Empfehlungen für bestimmte Wertpapiere oder Indikation zum Handel im Auftrag bestimmter Produkte von Amundi Asset Management zu sehen. Es besteht keine Garantie, dass die erörterten Prognosen tatsächlich eintreten oder dass sich diese Entwicklungen fortsetzen.



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