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ACG und CE Die ungleichen Brüder

Gastautor: Klaus Singer
03.04.2001, 14:30  |  249   |   |   
Die Aktien von ACG und CE Consumer haben einen langen Kursverfall hinter sich. ACG notiert bei weniger als 20% vom Allzeithoch. Die CE-Aktie hat es noch schlimmer erwischt. Seit Jahresanfang hat sie sich halbiert; gegenüber ihrem Allzeithoch gezehntelt. w:o analysiert die ungleichen Brüder.

Geschäftsfelder und Geschäftsmodelle überlappen sich kaum. ACG fokussiert den Chip-Karten-Markt mit Lösungen, Dienstleistungen und den hierzu erforderlichen Halbleitern. CE Consumer bearbeitet, pauschal ausgedrückt, den Rest und fokussiert den reinen Handel. ACG konzentriert sich gegenwärtig noch auf Europa, die Münchener um Erich Lejeune sind seit der Übernahme von SND recht stark in den USA vertreten. CE ist auf dem Weg von einem durch Nachfragezyklen relativ wenig betroffenen Broker zum Distributor und spürt daher die Chip-Konjunktur besonders deutlich. ACG wird davon weniger berührt.

Was haben beide Aktien nun vor sich? Die Chip-Konjunktur ist nach dem phänomenalen Aufschwung im vergangenen Jahr abgestürzt. Das Signal dazu kam aus den USA. Die Lager sind voll, der PC-Markt geht in den USA seiner Sättigung entgegen 175189, die Nachfrage nach Informationstechnologie insgesamt ist schwach 175602, die Investititionen der Telekommunikations-Carrier werden eingeschränkt, die Konjunktur kühlt sich allgemein ab. Diese Trends gelten mit Abstrichen auch für Europa und den Rest der Welt.

Der eine oder andere Beobachter sieht Zeichen der Hoffnung am Chip-Himmel. Von einer wirtschaftlichen Erholung, die ohne Zweifel auch die Chip-Industrie wieder ankurbelt, werden die Handelsunternehmen ebenfalls kräftig profitieren. Der Termin zum erneuten Durchstarten der Konjunktur wird in den USA aber zurzeit eher gegen das Jahresende geschoben, wenn nicht gleich auf nächstes Jahr vertagt. Da dürfte es für eine Wende noch etwas früh sein.

Erst einmal überwiegen also die Bedenken. So hat CE vor kurzem zwar prinzipiell am Ziel der Umsatz-Milliarde für das laufende Jahr festgehalten, gleichzeitig aber gesagt, dass es auch nur 700 Mio.DM werden könnten. Weniger aber nicht, wird betont.

Solch negative Töne hört man von ACG gegenwärtig nicht. Der SmartCard-Markt wird sich vermutlich besser der allgemeinen Schwächephase entziehen können. Es gibt wohl kaum einen Bereich, wo diese Karten nicht Einzug halten. Hinzu kommt, dass sich die USA erst Mitte des vergangenen Jahres dieser Technologe geöffnet hat. Dataquest prognostiziert für 2004 ein Marktvolumen von mehr als 8 Mrd.$ weltweit. 2000 sollen 2,4 Mrd.$ erreicht worden sein 102089.

CE ist an der Börse gegenwärtig mit deutlich unter 200 Mio.€ bewertet. Goldman Sachs, wie auch die BW Bank, sehen das 2001er KGV unter 13 und für das Folgejahr unter 8, bei Steigerungsraten des Gewinns je Aktie von bis zu 100% pro Jahr. Bezogen auf den letztjährigen Umsatz liegt das Kurs-Umsatz-Verhältnis bei 0,7.

Die Marktkapitalisierung von ACG liegt bei etwas über 300 Mio.€ und damit am 0,9-fachen des letztjährigen Umsatzes. Beim KGV sind die Beobachter überhaupt nicht einig. Das Bankhaus Lampe sieht für dieses Jahr eines von knapp 200, für das Folgejahr sollen es dann unter 20 werden. Die Berenberg Bank errechnet für 2001 ein KGV von rund 70 und taxiert rund 25 für 2001. Die BW Bank kommt für die beiden Jahre auf 33 und 15. Die jährlichen Gewinnsteigerungsraten sehen die Beobachter zwischen sehr stolzen 300% und 500%.

Was den Umsatz anbetrifft, spielen die beiden Unternehmen in der selben Liga. ACG hat im letzten Jahr rund 360 Mio.€ erlöst, CE kommt auf 550 Mio.DM. Was die KGV-Bewertung der Aktien angeht, sind die Unterschiede gravierend. Die CE-Aktie ist deutlich billiger. Die ACG-Aktie ist besonders gefährdet, wenn Wachstums-Bedenken aufkommen.
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