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     961  0 Kommentare Müßiggang ist aller Laster Anfang oder wenn die EZB zu wenig autoritär ist

    Für Sie zusammengefasst
    • EZB macht sich zins-locker
    • Zinssenkungen trotz Inflationsproblemen
    • Politiker sollten mehr Verantwortung übernehmen

    Müßiggang ist aller Laster Anfang oder wenn die EZB zu wenig autoritär ist

    Die Europäische Zentralbank macht sich zins-locker. Nach der Zinssenkung im Juni können dieses Jahr noch zwei weitere Erleichterungen folgen, obwohl die EZB ihre liebe Not hat, die Inflation weiter zu drücken, geschweige denn zügig das Zwei Prozent-Inflationsziel zu erreichen.

    Aus Sicht der reinen Stabilitätslehre sind Zinssenkungen eigentlich tabu. Das gilt zunächst vor dem Hintergrund, dass sich die preisdrückenden Effekte wie Globalisierung, Outsourcing und günstige Energiepreise umgekehrt haben. Gemeinsam mit Protektionismus, steigenden staatlichen Abgaben, Lohnerhöhungen, die an die sehr verehrten Bürger und Kunden weitergegeben werden und weltweit konjunkturstimulierenden Maßnahmen fällt die Wiederholung der Preisstabilität der vergangenen Jahre aus.

    Zu fragen ist zudem, wie bei immer teurer werdenden Ausgaben für regelmäßig zu kaufende Produkte und Dienstleistungen die Inflation der Bürger der Eurozone überhaupt unter drei Prozent liegen kann.

    Die Inflation ist einfach nicht totzukriegen. Und dennoch ist die EZB auf Zinssenkungskurs.

    Im Gegensatz zur Deutschen Bundesbank, die mit ihrer strikten Stabilitätspolitik in den 80er-Jahren de facto die gesamteuropäische Zinspolitik bestimmte, scheint für die EZB heute das Motto zu lauten „Der Weg ist das Ziel“. Man verweist darauf, dass die Preissteigerung ihren Höchststand von 10,6 Prozent im Oktober 2022 mittlerweile weit hinter sich gelassen hat.

    Die inoffiziellen Aufgaben der Geldpolitik

    Und warum verhält sich die EZB so? Weil sie mit Zusatzaufgaben belastet wird, deren Erfüllung mit der früheren Stabilitätspolitik kollidieren.

    In Europa lassen sich die umfangreichen Sozialleistungen, Konjunkturförderungen, Standortverbesserungen und Militärausgaben nur mit ebenso umfangreichen Staatsschulden finanzieren. Damit aber deren Schuldendienst den Euro-Ländern nicht das finanzielle Genick bricht, ist die EZB gezwungen, die Patronin voller Güte zu sein, die uns allezeit behüte. Konsequente Inflationsbekämpfung über kräftige Zinserhöhungen und scharfen Liquiditätsabzug verbieten sich, um keine Schulden-, Finanz- oder Bankenkrise zu riskieren. Auch will die EZB die Konjunktur stabilisieren. Ansonsten würden sich die bereits vorherrschenden sozialen Spannungen noch erhöhen.

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    Robert Halver
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    Robert Halver verfügt über langjährige Erfahrung als Kapitalmarkt- und Börsenkommentator und ist durch regelmäßige Medienauftritte bei Fernsehsendern und Radiostationen, auf Fachveranstaltungen und Anlegermessen sowie Fachpublikationen und als Kolumnist einem breiten Anlegerpublikum bekannt. Seine Markenzeichen, die unterhaltsame, bildhafte Sprache, kommen bei keinem seiner Auftritte zu kurz.

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    Verfasst von Robert Halver
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