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Leitzinsen Steigende Zinsen: Welche Anlagen sind jetzt interessant?

Die Zentralbanken drehen an der Zinsschraube. Steigende Zinsen gelten aber gemeinhin als schlecht für den Aktienmarkt. Wie können sich Anleger jetzt positionieren?

Die Rekordinflation verlangt von den Währungshütern straffere geldpolitische Maßnahmen – und die Zentralbanken haben geliefert. So erhöhte die US-amerikanische Notenbank Fed den Leitzins um 50 Basispunkte auf jetzt 0,75 bis 1,0 Prozent. Fed-Chef Jerome Powell betonte, dass damit das Ende der Zinsanhebungen noch nicht erreicht sei. Für die nächsten Sitzungen der Fed kämen weitere Zinserhöhungen um 50 Basispunkte in Frage. Angesichts einer Inflationsrate von 8,5 Prozent wie im März werde die Fed die Zinsen zügig anheben. Der jüngst erfolgte Zinsschritt war die stärkste Anhebung seit 22 Jahren, von Analysten war der Beschluss aber bereits erwartet worden.

Nach der US-Notenbank folgte die Zentralbank in London: Die Bank of England beschloss die vierte Zinsanhebung innerhalb von sechs Monaten, um der überschießenden Inflation Einhalt zu gebieten. Der Leitzins wurde um einen viertel Punkt auf jetzt 1,0 Prozent erhöht – seit 2009 waren die Zinsen im Vereinigten Königreich nicht mehr auf diesem Niveau.

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Und die Europäische Zentralbank? Laut EZB-Chefin Christine Lagarde können die Zinsen in Europa erst dann steigen, wenn das Anleihekaufprogramm beendet ist. Dies könnte laut EZB-Direktorin Isabel Schnabel möglicherweise Ende Juli dieses Jahres der Fall sein. Ob die europäischen Notenbanker dann direkt reagieren, bleibt abzuwarten.

Fest steht: Die Zinswende ist eingeleitet und dies kann sich auf die Märkte durchschlagen. Bereits der Zinsschritt der Fed schickte die Wall Street auf Talfahrt. Nachdem es zunächst so aussah, als hätten Anleger die Maßnahme bereits eingepreist, machte sich dann doch Skepsis breit und Dow Jones, S&P 500 und Nasdaq reagierten mit Verlusten.

Was bedeuten steigende Zinsen für die Märkte?

Das Ziel ist klar: Mit den avisierten Zinsschritten wollen die Zentralbanken die Inflation eindämmen, die aufgrund von Lieferkettenproblemen und zum Beispiel den steigenden Öl- und Energiepreisen auf ein zu hohes Niveau geklettert ist. Der Grundgedanke lautet: Bei höheren Zinsen wird mehr gespart und eine höhere Sparneigung bremst die Teuerungsrate. Zuvor sollte die Wirtschaft mit historisch niedrigen Zinsen angekurbelt werden, was lange Zeit zur Folge hatte, dass klassische Spareinlagen faktisch unverzinst blieben. Jetzt könnte also die Wende kommen.

Steigende Zinsen machen nicht nur Tages- und Festgeldkonten wieder etwas attraktiver, sondern wirken sich langfristig auf den Anleihemarkt aus: Hier bewirken höhere Verzinsungen, dass Anleihen vermehrt Investoren anlocken. Wenn also festverzinste Wertpapiere wieder besser rentieren, ziehen sich vereinfacht gesagt viele Anleger vom Aktienmarkt zurück und richten ihre Portfolios mehr auf Anleihen aus. Bis sich dieses Szenario einstellt, dürfte allerdings dauern. Noch gelten Aktien für viele Anleger als rentabler als Anleihen.

Zinserhöhungen wirken sich noch auf eine andere Weise auf die Aktienmärkte aus: Steigende Zinsen verteuern die Kredite, die Unternehmen für weitere Investitionen aufnehmen müssen. Höhere Fremdkapitalkosten können dann wiederum die Gewinnerwartungen der Unternehmen drücken – und dies kann sich negativ auf die Aktienkurse auswirken.

Welche Anlagen haben historisch von Zinserhöhungen profitiert?

Soweit die Theorie. Der Aktienmarkt ist in sich aber natürlich viel komplexer und so ließen sich in der Vergangenheit immer wieder Branchen und Anlageschwerpunkte identifizieren, die trotz Zinsanhebungen profitieren konnten. Wie das Finanzmedium Der Aktionär unter Berufung auf eine Untersuchung von CNBC berichtet, waren dies zum Beispiel Dividendentitel. CNBC zog hierfür die letzten drei Zinserhöhungen der Fed heran, die jeweils nach einer längeren Phase unveränderter Zinsen erfolgt waren. Laut Der Aktionär waren dies der 30. Juni 2004, der 16. Dezember 2015 und der 14. Dezember 2016. Das Ergebnis der CNBC-Analysten: Anleger suchen in einem solchen Umfeld vor allem nach eher defensiven, aber dividendenstarken Titeln. Die beste Gesamtperformance erzielte demnach der US-amerikanische Telekommunikationskonzern Verizon.

Und noch eine Erkenntnis: Finanztiteln können steigende Zinsen ebenfalls zugutekommen. Der Zusammenhang besteht darin, dass steigende Kreditzinsen die Rentabilität der Geldinstitute erhöht. Wie Der Aktionär zusammenfasst, wurden in der historischen Betrachtung die Zinserhöhungen allerdings offenbar schon vorab eingepreist, sodass Goldman Sachs und zum Beispiel JPMorgan laut der CNBC-Untersuchung sogar etwas eingebüßt hatten.

Gute Ratgeber in jeder Marktlage: Langfristgedanke und Diversifikation

Natürlich besitzt niemand die berühmte Glaskugel. Inwiefern und in welchen Schritten die Zinsen tatsächlich nachhaltig steigen werden und wie verschiedene Marktsegmente dann reagieren, ist kaum zu prognostizieren. Grundsätzlich können Anleger mit einem breit aufgestellten Depot einer möglichen Zinswende aber gelassener entgegensehen. An der Börse zählen zudem nicht wenige Tage oder Wochen vor oder nach einem Zinsentscheid, sondern die Performance auf lange Sicht. Statt bei den ersten Marktreaktionen also gleich zu verkaufen oder hektisch Titel umzuschichten, kann es sich lohnen, zunächst abzuwarten. Substanzstarke Unternehmen spielen ihre Stärken über Jahre aus und kurzfristige Rücksetzer glätten sich im Zeitverlauf. Insofern gilt: Ruhe bewahren, den Markt beobachten und mit langfristiger Perspektive investieren.

Starke Ausschüttungen: Diese Titel sorgen für Dividenden

Unternehmen, die einen üppigen Anteil ihres Gewinns an die Aktionäre auskehren, sind bei Anlegern immer schon beliebt gewesen. Dividenden können ein angenehmes kleines Zusatzeinkommen generieren, das über anderweitige Durststrecken an der Börse hinwegtröstet.

Dividendenstarke Unternehmen finden sich vor allem im klassischen Value-Bereich, während zum Beispiel wachstumsstarke Titel wie Tech-Aktien in der Regel kaum oder gar keine Dividenden ausschütten.

Mit 10,80 Euro je Stückaktie ist zum Beispiel der Versicherungskonzern Allianz dieses Jahr ein guter Dividendenzahler. Im Vorjahr wurden für das vorangegangene Geschäftsjahr 9,60 Euro pro Aktie ausgeschüttet. Die diesjährige Hauptversammlung fand am 4. Mai 2022 statt.

Einen deutlichen Sprung verzeichnete die Wacker Chemie AG. Für das Geschäftsjahr 2021 wurde eine Dividende von 8,00 Euro pro dividendenberechtigter Stückaktie vorgeschlagen – sechs Euro mehr als im Vorjahr. Die Hauptversammlung soll am 20. Mai 2022 stattfinden.

Die Deutsche Börse beispielsweise plant, 3,20 Euro für das Geschäftsjahr 2021 pro Stückaktie auszuschütten. Die Hauptversammlung soll am 18. Mai 2022 stattfinden.

Um dividendenberechtigt zu sein, muss die jeweilige Aktie am Tag der Hauptversammlung im Depot liegen. Die Ausschüttung erfolgt dann am dritten Bankarbeitstag danach.

Etwas bequemer funktionieren Dividendenfonds. Diese investieren in ein ganzes Bündel an dividendenstarken Unternehmen und liefern somit gleich eine breite Diversifikation. Ein populäres Beispiel hierfür wäre der DWS Top Dividende (ISIN: DE0009848119), der seit April 2003 am Markt ist und auch als Sparplan für den schrittweisen Vermögensaufbau genutzt werden kann.

Banken: Jetzt günstig einsteigen?

Goldman Sachs, Deutsche Bank, Wells Fargo oder zum Beispiel die Societe Generale: Schaut man sich die Kursverläufe der Geldinstitute an, hat sich die angebahnte Zinswende noch nicht auf die Performance ausgewirkt. Zwar machte der Euro Stoxx Bank Index im vergangenen Jahr doppelt so viel Gewinn wie der DAX – momentan scheinen die Banktitel aber auf niedrigem Niveau zu verharren. Wer auf steigende Kurse spekulieren möchte: Jetzt sind die Titel günstig zu haben. Steigende Kreditzinsen könnten die Kassen längerfristig wieder füllen und damit die Attraktivität an der Börse erhöhen.

Marktbreit in die Branche investieren kann man beispielsweise mit dem iShares Euro Stoxx Banks (DE0006289309) oder mit dem Amundi ETF MSCI Europe Banks (ISIN: FR0010688176). Die beiden ETFs bilden ihren Referenzindex nach und bieten Zugang zum europäischen Bankensektor.

Autorin: KS, Redaktion smartbroker.de




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Kommentare

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17.05.22 10:03:20
Die Amis haben eine Schuldenkultur. Erst die Ausbildungskredite, dann das Auto, Kreditkarten, Haus...
Gewinn macht man erst ab 40, dass kann hier je nach Vertragsgestaltung gut nach hinten losgehen. Ich würde hier grundsätzlich auf Versicherungen setzen, die global aktiv sind. Man nimmt die Zinsen mit, das Kapital arbeitet und gut ist.
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16.05.22 22:56:32
Ich sehe es anders als der Vor-Kommentar. Die US-Banken werden durch steigende Inflation und steigende Zinsen mit häufigeren Insolvenzen konfrontiert werden. Schon jetzt ist die Belastung von Kreditkarten in den USA enorm angestiegen. Mit dem wachsenden Schuldenberg steigt auch das Risiko von Zahlungsausfällen, Immobilienpleiten usw.
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16.05.22 12:52:15
Ich würde in US Banken Investieren. Die Europäischen Banken werden nicht viel von einer Zinserhöhung Profitieren. Weil die Zinserhöhung in Europa ein Witz seinen wird. Ich glaube nicht daß , die EZB so blöde ist. Und eine neue Euro-Schulden Krise auslösen wird !

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