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Hatte Marx doch Recht?

Der aktuelle SPIEGEL fragt, ob Karl Marx nicht doch Recht hatte. Der Antikapitalismus erlebt eine Renaissance – in Form der grünen Ideologie, aber auch in Form des Marxismus.

Feiert Karl Marx ein Comeback in Deutschland? Die SPIEGEL-Beststellerliste wird angeführt von einem Buch über „Das Ende des Kapitalismus“ und DER SPIEGEL bringt in seiner aktuellen Ausgabe auf dem Cover ein großes Bild von Karl Marx mit dem Titel: „Hatte Marx doch Recht“?

Wer darauf verweist, dass seit 100 Jahren alle Systeme gescheitert sind, die sich auf Karl Marx berufen haben, dem wird entgegengehalten, diese hätten sich zu Unrecht auf ihn bezogen und seine an sich richtigen Gedanken missbraucht. Das ist die wichtigste Immunisierungsstrategie der Antikapitalisten: Die Entkoppelung des „guten Karl Marx“ von der gescheiterten politischen Praxis des Marxismus.

100 Jahre lang immer missverstanden?

Kann man einen Denker oder Propheten dafür verantwortlich machen, wenn die Menschen ihn missverstehen? Natürlich nicht. Das gibt es immer wieder. Wie oft haben sich Menschen auf Jesus Christus berufen, obwohl sie sich ganz und gar unchristlich verhielten! Aber daneben gab und gibt es eben auch viele Christen auf der ganzen Welt, die seine Lehren durchaus richtig verstehen. Und Jesus hatte schließlich auch keine Utopie zur Verwirklichung des Paradieses auf Erden entworfen: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt“, sagte er seinen Jüngern. Das Reich von Karl Marx sollte aber von dieser Welt sein.

Vor allem: Es ist etwas ganz anderes, wenn ein Denker angeblich immer und ausnahmslos missverstanden wurde, weil es angeblich kein einziges System gegeben habe, das seine Ideen „richtig“ umgesetzt habe. Genau dies soll bei Marx der Fall gewesen sein, denn wenn man diejenigen fragt, die den Denker von der Praxis des Marxismus abkoppeln wollen, wo denn seine Ideen jemals „richtig“ umgesetzt worden seien, dann erhält man keine Antwort. Der Grund ist einfach: Alle sozialistischen Systeme, die sich auf Marx beriefen, sind ausnahmslos gescheitert, ob in der Sowjetunion, in China, in Jugoslawien, in der DDR, in Nordkorea, in Albanien: In jedem dieser Länder wurde das marxistische Experiment auf eine andere Weise durchgeführt, aber alle scheiterten letztlich an ökonomischer Ineffizienz.

Die These, dass eine Theorie seit über 100 Jahren immer und ausschließlich missverstanden worden sei, ist schon äußerst kühn und wäre im Grunde ein vernichtendes Urteil über einen Theoretiker, denn das hieße ja, dass er sich extrem unklar und missverständlich ausgedrückt hätte. Damit tut man Marx allerdings unrecht. Er blieb in seinen Vorstellungen einer künftigen sozialistischen bzw. kommunistischen Gesellschaft bewusst ausgesprochen vage. Es finden sich nur vereinzelte Äußerungen, etwa in seinen Frühschriften. Marx wollte gerade kein „utopischer Sozialist“ sein, der ein fertiges Modell einer sozialistischen Gesellschaft entwarf. Aber so viel ist klar: Der Sozialismus – als Übergangsstadium zur klassenlosen Gesellschaft des Kommunismus – sollte darauf beruhen, dass das Privateigentum an Produktionsmitteln abgeschafft würde. Das hat Marx immer wieder sehr klar formuliert. Und genau dies ist in allen sozialistischen Systemen geschehen. Die Abschaffung des Privateigentums an Produktionsmitteln, die Ersetzung einer Marktordnung, in der Unternehmer entscheiden, was produziert wird und die Preise die wesentliche Informationsquelle sind, durch eine Staatswirtschaft war – bei allen Unterschieden – das Gemeinsame aller sozialistischen Systeme, ob nun in der Sowjetunion oder China, in Kuba oder Korea, in der DDR oder in anderen Ostblockstaaten. Lenin und Mao, Fidel Castro und Kim Il-sung, Walter Ulbricht und alle anderen haben in diesem wichtigsten Punkt Marx durchaus richtig verstanden.

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Nachrichtenquelle: Rainer Zitelmann
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